Künstlerischer Protest? #allesdichtmachen: 50 Schauspielerinnen und Schauspieler kritisieren Corona-Politik

Mit diesem Protest hat wohl niemand gerechnet. Über 50 bekannte deutsche Schauspielerinnen und Schauspieler haben sich mit zynisch-sarkastischen Clips an die Öffentlichkeit gewendet, um die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung zu kritisieren. Statt alternativen Lösungsvorschlägen gibt's jede Menge Ironie - und für die Darsteller reichlich Kritik und Gegenwind.

Die Kombo aus einzelnen Video-Standbildern der Internetaktion #allesdichtmachen via Youtube zeigt Schauspieler, die sich an der Internetaktion unter dem Motto #allesdichtmachen beteiligen
#allesdichtmachen: Über 50 deutsche Schauspieler kritisieren mit einer gemeinsamen Aktion die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung Bildrechte: dpa

Vor gut einem Jahr warben einige von ihnen noch mit Hashtags wie #stayathome und #zuhausebleiben für die Einhaltung der Corona-Maßnahmen. Mittlerweile scheinen auch renommierte Schauspieler Corona-müde geworden zu sein.

Versehen mit dem Hashtag #allesdichtmachen haben über 50 bekannte Gesichter aus Film und Fernsehen die Plattform YouTube genutzt, um - mal zynisch, mal ironisch, mal sarkastisch - die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung zu kritisieren. Darunter: Jan-Josef Liefers, Heike Makatsch, Meret Becker, Ulrich Tukur, Wotan Wilke Möhring, Martin Brambach, Richy Müller und Ulrike Folkerts.

Gemeinsam geplante Aktion

Was auffällt: die Videos sind sich in ihrer Aufmachung ähnlich, beginnen meist mit den Worten "Meine Name ist ..." und "Ich bin Schauspieler". Am Ende erscheinen die drei - vermutlich nicht ernst gemeinten - Forderungen: Alles dicht machen. Nie wieder aufmachen. Lockdown für immer.

Einige Videos sind offensichtlich vor der selben Kulisse entstanden: So sitzt Trystan Pütter auf der selben Treppe, die auch im Clip von Ken Duken zu sehen ist. Und die Couch auf der Nadja Uhl sitzt, sieht der hinter Meret Becker verdächtig ähnlich.

Richy Müller atmet in seinem Clip für die Internetaktion unter dem Motto #allesdichtmachen abwechselnd in zwei Tüten
Auch Richy Müller hat sich für seinen #allesdichtmachen-Beitrag mächtig ins Zeug gelegt. Mittlerweile hat er ihn gelöscht. Bildrechte: dpa

Das ging nach hinten los ...

Eine Aktion, die mächtig nach hinten losgegangen ist, findet Medienpsychologe Jo Gröbel.

Die meisten sind hochintelligente reflektierte Leute. Wenn das Dumpfbacken wären, würde man sagen: geschenkt. Aber die müssen sich schon überlegen, was sie sagen und was sie damit bewirken. (...) Es wäre sehr viel überzeugender, wenn es nachvollziehbare Argumente wären und nicht so 'ne Art Gefühlsausbruch.

Jo Gröbel, Medienpsychologe BRISANT

Protest von Kollegen, Bestätigung aus rechts-konservativem Lager

Gegenwind gab's auch von Kollegen wie Christian Ulmen ("Heute bisschen für Kollegen schämen."), Nora Tschirner, Wayne Carpendale, Florian David Fitz und Elyas M'Barek. Was sie bestätigt ist das Lob für #allesdichtmachen aus dem rechts-konservativen Lager.

Florian David Fitz, Schauspieler
Findet die Aktion seiner Kollegen nicht gelungen: Schauspieler Florian David Fitz. Bildrechte: dpa

Der frühere Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, bezeichnet die Aktion auf Twitter als "großartig". Die AFD-Abgeordnete Joana Cotar findet für Jan Josef Liefers Beitrag lobende Worte. Auf die hatte er es sicherlich nicht abgesehen, obgleich er via Twitter verneint, mit seinem Beitrag Gedankengut der sogenannten Querdenker zu verbreiten.

Jan Josef Liefers #allesdichtmachen
Für seinen Beitrag gibt's Lob von der AFD-Abgeordneten Joana Cotar. Bildrechte: Screenshot Youtube

Erste Videos gelöscht, erste Entschuldigungen

Mittlerweile haben die ersten #allesdichtmachen-Promis reagiert, ihre Beiträge gelöscht und sich - wie Heike Makatsch und Meret Becker - via Instagram bei ihren Fans entschuldigt. Die Website allesdichtmachen.de war zwischenzeitlich nicht mehr erreichbar, mittlerweile sind nur noch 32 der ursprünglich 53 Video online.

Schauspielerin Heike Makatsch
Hat sich mittlerweile bei ihren Fans entschuldigt und ihren Beitrag gelöscht: Schauspielerin Heike Makatsch. Bildrechte: dpa

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 23. April 2021 | 17:15 Uhr

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