Tennis-Star im Fokus Einreise oder Abschiebung? Die Entwicklung im Fall Djokovic

Im Krimi um die Teilnahme von Tennis-Star Novak Djokovic an den Australian Open hat Australien das Visum des ungeimpften serbischen Weltranglisten-Ersten erneut annulliert. Damit droht der 34-Jährige das Turnier, das am Montag beginnt, endgültig zu verpassen.

Novak Djokovic
Darf Tennis-Star Novak Djokovic an den Australian Open teilnehmen oder nicht? (Archiv) Bildrechte: dpa

Seit der Tennis-Weltranglistenerste Novak Djokovic ohne die vorgeschriebene Corona-Impfung nach Australien eingereist ist, macht sein Fall weltweit immer neue Schlagzeilen. Am Freitag (14.01.) wurde sein Einreisevisum ein zweites Mal annulliert, ihm droht die Abschiebung. Die Entwicklung der Affäre:

  • 4. Januar: Djokovic verkündet im Internet, er habe eine Ausnahmegenehmigung zur Teilnahme an den Australian Open erhalten. Gemäß dem Reglement müssen Teilnehmer dort eine vollständige Corona-Impfung nachweisen oder eine von einem unabhängigen Expertengremium ausgestellte Ausnahmegenehmigung aus medizinischen Gründen vorlegen.

  • 5. Januar: Djokovic landet abends am Flughafen von Melbourne. Die Grenzbeamten stoppen ihn.

  • 6. Januar: Djokovics Visum wird annulliert. Premierminister Scott Morrison fordert, Djokovic solle die Berechtigung seiner Ausnahmegenehmigung nachweisen, ansonsten werde er "mit dem ersten Flugzeug nach Hause geschickt". Djokovic wird in ein Abschiebehotel gebracht, seine Anwälte legen Einspruch gegen die Aufhebung des Visums ein. Die serbische Regierung schaltet sich ein. Präsident Aleksandar Vucic versichert, "ganz Serbien" stehe hinter Djokovic, die Regierung tue alles um die "Misshandlung des besten Tennisspielers der Welt" so schnell wie möglich zu beenden. Djocovics Vater Srdjan vergleicht seinen Sohn mit Christus: "Jesus wurde gekreuzigt und hat viel ertragen müssen, aber er lebt noch immer unter uns", sagt er am Vorabend des Orthodoxen Weihnachtsfestes. "Novak wird auch gekreuzigt - der beste Sportler und Mann der Welt. Er wird es durchstehen."

Scott Morrison spricht während einer Pressekonferenz
Australiens Premier-Minister Scott Morrison forderte, dass Djokovic seine Ausnahmegenehmigung vorlegt. (Archiv) Bildrechte: dpa

  • 8. Januar: Djokovics Anwälte erklären in einem 32-seitigen Schriftsatz ans Gericht, der Tennisstar habe eine ärztliche Ausnahmegenehmigung, da er am 16. Dezember positiv auf das Coronavirus getestet worden sei. Kurz darauf wird bekannt, dass der Serbe einen Tag nach dem positiven PCR-Test in Belgrad Nachwuchsspieler getroffen und ihnen ohne Maske Preise überreicht hat. Einen weiteren Tag später hatte er der französischen Sportzeitung "L'Equipe" ein Interview gegeben.

  • 10. Januar: Ein australisches Bundesgericht ordnet wegen eines Verfahrensfehlers der Grenzbeamten Djokovics sofortige Freilassung aus dem Abschiebehotel an und hebt die Annullierung des Einreisevisums auf.

  • 11. Januar: Djokovic trainiert auf der Anlage der Australian Open in Melbourne. Die australischen Behörden nehmen Ermittlungen zu der Frage auf, ob der Tennisstar in seinem Einreiseformular falsche Angaben gemacht hat.

Novak Djokovic aus Serbien ist während einer Trainingseinheit im Melbourne Park in Melbourne zu sehen.
Novak Djokovic während einer Trainingseinheit in Melbourne. (Archiv) Bildrechte: dpa

  • 12. Januar: Djokovic räumt "Fehler" in seinem Einreiseformular und in seinem Verhalten nach dem positiven Corona-Test im Dezember ein.

  • 14. Januar: Die australische Regierung erklärt Djokovics Visum erneut für ungültig. Die Entscheidung sei aus "Gründen der Gesundheit und der öffentlichen Ordnung" gefallen, begründet Einwanderungsminister Alex Hawke seine Entscheidung. Damit droht dem Tennis-Ass neben der Abschiebung eine dreijährige Einreisesperre in Australien. Djokovics Anwalt Nick Wood beantragt eine einstweilige Verfügung gegen die drohende Abschiebung des Tennisstars sowie dessen Unterbringung außerhalb des Abschiebehotels bis zu einer endgültigen Entscheidung. Ein Regierungsjurist erklärt bei einer Gerichtsanhörung, der Tennisstar solle am Samstagmorgen von Einwanderungsbeamten angehört werden.

  • 15. Januar: Nach dem Entzug seines Visums sitzt Novak Djokovic erneut in einem Abschiebehotel in Australien fest. Wie Djokovics Anwälte mitteilten, wurde der 34-Jährige am Samstag erneut in Gewahrsam genommen, nachdem die australische Regierung sein Visum ein zweites Mal für ungültig erklärt hatte. Unmittelbar vor Beginn der Australian Open soll am Sonntag ein Gericht entscheiden, ob der nicht gegen Corona geimpfte Djokovic an dem Grand-Slam-Turnier teilnehmen darf oder das Land verlassen muss.

  • 16. Januar: Game over: Das Bundesgericht lehnt den Einspruch Djokovics ab, die drei Richter entscheiden einstimmig. Kurz darauf meldet sich der Tennisprofi in einem schriftlichen Statement zu Wort. Er sei "extrem enttäuscht über die Entscheidung", schreibt Djokovic und gibt sich geschlagen: "Ich respektiere die Entscheidung des Gerichts und werde mit den zuständigen Behörden in Bezug auf meine Ausreise kooperieren." Seinen Platz als topgesetzter Spieler im Hauptfeld nimmt Lucky Loser Salvatore Caruso (Italien) ein, der schon in der Qualifikation gescheitert war.


(BRISANT/afp/dpa)

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 14. Januar 2022 | 17:15 Uhr

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