Ausführliches Interview Prozess gegen Johnny Depp: Amber Heard fühlt sich unfair behandelt

Wer dachte, dass der Rosenkrieg zwischen Amber Heard und Johnny Depp mit dem Urteil im Verleumdungsprozess zu Ende gegangen ist, täuscht sich. Erstmals seit dem Prozess hat sich Amber Heard ausführlich zum Urteil geäußert - und zwar in einem großen Fernseh-Interview. Vor allem die Sicht auf sie in den sozialen Netzwerken ist ihr dabei ein Dorn im Auge.

Amber Heard
Amber Heard beklagt den "unfairen Hass" gegen sie während des Prozesses. (Archiv) Bildrechte: dpa

Nächste Runde im Rosenkrieg zwischen Johnny Depp und seiner Ex-Frau Amber Heard? Normalerweise enden juristische Auseinandersetzungen mit dem Urteil. Nicht aber im Verleumdungsprozess der beiden Hollywood-Stars. Amber Heard hat sich entschieden, ihre Sicht auf das Urteil und den Prozess noch einmal öffentlich kundzutun. In einem ausführlichen Fernsehinterview mit dem US-Sender NBC hat die 36-Jährige vor allem den gegen sie gerichteten Hass in Online-Netzwerken beklagt. "All dieser Hass und die Schärfe" seien nicht "fair" gewesen, sagte Heard.

Amber Heard: Keine "faire" Darstellung

Heard war während des mehrwöchigen Prozesses Ziel scharfer Attacken von Nutzern von Online-Plattformen geworden. Dabei wurden unter anderem ihre Vorwürfe der häuslichen Gewalt gegen Depp in Zweifel gezogen. Bei dem international beachteten Zivilprozess hatten sich die Geschworenen Anfang Juni weitgehend auf Depps Seite gestellt: Sie verurteilten Heard zur Zahlung von mehr als zehn Millionen Dollar Schadenersatz an den Schauspieler. Depp wurde im Gegenzug zu lediglich zwei Millionen Dollar Schadenersatz an Heard verurteilt.

Heard betonte in dem NBC-Interview, sie nehme den Geschworenen ihr Urteil nicht übel. "Ich mache ihnen keinen Vorwurf. Ich verstehe, dass er ein geliebter Charakter ist. Die Menschen haben das Gefühl, ihn zu kennen. Er ist ein fantastischer Schauspieler." Sie selbst dagegen sei während des Prozesses über dreieinhalb Wochen in Zeugenaussagen als "unglaubwürdige Person" dargestellt worden, der "kein Wort" geglaubt werden könne.

"Selbst jemand, der überzeugt ist, dass ich diesen ganzen Hass und diese Boshaftigkeiten verdiene... Auch wenn du denkst, dass ich lüge - du kannst mir nicht in die Augen sehen und sagen, dass du glaubt, dass es in den sozialen Medien eine faire Darstellung gegeben hat", so Heard. Die 36-Jährige betonte jedoch auch, dass sie die Angriffe "nicht persönlich" nehme.

Dieses undatierte von NBC News zur Verfügung gestellte Foto zeigt die Journalistin Savannah Guthrie (r) während eines exklusiven Interviews mit Amber Heard, Schauspielerin aus den USA.
Amber Heard hat sich erstmals seit dem Urteil ausführlich in einem TV-Interview geäußert. Bildrechte: picture alliance/dpa/NBC News/AP

Psychische Gesundheit von Amber Heard im Fokus

Die psychische Gesundheit von Amber Heard war auch während des Prozesses immer wieder Thema. Ihre Seite kam mithilfe von psychologischen Gutachten zu dem Schluss, dass Amber Heard unter einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTSD) leide, die im Zuge häuslicher Gewalt gegen sie entstanden sein soll. Depp bestritt im Zeugenstand unter Eid, Heard jemals geschlagen zu haben.

Die forensische Psychologin Dr. Shannon Curry, die für Johnny Depp arbeitete, kam bei ihrer Evaluierung zu einem anderen Ergebnis als das Team von Amber Heard. Demnach leide Heard nicht an PTSD, sondern an einer Borderline-Störung sowie an einer leichten histrionischen Persönlichkeitsstörung. Was sind die Unterschiede?

Histrionische Persönlichkeitsstörung

Die Histrionische Persönlichkeitsstörung ist durch ein Muster von übermäßiger Emotionalität und Aufmerksamkeitssuche gekennzeichnet. Emotionen werden oft oberflächlich, theatralisch und übertrieben dargestellt. Die Patienten stehen gerne im Mittelpunkt. Tun sie das nicht, werden sie schnell depressiv. Zudem sind sie sehr auf ihr Äußeres bedacht und wollen damit verführen oder provozieren und andere von sich selbst überzeugen.

Borderline-Persönlichkeitsstörung

Bei einer Borderline-Persönlichkeitsstörung geht es vordergründig um eine enorme Instabilität des Selbstbildes und eine unkonstante Beziehungsfähigkeit gegenüber anderen Menschen. Sie kann gekennzeichnet sein durch: Intensive Angst/Wut, dramatische Änderung von Sichtweisen, Stimmungsschwankungen, Impulsivität.

Posttraumatische Belastungsstörung

Eine posttraumatische Belastungsstörung kann nach einem tiefgreifenden traumatischen Ereignis entstehen. Im Fall von Amber Heard soll es die mutmaßliche häusliche Gewalt durch Johnny Depp gewesen sein. Bei PTSD ist es grundsätzlich unerheblich, ob das Ereignis selbst erlebt wurde oder man Zeuge davon war. Es können wiederholte, starke und ungewollte Erinnerungen entstehen, die länger als einen Monat andauern. Albträume, Depressionen und andere Angststörungen können bei chronischen Fällen die Folge sein.

Dr. Shannon Curry
Laut Dr. Shannon Curry leidet Amber Heard an einer Borderline-Störung sowie an einer histrionischen Persönlichkeitsstörung. (Archiv) Bildrechte: dpa

Jury eher von Depp-Seite überzeugt

Unter welcher psychischen Störung Amber Heard tatsächlich leidet, ist unklar. Beide Anwaltsteams versuchten im Prozess, die Psychologen und Diagnosen der anderen Seite zu diskreditieren. Mit ihrem Urteil schlug sich die Jury jedenfalls eher auf die Seite von Johnny Depp.


(BRISANT/dpa/afp/msd manuals)

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 14. Juni 2022 | 17:15 Uhr

Mehr Promi-News