Was dürfen Influencer? Cathy Hummels vor Gericht

BRISANT | 11.02.2019 | 17:15 Uhr

Aufregender Tag für Instagram-Berühmtheit Cathy Hummels: Die Ehefrau von Fußball-Profi Mats Hummels musste persönlich vor dem Landgericht München erscheinen. Der Vorwurf: Sie mache auf dem Internet-Portal verbotene Werbung.

München: Cathy Hummels (l) und ihr Anwalt Christian Oliver Moser gehen im Landgericht München I durch einen Gang.
Bildrechte: dpa

Was dürfen Influencer und welche Informationspflichten gelten für sie? Um diese Frage geht es in einem Prozess vor dem Münchner Landgericht, bei dem Cathy Hummels persönlich erscheinen musste. Anlass der Klage: Cathy Hummels hat eine Klage am Hals, weil sie 15 Mal ohne Hinweis auf eine "bezahlte Partnerschaft" gepostet haben soll.

Keine Gegenleistung - keine Werbung?

Das Verfahren stößt keineswegs nur bei Hummels' Followern auf Interesse. Denn der Prozess berührt die Frage, ob Prominente Produkte oder Dienstleistungen aus freien Stücken empfehlen dürfen. Der Verband Sozialer Wettbewerb (VSW) hat die Ehefrau von Fußballprofi Mats Hummels verklagt, weil sie in gut einem Dutzend Instagram-Beiträgen für ihre 465.000 Follower die Hersteller ihrer Schuhe und Bekleidung genannt und die Websites der Unternehmen verlinkt hatte. Der Verband wirft ihr deswegen unerlaubte Werbung vor. Sie argumentiert, sie habe kein Geld von der Herstellerfirma bekommen. Folglich also keine Werbung?

Dass Frau Hummels - bei aller Liebe - nicht mit 465.000 Menschen auf der Welt befreundet sein kann, ist ziemlich klar.

Monika Rhein | Vorsitzende Richterin

Knifflige Rechtslage

Das sei tatsächlich eine knifflige Rechtslage, sagt Christian Heine von der Landesmedienanstalt Sachsen-Anhalt: "Wenn ich werblicher Partner eines Unternehmens bin und dessen Produkte mit Fotos oder kleinen Filmchen zeige, dann liegt auf jeden Fall eine Werbung vor. Dann muss gekennzeichnet werden. Wenn keine Gegenleistung für diese Tätigkeit erfolgt ist, dann ist die Frage: Ist das eine Werbung oder ein redaktioneller Beitrag?"

Werbung muss als solche erkennbar sein

Darüber wird das Landgericht München nun im Fall Hummels entscheiden müssen. Grundsätzlich gilt: Eine Werbung muss sich von anderen, privaten oder journalistischen Beiträgen klar abheben und gekennzeichnet werden.

Cathy Hummels stellt in der bayerischen Landeshauptstadt eine Schuhkollektion vor.
Mit Produkt-Empfehlungen auf Instagram verdient Cathy Hummels Geld. Bildrechte: dpa

"Normale" Nutzer nicht betroffen

Die Influencer seien reichlich verwirrt, was die Rechtslage angeht, weiß Christian Heine. Deshalb hat die Landesmedienanstalt einen Flyer entworfen, der den Bloggern zumindest eine erste Orientierung bietet. Heine empfiehlt: "Alle, die versuchen, daraus ein Geschäftsmodell zu entwerfen, sollten sich mit der Frage auseinandersetzen, was ich kennzeichnen muss und was nicht. Wer lediglich einen ganz normalen Instagram-Account betreibt, ohne da gewerblich zu sein, muss sich keine Sorgen machen."

Stichwort: Influencer Als Influencer, also "Beeinflusser", werden nicht nur Prominente bezeichnet, sondern auch andere Nutzer sozialer Netzwerke mit einer großen Reichweite, also vielen Abonnenten oder "Followern". Martin Christian Heine, Direktor der Landesmedienanstalt Sachsen-Anhalt, erklärt: "Das sind meistens junge Menschen, die versuchen, sich auf Plattformen wie Youtube und Instagram selbst darzustellen und das Interesse von anderen zu erwecken und möglichst viele zu erreichen, die ihnen dann folgen". Firmen wollen immer häufiger mit Influencern kooperieren. Auf Fotos soll dann möglichst die Uhr, das Make-up oder das Handy zu sehen sein, das die Influencer vorher vom Unternehmen erhalten haben.

Eindeutige Richtlinien gewünscht

Der Verein hat neben Cathy Hummels noch mehrere weitere Influencer verklagt. Eine, die sich dagegen gewehrt hat, ist die Bloggerin Vreni Frost aus Hamburg. Sie sollte eine Unterlassungserklärung unterschreiben und zusätzlich knapp 180 Euro zahlen. Das konnte sie nicht nachvollziehen, schließlich sei sie für keines der Bilder bezahlt worden.

Vreni Frost wünscht sich, dass Instagram sich selbst dazu positioniert. Damit sie künftig nicht alles willkürlich als Werbung kennzeichnen muss.

Influencerin Vreni Frost
Vreni Frost schreibt auf dem Blog "neverever.me" über Mode, Reisen und Lifestyle-Themen. Bei Instagram hat sie mehr als 57.000 Abonnenten. Bildrechte: dpa

Die Werbekennzeichnung ist zum Schutz meiner Follower da. Die sollen erkennen können, ob ich für etwas bezahlt worden bin oder nicht. Aber wenn ich jetzt vor alles Werbung schreibe, verlieren wir zum einen die Transparenz und zum anderen verlieren die User auch die kritische Sicht auf Werbung, weil sie das Wort dann schlicht überlesen.

Vreni Frost | Influencerin

Eine Entscheidung über die Klage will das Gericht am 29. April bekanntgeben.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 11. Februar 2019 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Februar 2019, 22:29 Uhr

Promi-News