"Ich will bloß mein Leben zurück" Britney Spears fordert Ende der Vormundschaft - und entschuldigt sich bei ihren Fans

Seit vergangenem Jahr kämpft Britney Spears vor Gericht gegen die im Jahr 2008 über sie verhängte Vormundschaft ihres Vaters. Jetzt hat sich die US-Sängerin erstmals persönlich dazu geäußert - und erschreckende Details offenbart, die der "FreeBritney"-Bewegung anscheinend Recht geben.

Britney Spears
Will wieder selbst die Kontrolle über ihr Leben übernehmen: US-Sängerin Britney Spears Bildrechte: Sony Music

"Ich will bloß mein Leben zurück"

In einer hochemotionalen Stellungnahme hat US-Popsängerin Britney Spears vor einem Gericht in Los Angeles die Aufhebung der Vormundschaft ihres Vaters gefordert.

Sie sei seit 13 Jahren weitgehend ihrer Selbstständigkeit beraubt, "es ist genug", redete sich die 39-Jährige am Mittwoch (23.06.) ihren Frust von der Seele. Ihre mit Spannung erwartete Anhörung könnte dem Rechtsstreit eine entscheidende Richtung geben.

Rechtsstreit um Ende der Vormundschaft seit 2020

Die Sängerin war im vergangenen Jahr vor Gericht gezogen, um ein Ende der seit 2008 bestehenden Vormundschaft ihres Vaters Jamie Spears zu erwirken. Am Mittwoch nahm sie auf eigenen Wunsch erstmals selbst öffentlich Stellung zu ihrem fremdbestimmten Leben.

Britney Spears nimmt erstmals selbst Stellung

Online dem Gericht zugeschaltet berichtete die Sängerin, wie sie daran gehindert wurde, ihre empfängnisverhütende Spirale entfernen zu lassen, obwohl sie sich weitere Kinder wünsche. Außerdem hätten die Ärzte sie zwangsweise mit Lithium medikamentiert, was sie wie "betrunken" machte.

Sie sei "traumatisiert" und "deprimiert", sagte Spears. "Ich bin nicht glücklich, ich kann nicht schlafen. Ich bin so wütend." Sie weine jeden Tag. "Ich glaube wirklich, dass diese Vormundschaft missbräuchlich ist. Ich will Änderungen, ich verdiene Änderungen", flehte Spears Richterin Brenda Penny an.

Angst vor dem eigenen Vater

20 Minuten lang sprach die Sängerin fast ohne Pause. Die Vormundschaft ihres Vaters schade ihr mehr, als sie ihr nütze, sagte die 39-Jährige. Nach Angaben ihres vom Gericht bestellten Verteidigers Samuel Ingham fürchtet sie sich vor ihrem Vater.

Bildcombo zeigt Jamie Spears, 2012 und Britney Spears, 2017
Vater Jamie Spears und Sängerin Britney Spears Bildrechte: dpa

Berufliche und private Rückschläge

Mit Hits wie "... Baby One More Time", "Oops! ... I Did It Again" und "Toxic" war Britney Spears Anfang der 2000er-Jahre die bestbezahlte Sängerin der Welt. Danach häuften sich berufliche und private Rückschläge.

Nach ihrer Scheidung von Kevin Federline im Jahr 2006 und dem Verlust des Sorgerechts für ihre beiden Kinder wurde sie von Paparazzi barfuß und mit kahlgeschorenem Kopf an einer Tankstelle abgelichtet.

Britney Spears
Mit Hits wie "... Baby One More Time", "Oops! ... I Did It Again" und "Toxic" war Britney Spears Anfang der 2000er-Jahre die bestbezahlte Sängerin der Welt. Bildrechte: Sony Music

Vormundschaft seit 2008

Wegen psychischer Probleme wurde sie 2008 vorübergehend in eine Klinik zwangseingewiesen. Jamie Spears bekam die Vormundschaft für seine Tochter zugesprochen und regelt seither ihre rechtlichen und finanziellen Angelegenheiten.

Unter seiner Ägide kehrte Spears rasch auf die Bühne zurück. Sie veröffentlichte drei Alben, trat in verschiedenen Fernsehshows auf und übernahm sogar eine Dauershow in Las Vegas. Doch im Januar 2019 sagte sie abrupt alle Auftritte ab.

