Angeklagte schweigen Prozess in Berlin: Bushido vs. Arafat Abou-Chaker

Wenn aus Freunden erbitterte Feinde werden - so lässt sich das beschreiben, was heute vor dem Landgericht Berlin seinen Anfang nahm: der Prozess gegen den mutmaßlichen Clan-Chef Arafat Abou-Chaker, einst Freund und Geschäftspartner von Rapper Bushido. Mehr als 20 Verhandlungstage sind bis Ende November geplant, an denen auch andere bekannte Vertreter der deutschen Rap-Szene zu Wort kommen sollen.

17.08.2020, Berlin: Anis Mohamed Youssef Ferchichi, bekannt als Rapper Bushido, setzt sich zu Beginn eines Prozesses gegen den Chef einer bekannten arabischstämmigen Großfamilie in einem Gerichtssaal des Landgerichts auf seinen Platz.
Anis Mohamed Youssef Ferchichi, bekannt als Rapper Bushido, setzt sich zu Beginn des Prozesses gegen Arafat Abou-Chaker im Gerichtssaal auf seinen Platz. Bildrechte: dpa

Begleitet von starken Sicherheitsvorkehrungen hat am Montag, den 17. August, am Landgericht Berlin der Prozess gegen Arafat Abou-Chaker, den einstigen Manager und Geschäftspartner von Rapper Bushido, begonnen. Abou-Chaker ist Musik-Manager und gilt als Kopf eines bekannten arabischstämmigen Clans. Vor Gericht muss sich der 44-Jährige wegen mehrerer Straftaten zum Nachteil Bushidos verantworten. Mitangeklagt sind drei seiner Brüder.

17.08.2020, Berlin: Arafat A.-Ch. (2.v.r) und ein Mitangeklagter (r) kommen nach einer Gerichtsverhandlung aus dem Landgericht.
Arafat Abou-Chaker verlässt mit einem seiner mitangeklagten Brüder das Gerichtsgebäude in Berlin. Bildrechte: dpa

Bushido bei Prozessauftakt anwesend

Bushido selbst tritt in dem Verfahren als Nebenkläger auf. Zum Auftakt des Prozesses ist der 41-Jährige - von Personenschützern begleitet - persönlich vor Gericht erschienen. Seine Zeugenaussage wird allerdings erst für den zweiten Verhandlungstag am kommenden Mittwoch erwartet.

Bushido vs. Abou-Chaker: Was war vorgefallen?

Am ersten Prozesstag ist zunächst die Anklage verlesen worden. Die Staatsanwaltschaft wirft dem einstigen Geschäftspartner von Bushido versuchte schwere räuberische Erpressung, Freiheitsberaubung, gefährliche Körperverletzung, Nötigung, Beleidigung und Untreue vor.

Zu den angeklagten Taten soll es laut Gericht gekommen sein, nachdem Bushido im Jahr 2017 die private und geschäftliche Zusammenarbeit mit Abou-Chaker beendet hatte. Das soll Letzterer laut Gericht nicht akzeptiert und von Bushido die Zahlung angeblicher Schulden bzw. eine Beteiligung an seinen Musikgeschäften in Millionenhöhe gefordert haben. Darüber hinaus soll es zu ehrverletzenden Beschimpfungen, Freiheitsberaubung und Drangsalierungen gekommen sein. Bushido und seine Familie waren zeitweise unter Polizeischutz gestellt.

ARCHIV - 03.02.2010, Berlin: Der Rapper Bushido (l) posiert mit Arafat Abou-Chaker bei der Premiere des Films "Zeiten ändern Dich" in Berlin.
"Zeiten ändern sich" heißt der Film, zu dessen Premiere im Jahr 2010 Bushido und Arafat Abou-Chaker noch als Freunde posierten. Jetzt ist der Titel Wirklichkeit geworden - und die Freundschaft der beiden beendet. Bildrechte: dpa

Abou-Chaker-Brüder schweigen zu Vorwürfen

Am Montag gaben die Angeklagten an, sich vorerst nicht zu den Vorwürfen äußern zu wollen. Die Familie Abou-Chaker ist als Clanfamilie bekannt, Arafat gilt als Führungsfigur. Er ist zwar wegen Nötigung, Erpressung, Körperverletzung und Beleidigung angeklagt, dennoch befinden sich er und zwei der mitangeklagten Brüder auf freiem Fuß. Lediglich Yasser Abou-Chaker sitzt derzeit in Haft.

Prozess bis mindestens Ende November

In dem für mehr als 20 Verhandlungstage angesetzten Prozess werden insgesamt 80 Zeugen erwartet, darunter sollen auch Vertreter der deutschen Rapper-Szene wie Capital Bra und Fler sein. Mit einem Urteil ist frühestens Ende November zu rechnen.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 17. August 2020 | 17:15 Uhr

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