Marilyn-Monroe-Biopic "Blond" Warum macht Marilyn Monroe die Welt immer noch verrückt?

Diese Woche startet mit "Blond" einer der meist diskutierten Filme des Jahres auf Netflix. Zahlreiche Details sorgten im Vorfeld für Kontroversen: Darf eine Latina Marilyn Monroe spielen? Warum ist "Blond" die erste Netflix-Eigenproduktion mit Altersfreigabe 18? BRISANT wirft einen Blick auf das umstrittene Biopic und geht der Frage nach, warum Marilyn Monroe sechzig Jahre nach ihrem tragischen Tod immer noch fasziniert.

Marilyn Monroe
Zum Verwechseln ähnlich: Das ehemalige Bondgirl Ana de Armas schlüpfte für "Blond" in die Rolle der Filmikone Marilyn Monroe. Bildrechte: dpa

Welches Bild kommt Ihnen in den Sinn, wenn Sie den Namen Marilyn Monroe hören? Die "Happy Birthday"-hauchende Monroe im Glitzerkleid? Das blonde Dummchen aus "Das verflixte 7. Jahr"? Oder der Vamp aus "Niagara"?

Marilyn Monroe bewegt seit sechs Jahrzehnten die Massen - 2022 vielleicht sogar mehr denn je. Grund ist nicht nur ihr 60. Todestag, sondern auch das neue Biopic "Blond", dass diese Woche erstmals beim Streaminganbieter Netflix über die Bildschirme flimmert (nachdem die Premiere immer wieder verschoben wurde). Co-Produzent des Netflix-Mammutprojektes ist übrigens kein Geringerer als Brad Pitt. Pläne für eine Verfilmung gab es schon seit 2011.

Marilyn Monroe
Ana de Armas spielt im weißen Neckholder-Kleid Marilyns ikonische Filmszene aus "Das verflixte 7. Jahr" nach. Bildrechte: dpa

"Blond": Darum ist der Film so umstritten

Die Liste ist lang: Die Diskussionen fangen schon bei der Genre-Bezeichnung an: Ist der knapp dreistündige Film wirklich ein Biopic? Oder vielmehr Fiktion? Klar ist: "Blond" basiert auf dem gleichnamigen Roman von Joyce Carol Oates - ein Roman, keine Biografie. Denn Oates betonte selbst immer wieder, dass "Blond" eine fiktionale Erzählung ist.

Erzählt wird Marilyns komplettes Leben: Vom kleinen Mädchen Norma Jeane, das in Los Angeles zwischen Pflegefamilien, Kinderheimen und einer psychisch labilen Mutter aufwächst, bis hin zur Erschaffung des Sexsymbols Marilyn Monroe. Dabei werden wahre Stationen in Marilyns Leben mit zahlreichen Gerüchten und fiktiven Charakteren vermischt.

Gezeigt werden auch einige explizite, schonungslose und teils verstörende Sex- und Vergewaltigungszenen, die für die Altersfreigabe ab 18 Jahren verantwortlich sind.

Fotografien spiegeln sich in einem Porträtbild des Fotografen Bruno Bernard, das Norma Jeane Baker 1946 in Palm Springs zeigt.
Vor Marilyn Monroe war Norma Jeane Baker (hier im Jahr 1946), wie der Filmstar mit bürgerlichen Namen hieß. Bildrechte: dpa

Darf eine Kubanerin Marilyn Monroe spielen?

Für Diskussionen sorgte auch die Besetzung: Ana de Armas, die Marilyn verkörpert, kommt gebürtig aus Kuba und spricht mit einem leichten spanischen Akzent. Das stört zahlreiche Zuschauer. Die offizielle Nachlassverwaltung von Marilyn Monroe, das "Marilyn Monroe Estate", springt der Schauspielerin allerdings zur Seite: Ana de Armas sei eine großartige Wahl. 

In einem Interview mit "The Times" erzählte Ana de Armas, dass sie fast ein ganzes Jahr lang an ihrem Monroe-Akzent gearbeitet habe. "Ich brauchte neun Monate Dialekt-Coaching, Übung und einige weitere Sitzungen", so die Schauspielerin. "Eine Tortur [...] Mein Gehirn war kaputt."

Ana de Armas, kubanisch-spanische Schauspielerin
Für ihre Verwandlung ind Marilyn Monroe saß Ana de Armas täglich drei Stunden in der Maske. Bildrechte: dpa

Dreharbeiten in Marilyns Todeszimmer

Da Marilyns ganzes Leben gezeigt wird, bleibt dem Zuschauer auch ihr Tod nicht erspart. Gedreht wurde in genau dem Appartement, in dem der Filmstar zuletzt lebte und auch starb. Einige Fans empfinden das als pietätlos und üben Kritik. 

