Auch in Deutschland Gefährliches Pferde-Herpes EHV-1 versetzt Reitszene in Aufruhr

Bei einem Reit-Turnier im spanischen Valencia ist die neue, äußerst gefährliche Variante des Pferde-Herpes zum ersten Mal aufgetaucht. Jetzt hat das Virus auch Deutschland erreicht. Die Angst vor einer weltweiten Ausbreitung wächst.

Ein Pferd schaut aus seiner Box.
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Videos und Fotos sind alles, was Tessa Thillmann von ihrer Stute Qadira geblieben sind. Das Pferd ist vor wenigen Wochen bei einem Reitturnier in Spanien qualvoll an Pferde-Herpes gestorben. "Sie hat am ganzen Körper ganz doll gezittert. Sie war ganz wackelig auf den Beinen und ist dann hingefallen. Es war schrecklich, das mit anzusehen", sagte die 16-jährige Reiterin dem NDR. Bei Instagram postete sie ein Abschiedsvideo für ihr geliebtes Pferd.

Mittlerweile ist die neue Herpes-Variante EHV-1 auch in Deutschland angekommen und die Aufregung im deutschen Reitlager ist dementsprechend groß. Schon zwei Pferde starben hierzulande an der gefährlichen Erkrankung, insgesamt gibt es sogar schon fünf tote Pferde deutscher Reiter zu beklagen. Weltweit liegt die Zahl der Todesfälle bei sieben. "Jedes Pferd, das daran verstirbt, ist eines zu viel", sagte Soenke Lauterbach, Geschäftsführer der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN). "Es gibt noch keine pandemische Lage. Damit es aber nicht so weit kommt, haben wir harte Maßnahmen ergriffen", so Lauterbach weiter.

Angst vor weltweiter Ausbreitung

So wurden alle internationalen Turniere in Deutschland bis zum 28. März abgesagt. Neun weitere Länder reagierten ähnlich. Der Ausbruch sei "wahrscheinlich der schlimmste in Europa seit vielen Jahrzehnten", beschreibt die Generalsekretärin des Weltverbands FEI, Sabrina Ibanez, die Situation. Alle verstorbenen Vierbeiner hatten an einer internationalen Turnierserie im spanischen Valencia teilgenommen. Dort war das Virus ausgebrochen. Jetzt herrscht große Angst, dass sich das Virus weltweit ausbreiten könnte. Auch in Doha, wo am Wochenende das Auftaktturnier der Millionenserie Global Champions Tour startet, ist das Virus schon aufgetaucht. Vier Pferde, darunter zwei von dem deutschen Springreiter Sven Schlüsselburg, waren in Katar positiv auf das Virus getestet worden. Mittlerweile sind beide Pferde allerdings wieder negativ.

Impfung als Lösung?

Wie können die Tiere geschützt werden? Eine Möglichkeit sei nach Angaben von Tierärztin Christine Fuchs, die Tiere zu impfen. Dem NDR sagte sie, dass es eine Impfung gebe, diese allerdings keinen Einzeltierschutz biete. Es könne also sein, dass auch geimpfte Tiere unter den verstorbenen seien. Nur, wenn alle Pferde geimpft seien, gebe es einen höheren Schutz, da geimpfte Tiere nur sehr wenig vom Virus absondern würden. Man würde auch dann Ausbrüche haben, aber mit milderen Verläufen. Die Forderung von Christine Fuchs lautet deshalb, eine Impfpflicht einzuführen, denn diese gibt es bislang nicht.

Auch Tessas Qadira war gegen Herpes geimpft. Doch ohne den flächendeckenden Impfschutz konnte dem Tier nicht mehr geholfen werden.

ten/dpa/sid

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 05. März 2021 | 17:15 Uhr

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