COVID-19 PIMS-Syndrom - eine Corona-Folgeerkrankung bei Kindern?

Die einen sehen sie als Virenschleudern, andere sind der Meinung, dass Kindern das Coronavirus nichts anhaben kann. Dass auch die Kleinen an COVID-19 erkranken können, ist mittlerweile unbestritten, wenngleich sie meist eher milde Symptome zeigen. Verstärkt auftretende Fälle des sogenannten PIMS-Syndroms legen jetzt den Verdacht nahe, dass auch Kinder vor Folgeerkrankungen einer Coronavirus-Infektion nicht gefeit sind. Was ist das für eine ausschließlich Kinder betreffende Erkrankung und worauf sollten Eltern achten?

Ein krankes Kind liegt im Bett
Ist das PIMS-Syndrom eine Folgeerkrankung einer Infektion mit dem Coronavirus? Bildrechte: imago images / agefotostock

Fieber, Bauchschmerzen, Herzprobleme. Bereits im Frühjahr wurden EU-weit mehrere Fälle von Kindern gemeldet, die wegen einer seltenen Entzündungskrankheit im Krankenhaus behandelt werden mussten: dem sogenannten PIMS-Syndrom. Allein in Deutschland sind rund 50 dieser Fälle dokumentiert worden.

Mit der zweiten Corona-Welle sind es noch mehr Kinder, die mit schweren Krankheitssymptomen im Krankenhaus behandelt werden. Mittlerweile steht die seltene Krankheit PIMS im Verdacht, eine Folgeerkrankung von Corona zu sein, die ausschließlich Kinder trifft.

Was ist das PIMS-Syndrom?

Die Abkürzung PIMS steht für "Paediatric Inflammatory Multisystem Syndrome". Damit ist ein Multi-Entzündungssyndrom bei Kindern gemeint, das vermutlich eine Überreaktion des Körpers auf Viren ist. Ein bislang vergleichsweise unerforschtes Leiden, ähnlich dem sogenannten Kawasaki-Syndrom. Auch bei dem kommt es - ausgelöst durch Viren oder Bakterien - zu einer Überreaktion des kindlichen Immunsystems.

Symptome des PIMS-Syndroms

Forscher des Imperial College in London beschreiben die Symptome des PIMS-Syndroms wie folgt: Hauptsymptome seien lange andauerndes Fieber, Bauchschmerzen und Durchfall. 52 Prozent der Kinder litten außerdem an Hautausschlägen im Intimbereich und an den Handinnenflächen, 45 Prozent an einer Bindehautentzündung, 14 Prozent der kleinen Patienten sogar an Herzproblemen.

Ein Kind mit Mundschutz und Roller im Zoo von Wuhan
Auch Kinder können in Einzelfällen an schweren COVID-19-Verläufen oder Folgeerkrankungen leiden. Bildrechte: imago images / Xinhua

Zusammenhang zwischen COVID-19 und PIMS-Syndrom

Nach Einschätzung des "Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten" (ECDC) ist ein Zusammenhang zwischen einer COVID-19-Erkrankung und dem PIMS-Syndrom bei Kindern durchaus plausibel. Denn: Auch bei Erwachsenen kann eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus eine Überreaktion des Immunsystems zur Folge haben.

Bei einigen der kleinen Patienten sei das PIMS-Syndrom etwa vier Wochen nach einer überstandenen COVID-19-Erkrankung aufgetreten. Bei etwa 90 Prozent der PIMS-Erkrankten seien Antikörper gegen das Coronavirus nachgewiesen worden. Bei einigen Kindern sei die vorangegangene Coronavirus-Infektion so mild verlaufen, dass sie gar nicht bemerkt worden sei.

PIMS-Syndrom gut behandelbar

In Panik verfallen brauchen Eltern trotzdem nicht. Obgleich die Zahl der am PIMS-Syndrom erkrankten Kinder deutlich gestiegen ist, handelt es sich nach wie vor um eine seltene Erkrankung. Zudem ist sie mit Immunglobulin gut behandelbar. Todesfälle sind die absolute Ausnahme.

Dennoch: Leiden Kinder nach einer Corona-Infektion unter hohem Fieber und Bauchschmerzen, sollte man die Möglichkeit eines PIMS-Syndroms durchaus im Hinterkopf haben und einen Arzt zu Rate ziehen.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 04. Januar 2021 | 17:15 Uhr

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