Clan-Mitglied Hannover: Klinik-Patient soll ausgeliefert werden

Seit Tagen sorgt ein massives Polizeiaufgebot rund um die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) für Verwunderung. Der Grund für den Einsatz ist das montenegrische Clan-Mitglied Igor K., das in der Klinik behandelt wird.

Ein Polizeifahrzeug fährt vor der Medizinische Hochschule Hannover.
Polizeifahrzeuge sichern die Medizinische Hochschule Hannover. Bildrechte: dpa

UPDATE 20. FEBRUAR 2020:
Niedersächsisches Innenministerium greift durch

Im Streit um die Behandlung eines schwer verletzten mutmaßlichen Clan-Mitglieds versucht das niedersächsische Innenministerium durchzugreifen: Der 35-Jährige aus Montenegro wird ausgewiesen. Er muss Deutschland so schnell wie möglich verlassen. Das habe die Stadt Hannover in enger Abstimmung mit dem Ministerium beschlossen, teilte Innenminister Boris Pistorius (SPD) am Donnerstag mit. Zunächst allerdings ändert sich nichts. Igor K. wird in der Medizinischen Hochschule Hannover behandelt, die Polizei bewacht das Krankenhaus weiterhin.

Igor K. eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung

Die Stadt Hannover als zuständige Ausländerbehörde stellte Igor K. die Ausweisungsverfügung laut Ministerium am späten Mittwochabend zu. In der Mitteilung heißt es: "Die Ausweisungsverfügung wurde notwendig, da von dem Aufenthalt des Patienten in der Medizinischen Hochschule eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung ausgeht. Damit sind aus aufenthaltsrechtlicher Sicht die notwendigen Maßnahmen eingeleitet worden, um den Aufenthalt der betroffenen Person möglichst schnell zu beenden. Sollte er seiner Ausreiseverpflichtung nicht freiwillig nachkommen, wird abgeschoben."

Nach Angaben von Pistorius - und unter Berufung auf die behandelnden Ärzte - ist Igor K. reisefähig. Seiner Ausreise stehe daher nichts im Wege. Der Montenegriner habe sieben Tage Zeit, um freiwillig auszureisen, danach könne er abgeschoben werden. Rechtsmittel habe er bislang nicht eingelegt.

STAND 13. FEBRUAR 2020:
Maschinenpistolen und Personenkontrollen

Das Gelände der MHH gleicht einem Hochsicherheitsbereich: Zahlreiche Beamte mit Maschinenpistolen bewachten die Eingänge und kontrollierten Besucher. In der Zufahrt zu der Universitätsklinik standen Polizeiwagen. Zu den Gründen gibt es bislang nur Spekulationen. Nach Angaben der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" soll der Großeinsatz mit einem Patienten, der ein hochrangiges Mitglied eines Clans aus Montenegro sein soll, zusammenhängen. Demnach würden die Behörden möglicherweise einen Anschlag befürchten und hätten die Sicherheitsvorkehrung deshalb erhöht.

"Schutz von Persönlichkeitsrechten"

Ein MHH-Sprecher wollte sich zu den Vorgängen nicht äußern und verwies an die Polizei Hannover. Doch auch die Beamten halten sich bislang bedeckt. "An der Medizinischen Hochschule Hannover werden aktuell Schutzmaßnahmen durchgeführt", so ein Sprecher. "Zum Schutz von Persönlichkeitsrechten werden dazu seitens der Polizei keine weiteren Angaben gemacht." Auch wie lange die Sicherheitsvorkehrung andauern würden, teilte der Sprecher nicht mit.

ten/dpa

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 20. Februar 2020 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Februar 2020, 20:50 Uhr

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