In allen EU-Staaten Plastikmüll reduzieren - Verbot von Einweg-Produkten in Kraft getreten

In Deutschland und allen anderen EU-Mitgliedstaaten sollen sämtliche Einwegplastikprodukte aus dem Handel verschwinden. Am Samstag ist ein entsprechendes Verbot in Kraft getreten. Damit soll ein Rückgang des Plastikmülls erreicht werden.

Plastikbesteck farbig mit Trinkhalmen.
Besteck und Strohhalme aus Plastik sind in der EU verboten. (Archiv) Bildrechte: IMAGO / PicturePoint

Das Verbot von Einweg-Kunststoffprodukten wie Trinkhalmen oder Ohrstäbchen ist am Samstag (03.07.) in der ganzen EU in Kraft getreten. Ein kleiner Schritt in Richtung nachhaltige Konsumgesellschaft, loben Verbraucherschützer - doch die meisten Anbieter weichen auf Materialien aus, die ebenfalls die Umwelt belasten. Wie geht es nun weiter? Bundesumweltministerin Svenja Schulze hält Mehrweg für den Königsweg.

Was genau besagt die neue EU-Richtlinie?

Ab dem 3. Juli sind Wegwerfprodukte aus Kunststoff verboten: Plastikbesteck, darunter auch Essstäbchen, Plastikgeschirr (Teller und Schalen) und Trinkhalme. Unter die Definition fallen auch Produkte, die nur teilweise aus Kunststoff bestehen, wie beschichtete Pappteller. Ein Verbot gilt auch für Lebensmittelbehälter zum Mitnehmen und Getränkebecher aus Styropor (Polystyrol). Verkauft werden dürfen auch keine Produkte mehr aus oxo-abbaubarem Kunststoff - das ist ein Kunststoff, der sich in Mikropartikel zersetzt, sich dann aber nicht weiter abbaut. Trotz Verbots werden diese Waren nicht sofort aus den Supermarktregalen und Imbissbuden verschwinden, denn Lagerbestände dürfen noch verbraucht werden.

Produkte, für die es laut Umweltministerium noch keine ökologisch sinnvolleren Alternativen gibt, müssen ab dem 3. Juli einen Warnhinweis tragen. Dazu gehören demnach Hygieneprodukte wie Binden oder Tampons und Feuchttücher, Tabakprodukte mit kunststoffhaltigen Filtern und Einweggetränkebecher aus Papier mit Kunststoffbeschichtung. Die Warnhinweise müssen deutlich erkennbar auf der Verpackung zu sehen sein. Bis 3. Juli 2022 dürfen die Hersteller den Hinweis noch als Aufkleber anbringen.

Messer und Gabeln aus Plastik - stehen in einem Kunststoffbecher.
Plastikbesteck gehört in der EU der Vergangenheit an. (Archiv) Bildrechte: dpa

Was ist an den Einweg-Produkten so schlimm?

Viele Einwegprodukte aus Kunststoff werden nach kurzem Gebrauch weggeworfen - und zwar oft nicht dahin, wo sie hingehören. Der Verband kommunaler Unternehmen schätzt, dass sie 20 Prozent des Abfalls aus Parks, öffentlichen Plätzen und Straßen ausmachen. Das meiste sind Becher und Behälter für Getränke und Lebensmittel aus expandiertem Polystyrol. Produkte aus oxo-abbaubarem Kunststoff gehören laut EU-Kommission zu den am häufigsten an europäischen Stränden gefundenen Plastikgegenständen. Sie sorgen für unendliche Mengen Müll.

Welche Alternativen gibt es?

Um weiterhin Getränke und Speisen für den Außer-Haus-Verzehr abzugeben, gibt es auch weiterhin viele Möglichkeiten: Aluminiumschalen etwa, Verpackungen aus kompostierbarem Kunststoff, aus Papier oder aus Recyclingmaterial. Die Verbraucherzentrale Berlin findet zu diesen Alternativen aber auch Gegenargumente: Denn für Herstellung und Recycling von Aluschalen wird viel Energie benötigt und die Recyclingfähigkeit ist nicht besonders hoch. Zudem kann der Stoff aus unbeschichteten Aluminiumschalen in die Speisen übergehen. Kompostierbare Kunststoffe, die teilweise aus pflanzlichen Rohstoffen hergestellt werden, können aktuell in den Kompostieranlagen nicht schnell genug abgebaut werden. Für Geschirr aus Papier müssen Wälder abgeholzt werden, für die Produktion aus Recyclingmaterial werde viel Energie, Chemikalien und Wasser benötigt. Und auch die deutsche Umwelthilfe betont: Es fällt kein Gramm weniger Abfall an.

 Einweg-Besteck aus Holz und Einweg-Geschirr aus Pappe als Alternative zu Plastik
Einweg-Besteck aus Holz und Einweg-Geschirr aus Pappe als Alternative zu Plastik. (Archiv) Bildrechte: dpa

Was ist wirklich nachhaltig?

Wirklich nachhaltig sind Produkte, wenn sie häufig wiederverwendet werden. Umweltministerin Schulze nennt Mehrweg daher "das Mittel der Wahl". Spätestens ab 2023 müssen alle Gastronomiebetriebe mit einer Fläche von mehr als 80 Quadratmetern Mehrweglösungen anbieten - sie dürfen nicht teurer sein als das Produkt in der Einwegverpackung. Heute schon ist es häufig möglich, Speisen oder Getränke in mitgebrachte Behältnisse gefüllt zu bekommen. Die Verbraucherzentrale Berlin empfiehlt Edelstahl, die Behältnisse können sehr oft wiederverwendet werden und halten auch warm oder kalt. Leichter ist Geschirr aus Polypropylen (PP). Es wird ohne Weichmacher hergestellt und ist lebensmittelsicher.

Was sagt die Industrie?

"Der Wegwerfkonsum ist verantwortungslos und hat keine Zukunft. Wir brauchen nachhaltige Lösungen für den Konsum", erklärt der Verband der Kunststofferzeuger, PlasticEurope. Da, wo Mehrweglösungen schon möglich seien, sollte auf sie gesetzt werden; zudem sollte "mehr Mehrweg" möglich gemacht werden. Kunststoffe seien hier aus ökologischer Sicht im Vergleich mit anderen Materialien oftmals klima- und umweltschonender, argumentiert der Verband.

(BRISANT/afp/dpa)

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 03. Juli 2021 | 17:10 Uhr

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