Vater muss sich Vormundschaft mit Treuhandgesellschaft teilen

Im vergangenen Jahr beantragte Britney Spears, ihren Vater durch einen professionellen Vormund zu ersetzen. Jamie Spears' Anwälte sagen, er habe die Finanzen seiner Tochter hervorragend verwaltet.

Ein Gericht wies im Februar dennoch seinen Antrag zurück, alleiniger Vermögensverwalter zu werden - stattdessen entschied es, dass er sich die Vormundschaft auch in Zukunft mit der Treuhandgesellschaft Bessemer Trust teilen müsse.

#FreeBritney - Fans unterstützen die Sängerin

Das öffentliche Interesse an dem Vormundschaftsstreit um Britney Spears wurde zuletzt durch den Dokumentarfilm "Framing Britney Spears" angeheizt. Der erzählt die rechtliche Entmündigung des Popstars.

Unter dem Hashtag #FreeBritney forderten zuletzt auch Spears' Fans ein Ende der Vormundschaft durch Jamie Spears. Die Sängerin selbst äußerte sich nur selten öffentlich zu dem Streit.

Ein Britney Spears-Anhänger schwenkt eine 'Free Britney'-Fahne
Vor dem Gerichtsgebäude demonstrierten Britneys Fans für die Aufhebung der Vormundschaft. Bildrechte: dpa

Via Instagram: Britney entschuldigt sich für ihr langes Schweigen bei ihren Fans

Dafür hat sich Britney Spears nur einen Tag nach ihrem Statement vor Gericht bei ihren Fans entschuldigt.

Ich entschuldige mich dafür, so getan zu haben, als sei ich okay gewesen in den vergangenen zwei Jahren.

Britney Spears Instagram

Grund für ihr Schweigen seien Stolz und auch Scham gewesen. "Glaubt mir oder nicht, so zu tun, als sei ich okay, hat mir tatsächlich geholfen", schrieb Spears weiter. Ihr Instagram-Profil habe ihr das Gefühl gegeben, etwas zu bedeuten, trotz allem, was sie durchgemacht habe.

Unterstützung auch von Mariah Carey und Ex-Freund Justin Timberlake

Unterstützung erfährt Britney Spears nicht nur von ihren Fans, sondern auch von prominenten Kollegen. "Wir lieben dich Britney!!! Bleib stark", ließ Mariah Carey die Sängerin via Twitter wissen. Sängerin Halsey bewundert "ihren Mut, heute für sich selbst zu sprechen".

Britneys Ex-Freund Justin Timberlake sendet ihr gemeinsam mit seiner Frau Jessica Biel ihre Liebe und "volle Unterstützung".

Wir hoffen, dass die Gerichte und ihre Familie dies richtigstellen und sie so leben lassen, wie sie leben möchte.

Justin Timberlake Twitter

Britney Spears ausgelassen mit Justin Timberlake
Waren von 1998 bis 2002 ein Paar: Britney Spears und Justin Timberlake. Bildrechte: IMAGO

Spears fühlt sich ausgenutzt

Laut Gerichtsdokumenten, aus denen die "New York Times" am Dienstag zitierte, hatte Britney Spears schon 2016 einem Gerichtsermittler geschildert, dass sie über nichts alleine entscheiden dürfe, nicht über ihre Freundschaften, Ausgaben - und nicht einmal über die Farbe ihrer Küchenschränke.

Sie habe das Gefühl, sie arbeite und bringe Geld ein und müsse "für alle um sie herum bezahlen", sagte sie laut dem Bericht.

Jamie Spears: Alles aus Liebe zur Tochter?

In einer vor Gericht verlesenen Stellungnahme erklärte Jamie Spears' Anwalt, dass es dem 68-Jährigen "leid" tue, von ihrem großen Schmerz zu hören und dass er seine Tochter "sehr liebt." Was an dieser Aussage dran ist, wird sich im Laufe des Prozesses erst noch zeigen müssen.

AFP/dpa/BRISANT

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 24. Juni 2021 | 17:15 Uhr

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