ProminentRatgeberPodcastRedaktionService
PCR-Tests sollen bei hoher Auslastug vor allem kritischen Bereichen vorbehalten werden. (Archiv) Bildrechte: dpa

Teststrategie im FokusAntigen oder PCR: Welcher Corona-Test ist die richtige Wahl?

Stand: 20. Januar 2022, 19:07 Uhr

Angesichts der steigenden Corona-Infektionszahlen und der hohen Auslastung der Labore werden Testkapazitäten vor allem für PCR-Tests langsam knapp. Welchen Test man in welcher Situation nutzen sollte oder muss, erklärt BRISANT hier.

Neu-Infektionen auf Rekordhoch

Am Mittwoch (18.1.) hat die Zahl der täglichen Corona-Neuinfektionen nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) erstmals den Wert von 100.000 Fällen überschritten. Und das soll noch lange nicht das Ende sein. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach rechnet erst Mitte Februar mit dem Höhepunkt bei Infektionen. Das Risiko, sich mit der hochansteckenden Omikron-Variante zu infizieren, steigt also weiter an, ebenso die Wichtigkeit von Corona-Tests.

Schnelltests privat erste Wahl

Welcher Test ist der Richtige in welcher Situation? Bisherige Erkenntnisse zeigen: Besonders bei geringerer Viruslast schlagen Antigentests, zu denen etwa Schnell- und Selbsttests gehören, oft nicht an. Doch sie sind im privaten Umfeld häufig die erste Wahl, z.B. wenn die Corona-Warn-App rot anzeigt.

Welcher Test in welcher Situation?

Wenn jemand in zehntägige Quarantäne muss, beispielsweise als Kontaktperson einer infizierten Person aus demselben Haushalt, kann sie sich nach sieben Tagen auch mit einem offiziellen negativen Schnelltest freitesten. Voraussetzung ist hier, dass die Person keine Symptome hat. Die deutlich zuverlässigeren PCR-Tests sollen vor allem in Zeiten mit vielen Neu-Ansteckungen in kritischen Bereichen wie Krankenhaus, Feuerwehr und Polizei eingesetzt werden.

Offizielle Antigen-Tests können unter gewissen Umständen zum Freitesten verwendet werden. (Archiv) Bildrechte: dpa

Wichtige Fakten zu PCR- und Antigentests

Anderes Testprinzip - andere Zuverlässigkeit

Dass PCR- und Antigentests unterschiedlich exakt sind, liegt an ihrer Funktionsweise. Bei PCR-Tests werde in komplexen Arbeitsschritten mit Hilfe eines speziellen PCR-Geräts das Erbmaterial des Erregers im Labor nachgewiesen, erklärt Martin Roskos vom Labor-Dienstleister Synlab Deutschland. Bei Antigentests werden Proteine, die charakteristisch für das Virus sind, nachgewiesen - durch Selbsttests oder Schnelltests, etwa zu Hause oder bei einer Teststelle. Auch eine laborbasierte Auswertung von Proben, die generell genauer sei als bei Selbst- oder Schnelltests, so Roskos, ist möglich.

Der Unterschied bei der Zuverlässigkeit sei aber speziell bei asymptomatischen Corona-Infektionen bei allen Antigentests im Vergleich zum PCR-Test "ganz erheblich", gibt der Lübecker Labormediziner Bobrowski zu bedenken. "Das Hauptproblem, was sowohl der laborgestützte Antigentest als auch der Schnelltest hat, ist einfach die deutlich zurückgehende Sensitivität bei sinkender Viruslast." Das gelte auch für die Virusvariante Omikron.

Die Sensitivität ist einer von zwei Werten, die für die Zuverlässigkeit von Corona-Tests eine Rolle spielen. Während die Spezifität angibt, wie viele Nicht-Infizierte korrekt ein negatives Ergebnis erhalten, zeigt die Sensitivität den Anteil der mit dem Virus Infizierten an, die tatsächlich korrekt ein positives Testergebnis erhalten. Was also trügerisch sein kann: Ein negatives Antigentest-Ergebnis schließt eine Infektion nicht zwingend aus - und kann auch aus einer geringen Viruslast zum Testzeitpunkt resultieren.