Ana de Armas erzählte während einer Pressekonferenz im Rahmen der Filmfestspiele von Venedig, dass die Dreharbeiten nicht spurlos an ihr vorbeigegangen sind: Sie hatte das Gefühl, dass sie von Marilyns Geist heimgesucht wurde. "Ich glaube fest daran, dass sie bei uns war. [...] Ich denke, sie war glücklich. Aber manchmal warf sie auch Sachen am Set um, wenn sie mit etwas nicht zufrieden war."

Marilyn Monroe
Platinblonde Haare, ikonischer Augenaufschlag: Marilyn ließ Ana de Armas auch nach den Dreharbeiten nicht los. Bildrechte: dpa

Expertinnen erklären den Mythos Marilyn

Anhand der Kontroversen noch vor dem Filmstart von "Blond" spürt man, wie persönlich und empfindsam Menschen reagieren, wenn es um Marilyn Monroe geht. Stellt sich die Frage: Warum bewegt die Blondine immer noch die Massen? BRISANT fragte bei Monroe-Expertinnen nach.

Forever Young: Früher Tod mit nur 36 Jahren

"Wen die Götter lieben, der stirbt jung", sagte einst der griechische Schriftsteller Plutarch. Und sicher trägt Marilyn Monroes früher Tod zu ihrem Mythos bei. Denn in der Erinnerung der Menschen bleibt sie für immer jung und schön.

Apropos schön: Zeitlebens litt Marilyn darunter, nur auf ihre Optik reduziert zu werden. Doch ihr Äußeres ist eine der großen Säulen, die ihre Legende ausmachen. Das wissen auch die studierten Modedesignerinnen Magdalena Ousalem und Pauline van Dijk, die sich nicht nur als Modehistorikerinnen, sondern auch als Podcasterinnen intensiv mit der Frage beschäftigen, warum Marilyn Monroe immer noch so bewegt. 

Sie ist unfassbar hübsch und hat eine unglaubliche Bildsprache. Für viele ist Marilyn Monroe der Archetyp der Weiblichkeit. Sie war durch und durch Frau, und das war ihr auch bewusst. Sie selbst sagte einst, dass ihr größtes Glück sei, als Frau geboren zu sein.  

Magdalena Ousalem und Pauline van Dijk

Was viele nicht wissen: Marilyn war nicht nur einfach hübsch: Wie auch ihre Schauspiel- und Gesangskünste trainierte sie ihre Mimik, ihre Haltung, ihren Gang bis ins Unermüdliche. "Sie war sehr ehrgeizig und hat sich selbst aus dem Nichts hochgearbeitet. Wir alle lieben doch diese Aschenputtel-Geschichten", so die Expertinnen. 

Marilyn: Geliebt von allen

Marilyn Monroe war der größte weibliche Filmstar des 20. Jahrhunderts, nur Elizabeth Taylor kommt vielleicht annähernd an ihre Mega-Berühmtheit heran und wurde ähnlich oft fotografiert. Doch etwas hatte ihr "die Monroe" voraus: 

Tom Ewel, der mit Marilyn für 'Das verflixte siebte Jahr' vor der Kamera stand, beschrieb die Schauspielerin einmal sehr treffend. Er meinte, Marilyn anzusehen, wäre wie ein Prisma zu betrachten. Jeder sieht etwas anderes in ihr. Marilyn, das Sexsymbol, Marilyn, das einsame Waisenkind, Marilyn, die Schauspielerin, Marilyn, die verkannte Intellektuelle - die Liste ist endlos. Sie hat so viele Facetten, dass wirklich jeder etwas Faszinierendes an ihr entdecken kann.

Magdalena Ousalem und Pauline van Dijk

So erinnern sich Weggefährten an Marilyn Monroe

Was vielen nicht bekannt ist: Jane Fonda studierte neben Marilyn Monroe bei dem weltbekannten Schauspiellehrer Lee Strasberg. Sie erinnert sich besonders liebevoll an die private Marilyn: "Auch ohne Make Up: Es war, als würde sie ein Licht in sich tragen. Sie hatte etwas Unglaubliches an sich. Sie leuchtete ... ich liebte sie."

Das Geheimnis Marilyn Monroe: Pure Magie?

Doch egal wie lange man philosophiert: Die Liste der Gründe, warum die Welt nach wie vor verrückt nach der Filmikone ist, bleibt wahrscheinlich endlos. Das wissen auch die Marilyn-Expertinnen:

Für uns ist es, als ob man auf naturwissenschaftlicher Grundlage versuchen würde, Liebe zu erklären. Natürlich gibt es biologische und chemische Gründe dafür, warum wir uns verlieben. Doch am Ende des Tages ist Liebe doch immer magisch. Letztendlich lebt der Mythos doch auch immer ein bisschen vom Unerklärlichen.

Magdalena Ousalem und Pauline van Dijk

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 29. September 2022 | 17:15 Uhr

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