Animal Hoarding Wenn Menschen krankhaft Tiere horten

Animal Hoarding ist die zwanghafte Sucht, Tiere in großer Anzahl zu sammeln, ohne ihren Bedürfnissen gerecht zu werden. Dutzende Hunde oder Katzen in winzigen Wohnungen sind dabei keine Seltenheit. Das krankhafte Horten der Tiere betrifft aber längst nicht nur Hunde oder Katzen.

Viele Wellensittiche in einer Wohnung
Beim Animal Hoarding werden Dutzende Tiere in oft viel zu kleinen Wohnungen gehalten. Bildrechte: imago/blickwinkel

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Animal Hoarding nicht als Krankheit anerkannt

Auch Nager, Reptilien oder Vögel werden von Menschen in größten Mengen unter schlimmsten Bedingungen gehalten - meist ohne tierärztliche Versorgung, unterernährt und sich unkontrolliert vermehrend. Oft sterben die vernachlässigten Tiere.

Dr. Moira Gerlach von der Akademie für Tierschutz hat das bisher kaum erforschte Problem untersucht: "In Deutschland ist Animal Hoarding nicht als Krankheit anerkannt, es ist aber häufig so, dass Animal Hoarder länger zu Grunde liegende psychische Probleme oder zusätzlich noch psychische Erkrankungen wie z.B. Depressionen oder Zwangsstörungen haben. Das Problem ist auch, dass die Leute wirklich nicht erkennen, was sie den Tieren zumuten. Sehr häufig wird das Problem auch geleugnet."

Animal Hoarding
Verwahrloste Hunde, die in der Wohnung eines Animal Hoarders gefunden worden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Vier Typen von Animal Hoardern

Warum die Betroffenen überhaupt Tiere sammeln, kann offenbar unterschiedliche Beweggründe haben. Im Prinzip scheint es vier Typen von Animal Hoardern zu geben: "Das gibt es den Pflegertyp, der Tiere eigentlich sehr gern mag und bei dem Tiere einen sehr hohen Stellenwert haben, dem aber alles über den Kopf wächst. Dann gibt es den Züchtertyp, der ursprünglich mit einer Zucht anfängt, dann aber nicht registriert, dass er zu viele Tiere nachzüchtet. Es gibt auch den Rettertyp, der meint, dass es die Tiere nur bei ihm gut haben und aktiv Tiere von überall sammelt. Und wir haben den Ausbeutertyp, der Tiere nur aus eigennützigen Zwecken hält und keine Empathie für die Situation der Tiere zeigt", so Dr. Moira Gerlach.

Therapien oder Hilfsangebote gibt es für Betroffene bisher kaum. Selbst nach einer Therapie liegt die Rückfallquote laut Studien bei fast 100 Prozent. Auch Halte-Verbote von Behörden können die krankhaften Sammler leicht umgehen, indem sie einfach in einen anderen Ort umziehen. Doch Animal Hoarding wirft noch mehr Probleme auf - vor allem personelle und finanzielle für Heime oder Einrichtungen, die die Tiere aufnehmen.

Animal Hoarding
Tierretter mit einer Vielzahl von Hunden, die bei einem Animal Hoarder leben mussten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Fälle erkennen und melden

Nach Angaben der Deutschen Tierschutzbundes gibt es Anzeichen, die dabei helfen, Fälle von Animal Hoarding zu erkennen. Wenn die folgenden drei Kriterien erfüllt sind, kann es sich um einen beginnenden Fall der Sucht handeln:

  • es werden mehr Tiere gehalten, als in Deutschland im Durchschnitt üblich (bis ca. 3 Hunde, ca. 3-4 Katzen, ca. 5 Nager, etc.)
  • auf dem vorhandenen Gelände bzw. in den vorhandenen Räumlichkeiten leben zu viele Tiere (nach Einschätzung des Amtsveterinärs auf Grundlage von Minimalanforderungen, die wissenschaftlich ermittelt und publiziert wurden)
  • der Halter zeigt trotz überdurchschnittlich hoher Tierzahl und zu geringem Raumangebot keine Einsicht, dass der Tierbestand reduziert werden muss

Wie Sie betroffene Personen melden können, erfahren Sie hier beim Deutschen Tierschutzbund.

Quellen: bri/Deutscher Tierschutzbund

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 06. Dezember 2019 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Dezember 2019, 20:06 Uhr

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