Große Unterschiede bei Sensitivität und Spezifität

Konkret lägen bei PCR-Tests sowohl die Sensitivität als auch die Spezifität beim Coronavirus bei fast 100 Prozent - auch bei geringer Viruslast, so die Experten. Bei Infizierten mit Symptomen funktionierten die Antigentests recht zuverlässig, sagt Bobrowski: Die Sensitivität liege bei etwa 80 und die Spezifität bei etwa 95 Prozent. Bei asymptomatischen Verläufen mit geringer Viruslast sei das anders: Hier falle nur bei etwa der Hälfte der Infizierten der Antigentest korrekt positiv aus. "Das heißt, wir übersehen die Hälfte."

Auch erste Studienergebnisse geben Hinweise darauf, dass Antigentests bei Omikron frühe Infektionen übersehen könnten. Laut einer Studie eines Teams um Blythe Adamson (University of Washington) zeigte ein direkter täglicher Vergleich von PCR-Tests im Speichel und nasalen Antigentests bei einer Kohorte von 30 Menschen, dass letztere eine Omikron-Infektion oft erst wesentlich später erkannten. Die meisten Omikron-Infizierten waren demnach einige Tage lang infektiös, bevor dies durch Antigen-Schnelltests nachgewiesen werden konnte.

Mehrheit der Schnelltests erkennt Omikron

Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) verweist in einer Online-Übersicht darauf, dass Antigentests nicht zur sicheren Diagnose einer Corona-Infektion entwickelt worden seien, sondern um Menschen mit einer sehr hohen Viruslast schnell und einfach zu identifizieren. Auch seitens des PEI heißt es: Eine Infektion, auch mit der Omikron-Variante, könnten die Tests nur entdecken, wenn zum Testzeitpunkt eine hohe Viruslast bestehe.

Aber: Grundsätzlich kann der Großteil der in Deutschland angebotenen Corona-Schnelltests laut PEI die Omikron-Variante erkennen. Der Präsident des Instituts, Klaus Cichutek, sagte zuletzt im ZDF-"Morgenmagazin", dass das Institut mittlerweile über 250 Test-Produkte auf ein höheres Level an Sensitivität bewertet habe und mindestens 80 Prozent dieses Niveau auch schafften.

Gesundheitsminister Karl Lauterbach hatte eine "Positivliste" für Schnelltests angekündigt, die Omikron gut erkennen können. Die vom PEI genannten Daten seien ein Zwischenstand, erläuterte ein Gesundheitsministeriumssprecher. Das Erstellen der kompletten Liste dauere an. Er bekräftigte, dass Schnelltests keine 100-prozentige Gewissheit böten, aber für mehr Sicherheit im Alltag sorgten.

PCR-Kapazitäten am Limit?

Zuletzt warnte etwa der Ärzteverband Marburger Bund vor möglichen Engpässen bei PCR-Tests. Das Gesundheitsministerium gab dazu an, die mögliche Wochen-Kapazität von 2,4 Millionen Tests werde mit derzeit bis zu 1,5 Millionen PCR-Tests noch nicht ausgereizt. Der Vorsitzende des Verbands Akkreditierte Labore in der Medizin (ALM), Michael Müller, sagte: "Die Belastung in den Laboren ist zwar erheblich, aber ich sehe keinen Grund für zu große Sorgen." Bei zunehmendem Testgeschehen und begrenzten Kapazitäten komme es darauf an, die nationale Teststrategie stärker in den Fokus zu nehmen.

Sollten die Fallzahlen so massiv ansteigen, dass die Kapazitäten knapp würden, müssten aus Sicht von Laborarzt Bobrowski PCR-Tests von Menschen aus Risikogruppen und von Beschäftigten der kritischen Infrastruktur bevorzugt ausgewertet werden, um binnen 24 Stunden Ergebnisse zu haben. Die nationale Teststrategie sieht diese Priorisierung vor.

(BRISANT/dpa/wdr)

Dieses Thema im Programm:Das Erste | BRISANT | 20. Januar 2022 | 17:15 Uhr