Challenge im Darknet? Pferde-Ripper - Was treibt die Täter an?

Gut 30 Fälle sind in den letzten Wochen aus Frankreich gemeldet worden. Auch in Deutschland treiben sogenannte Pferde-Ripper derzeit ihr Unwesen. Zuletzt wurde eine Stute im nordrhein-westfälischen Dorsten bestialisch ermordet. Was bewegt die Täter dazu, die friedlichen Tiere zu quälen und tödlich zu verletzen? Die Polizei befürchtet einen grausamen Wettbewerb im Darknet.

Ein totes Pferd liegt auf einer Weide.
Opfer eines sogenannten Pferderippers: ein getötetes Pferd auf einer Weide. Bildrechte: dpa

Abartiger Tierquäler-Wettbewerb im Darknet?

Seit Wochen sorgen Tierquäler in Frankreich für Schlagzeilen. Ihre Opfer: Pferde. Insgesamt 30 Tiere sind mittlerweile verstümmelt worden. Der Verdacht der Polizei: Im sogenannten Darknet soll derzeit europaweit ein abartiger Wettbewerb ausgetragen werden, dessen Ziel es ist, Augen, Ohren oder Genitalien der Tiere als Trophäen sammeln.

Auch in Deutschland verbreiten Pferderipper Angst und Schrecken: im Rhein-Neckar-Kreis, in Thüringen - und zuletzt im nordrhein-westfälischen Dorsten. Die Tierschutzorganisation PETA schlägt Alarm - die Zahl der Angriffe auf Pferde war noch nie so hoch wie in diesem Jahr.

Sexuelle Motive? Was treibt die Täter an?

Das Phänomen der "Pferderipper" ist zum Glück ein eher seltenes. Wer wehrlose Pferde quält und verletzt, möchte Macht ausüben, erklärt Borwin Bandelow, Psychiater und Psychologe an der Psychiatrischen Klinik der Universität Göttingen. "Dass diejenigen auch Menschen ermorden, will ich nicht behaupten. Man muss aber davon ausgehen, dass der Täter gestört ist."

Die Verletzungen an den Genitalien der Stuten könnten Ausdruck einer schweren Persönlichkeitsstörung und eines Hasses auf Frauen sein, spekuliert der Fachmann. Möglicherweise stünden die Pferde stellvertretend für sie. Und: Ein solcher Täter kann nach Ansicht Bandelows nicht einfach aufhören, weil ihn die Taten stimulieren.

Zusammenhang zwischen Gewalttaten an Menschen und Tieren

Die Tierschutzorganisation PETA geht in ihrem Urteil etwas weiter und sieht die Taten der "Pferderipper" als Indikatoren für eine mögliche Vorstufe schwerer Sexual- oder Gewaltdelikte. Zahlreiche Mörder vergingen sich zunächst an Tieren, bevor ihnen Menschen zum Opfer fielen.

Wie können Pferdebesitzer ihre Tiere schützen?

Die Jahreszeit spielt den Pferderippern derzeit in die Karten: Noch ist es warm genug, dass die Tiere nachts auf der Weide stehen können. Allerdings wird es schon so früh dunkel, dass sich die Täter ungesehen an die Pferde heranschleichen können.

Die Tierschutzorganisation PETA rät Pferdehaltern zu besonderer Aufmerksamkeit. Wenn möglich sollten die Tiere nachts nicht auf der Koppel stehen, sondern in einer sicheren, bestenfalls mit Videokameras ausgestatteten Stallung untergebracht werden. Die Zugänge sollten gesichert und abgesperrt sein. Ist das nicht möglich, können Bewegungsmelder und spezielle Scheinwerfer helfen, ungebetene Besucher abzuhalten.

Kontrollgänge sollten - nach Möglichkeit zu unregelmäßigen Zeiten - und aus Sicherheitsgründen mindestens zu zweit durchgeführt werden. Ein Mobiltelefon sollte dabei am Mann sein. Verdächtig erscheinende Personen in der Umgebung sollten umgehend der nächsten Polizeidienststelle gemeldet werden, ebenso wie Personen, die bereits in der Vergangenheit durch ihr Verhalten aufgefallen sind.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 29. September 2020 | 17:15 Uhr

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