Nach Kritik am neuen Album Beyoncé ändert Liedtext ihres Songs "Heated"

Seit Veröffentlichung ihres Albums "Renaissance" hören Millionen Menschen Beyoncés neue Songs rauf und runter. Kein Wunder: Ihre Fans mussten sechs Jahre auf ein neues Studioalbum warten. Doch der Song "Heated" stößt einigen Hörern sauer auf. Der Grund: Der Popstar verwendet in den Lyrics einen Begriff, der für viele als abwertend gilt. Beyoncé lenkt ein und ändert den Songtext – damit ist sie nicht die erste Musikerin.

Das Cover des Albums "Renaissance" der Sängerin Beyoncé.
Am 29. Juli erschien Beyoncés neues Album. Nur wenige Tage später gibt es die ersten Negativ-Schlagzeilen. Bildrechte: dpa

Am 29. Juli meldete sich Beyoncé mit ihrem siebten Studioalbum "Renaissance" aus ihrer bisher längsten Musikpause zurück. Neben allerhand Lob hagelt es aber auch Kritik. Im Song "Heated", den Beyoncé zusammen mit dem kanadischen Sänger Drake geschrieben hat, verwendet die US-Sängerin gegen Ende des Songs zweimal das Wort "spaz". Im Deutschen kann man das Verb "spaz out" je nach Kontext mit "abdrehen" oder "toben" übersetzen, das Wort "spaz" aber auch mit dem Schimpfwort "Spast". "Spaz" ist eine Kurzform von "spastic", die im Englischen oft als abwertende Bezeichnung für Menschen mit Behinderung verwendet wird.

Unter anderem machte die Aktivistin Hannah Diviney, die sich vor allem in den USA für Menschen mit Behinderungen einsetzt, ihrem Unmut Luft und übte öffentlich Kritik an Beyoncés Wortwahl. Die Folge: Zahlreiche Fans, Aktivisten und Menschen mit Behinderung forderten eine Änderung des Liedtextes. 

Beyoncé und ihr Team reagierten prompt. Über eine Sprecherin ließ der Popstar verkünden, dass der Begriff "spaz", der nicht "absichtlich in verletzender oder herabwürdigender Art und Weise benutzt wurde", ersetzt wird.

Auch Lizzo ändert Lyrics nach Kritik

Erst im Juni hatte Sängerin Lizzo dasselbe Wort in ihrem Song "Grrrls" verwendet und damit ebenfalls für negative Schlagzeilen gesorgt. Lizzo reagierte schnell und schrieb ihren Song um. Sie stellte klar, dass sie "abfällige Sprache" niemals unterstützen wolle. Die Australierin Hannah Diviney erklärte nun der BBC gegenüber, dass sich Beyoncés Song "Heated" wie "ein Schlag ins Gesicht" anfühle. Nur wenige Wochen nach Lizzos Skandal fühle sie sich "müde und frustriert" und bedaure es, dass man nach so kurzer Zeit schon wieder die gleiche Konversation führen müsse.

Lizzo, Sängerin aus den USA, tritt in der Today Show von NBC im Rockefeller Plaza auf.
Erst im Juni brachte Sängerin Lizzo mit ihrem Song "Grrrls" die Kritiker gegen sich auf. Bildrechte: dpa

Doch Lizzo und Beyoncé sind längst nicht die ersten Sänger, die sich bei ihren Texten im Wort vergriffen haben. Auch diese Musiker und Musikerinnen mussten ihre Songs umschreiben: 

Taylor Swift: "Picture to Burn" (2006)

Gleich zu Beginn ihrer Karriere passierte der damals 16-jährigen Taylor Swift mit ihrem Debütalbum ein Fauxpas: 2006 sang sie im Song "Picture to Burn" folgende Zeilen: 

"So go and tell your friends that I’m obsessive and crazy / That’s fine, I’ll tell mine you’re gay" (deutsch: Dann geh und erzähle deinen Freunden, dass ich besessen und verrückt bin / Das ist ok, dann werde ich meinen erzählen, dass du schwul bist).

Taylor brachte damals viele Anhänger der queeren Szene gegen sich auf. Letztendlich änderte sie die Zeile zu "that's fine, you won't mind if I say". 

Sängerin Taylor Swift.
Taylor Swift schwulenfeindlich? Zumindest zeigten sich ihre Fans 2006 nicht begeistert vom Song "Picture to Burn" – aus nachvollziehbaren Gründen. Bildrechte: dpa

Black Eyed Peas: "Let's Get It Started" (2003)

"Let's Get It Started" – einer der bekanntesten Songs der Band "Black Eyed Peas" – erschien 2003 ursprünglich als "Let's Get Retarded" auf dem Album "Elephunk". 

Die Phrase "Let's Get Retarded" bedeutet im Slang der West Coast so etwas wie "auf der Tanzfläche abgehen", kann aber in anderen Teilen der USA  auch mit  "zurückgeblieben" übersetzt werden.

Die Band entschied sich relativ schnell dafür, den Songnamen in das unverfänglichere "Let's Get It Started" zu ändern. 

Mitglieder der Band Black Eyed Peas posieren für ein Foto.
Die "Black Eyed Peas" kommen aus Los Angeles – doch nicht jeder versteht ihren Westküsten-Slang. Das wurde ihnen zum Verhängnis. Bildrechte: dpa

 Michael Jackson: "They Don’t Care About Us" (1995)

Selbst der King of Pop löste mit einem seiner Songtexte Kontroversen aus: 1995 sorgte sein Song "They Don’t Care About Us" für Unmut bei vielen Zuhörern. Der Grund: Viele hielten den Songtext für antisemitisch. Besonders folgende Zeile stieß Jacksons jüdischstämmigen Fans sauer auf: "Jew me, sue me, everybody do me". 

Besonders bitter: Eigentlich wollte Michael Jackson in seinem Song auf Rassimus aufmerksam machen – Ziel verfehlt, urteilten damals viele Kritiker. 

Der amerikanische Popstar Michael Jackson (m) dreht am 12.2.1996 mit seinem Team einen Videoclip in einem Elendsviertel von Rio de Janeiro.
Eigentlich war der Song "They Don’t Care About Us" als Protestlied gegen Polizeigewalt und Rassismus gedacht … Bildrechte: dpa

In einem veröffentlichten Statement entschulidgte sich Michael Jackson 1995 wortreich bei seinen Fans: "Meine Intention war es, mit Sprache zu demonstrieren, wie hässlich Rassismus, Antisemitismus und Stereotypisierung sein können. […] Ich habe aber verstanden, dass ich dabei ausgerechnet meine eigenen Leute beleidigt habe. Das war nie meine Absicht. Ich hoffe aufrichtig, dass man mir verzeihen kann."


Brisant/dpa/AFP/US Magazine

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 02. August 2022 | 17:15 Uhr

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