Kamerafrau erschossen Polizei: Alec Baldwin wusste nichts von scharfer Munition in Waffe

Immer mehr Details zu dem tragischen Unglück am Set zu "Rust" kommen ans Licht. Hollywood-Star Alec Baldwin wusste nicht, dass die Waffe, mit der er Kamerafrau Halyna Hutchins erschossen hat, geladen war. Teile der Crew hatten zuvor das Set aus Protest gegen mangelnde Sicherheitsvorkehrungen verlassen. Auch Hutchins' Ehemann äußerte sich jetzt.

Halyna Hutchins
Die gebürtige Ukrainerin Halyna Hutchins war eine aufstrebende Kamerafrau. Bildrechte: Getty Images

Jetzt äußerte sich erstmals der Ehemann der verstorbenen Kamerafrau Halyna Hutchins. Gegenüber dem US-Portal "Insider" erklärte Matthew Hutchins: "Ich glaube nicht, dass es Worte gibt, die die Situation angemessen beschreiben". Er sei nicht in der Lage, sich zu den Fakten zu äußern. Diesen schrecklichen Unfall zu verarbeiten, werde Zeit benötigen, sagte er.

Auf Twitter teilte er ein Bild seiner Frau und des gemeinsamen neunjährigen Sohnes an einem Waldbach. Dazu schreibt er: "Halyna hat uns alle mit ihrer Leidenschaft und Vision inspiriert ... unser Verlust ist enorm." Er bittet die Medien darum, die Privatsphäre der Familie zu respektieren.

Bereits am Freitagabend deutscher Zeit twitterte Alec Baldwin, dass sein Herz gebrochen sei. Er hatte bei Dreharbeiten zum Low-Budget-Western "Rust" in New Mexico versehentlich Halyna Hutchins erschossen und den Regisseur Joel Souza verletzt.

Polizei durchsucht Filmset

Zu den genauen Umständen des Vorfalls im US-Bundesstaat New Mexico gebe es noch immer offene Fragen, teilte die Polizei am Freitagabend (Ortszeit) der Deutschen Presse-Agentur mit. Die Ermittler hätten den Drehort auf der Bonanza Creek Ranch durchsucht. Sie beschlagnahmten neben der Waffe und den Patronenhülsen auch die Kleidung, die Baldwin zum Zeitpunkt des Unfalls getragen hatte.

Alec Baldwin telefoniert.
Alec Baldwin, sichtlich aufgelöst, nach dem ersten Polizeiverhör. Bildrechte: picture alliance/dpa/Santa Fe New Mexican/AP

Regieassistent übergab "ungeladene" Waffe

Die "New York Times" und "CNN" zitierten aus einem Polizeibericht, dass der Regieassistent am Set eine sogenannte Prop-Waffe (eine Requisite) mit dem Hinweis an Alec Baldwin übergeben habe, sie enthalte keine scharfe Munition. Wörtlich soll er gesagt haben: "cold gun" (deutsch: "kalte Waffe"). Die amerikanische Nachrichtenagentur "Associated Press", der der Durchsuchungs-Beschluss vorliegt, meldete, dass die Waffe nach Erkenntnissen des Ermittlers tatsächlich mit einer scharfen Kugel geladen war.

Der Filmrevolver sei einer von drei Requisitenwaffen gewesen, die von einer Waffenmeisterin bereitgelegt worden seien. Weder der Regieassistent noch Baldwin wussten demnach, dass der Revolver mit scharf geladen war. Aus diesem Grund hat die Staatsanwaltschaft auch keinen Haftbefehl gegen den Schauspieler erlassen.

Als Baldwin die Waffe abfeuerte, kam es zur Tragödie: Er traf die 42 Jahre alte Hutchins in die Brust. Regisseur Souza, der hinter ihr stand, wurde an der Schulter verletzt, er überlebte.

Noch am Dienstag hatte Hutchins ein Set-Foto auf Instagram gepostet. Sie steht zwischen Alec Baldwin und der Dame im rosafarbenen Kleid.

Beschwerden über mangelnde Sicherheit am Set

Laut der "Los Angeles Times" vom Freitag sollen sich Mitarbeiter am Set über mangelnde Sicherheitsvorkehrungen beschwert haben. Die Zeitung berichtete unter Berufung auf ungenannte Quellen, mehrere Mitarbeiter der Kamera-Crew hätten wenige Stunden vor dem tödlichen Vorfall aus Protest gegen die Arbeitsbedingungen den Drehort verlassen.

Die in Hollywood üblichen Sicherheitsprotokolle seien nicht strikt befolgt worden, hieß es. Das Team wurde ausgetauscht - zu ihm soll auch der neue Regieassistent gehört haben.

Bereits zuvor hätte es Fehlschüsse mit der Pistole gegeben. Vor allem Hutchins, Mitglied der Filmangestellten-Gewerkschaft IATSE, soll sich vor ihrem Tod erfolglos für sicherere Bedingungen für ihr Team eingesetzt haben.

Die Bonanza Creek Ranch, einen Tag nach einem Zwischenfall, bei dem ein Crewmitglied getötet und ein weiteres verletzt wurde
Die Bonanza Creek Ranch ist ein beliebter Drehort für Western. Bildrechte: dpa

Quelle: AFP/dpa/New York Post/Süddeutsche

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 23. Oktober 2021 | 17:10 Uhr

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