Aufschlag oder Abschiebung? Novak Djokovic: Teilsieg vor Gericht, Teilnahme an Australian Open weiterhin offen

Wird Tennis-Champion Novak Djokovic ab dem 17. Januar bei den Australian Open in Melbourne antreten, um seinen Titel zu verteidigen? Diese Frage ist weiterhin offen. Zwar hat ein Gericht in Melbourne sein Visum für gültig erklärt, vor einer Abschiebung ist der Weltranglisten-Erste dennoch nicht gefeit. Nicht nur seine Fan-Gemeinde ist gespalten.

Novak Djokovic
Mit einer Ausnahmeregelung wollte Novak Djokovic an den Australian Open teilnehmen - und ist bei seiner Einreise nach Australien an den Grenzbehörden gescheitert. Bildrechte: IMAGO / SNA

Ist Novak Djokovic ein Impfgegner?

Ob Novak Djokovic bei den diesjährigen Australian Open spielen wird, darüber wird bereits seit Wochen spekuliert. Obgleich er seinen Impfstatus nie offengelegt hat, machte der Weltranglisten-Erste aus seiner Ablehnung einer Corona-Schutzimpfung keinen Hehl.

Zu Beginn der vergangenen Woche setzte er dem Rätselraten um seine Teilnahme an den Australian Open schließlich ein Ende. Dank einer Ausnahmeregelung sei er auf dem Weg nach Australien, ließ er seine Follower bei Instagram am 5. Dezember wissen - und warf damit neue Fragen auf.

Strenge Einreiseregeln nach Australien

Die Einreisebedingungen nach Australien sind streng. Laut dem Regelwerk der Australian Open darf an dem Turnier nur teilnehmen, wer vollständig gegen das Coronavirus geimpft ist. In Einzelfällen können nicht vollständig geimpfte Spielerinnen und Spieler eine medizinische Ausnahmegenehmigung erhalten. Mögliche Gründe dafür können eine Herzerkrankung sein, schwere Nebenwirkungen nach einer ersten Impfung oder eine Corona-Infektion in den vergangenen sechs Monaten. Die Anträge werden von zwei Kommissionen geprüft.

Insgesamt haben laut Turnierchef Craig Tiley 26 Spieler einen entsprechenden Antrag gestellt. Darunter auch Djokovic. Welchen Grund der Weltranglisten-Erste für seine Ausnahmegenehmigung angeführt hat, ist nicht bestätigt. Australischen Medienberichten zufolge soll sich der 34-Jährige auf eine Corona-Infektion in den vorangegangenen sechs Monaten berufen haben.

Australische Grenzbehörde kassiert Entscheidung der Kommissionen - Gericht gibt Djokovic Recht

Beide Kommissionen, die die Anträge auf die Ausnahmegenehmigung prüften, ließen Djokovic passieren. Darunter der Medizin-Chef des australischen Tennisverbands.

Die australischen Grenzbehörden bewerteten seinen Fall jedoch anders. Australischen Medienberichten zufolge konnte der Serbe nur sehr wenige Belege dafür vorlegen, dass seine Ausnahmegenehmigung gerechtfertigt sei. Djokovic musste sich in ein Quarantäne-Hotel begeben.

Derweil hatten die Anwälte des Tennis-Stars gegen diese Entscheidung Einspruch erhoben. Dem wurde am Montag (10. Januar) von einem Gericht in Melbourne stattgegeben. Allerdings aufgrund eines Formfehlers und nicht als Resultat einer erneuten Prüfung der Einreisepapiere Dokovics.

Mittlerweile hat der "Djoker" sein Abschiebe-Hotel verlassen, sein erstes Training absolviert - und sich via Instagram mit einem Foto aus der Rod Laver Arena bei seinen Fans gemeldet.

Teilnahme an Australian Open weiterhin fraglich

Ob Novak Djokovic tatsächlich an den Australian Open teilnehmen wird, ist trotzdem weiterhin offen.

Bereits vor der Verhandlung hatte die australische Regierung angekündigt, im Falle einer Aufhebung der Einreiseverweigerung weitere Schritte zu erwägen, um Djokovic das Visum zu verweigern - und das könnte für den Tennis-Champion weitreichende Folgen haben.

Regierungsanwalt Christopher Tran erklärte, dass Australien von seinen ministeriellen Befugnissen Gebrauch machen und Djokovics Ausreise anordnen könnte. Damit dürfte der Tennisspieler drei Jahre lang nicht mehr einreisen. Es sei denn, die Behörden verzichten auf diese Bestrafung. Eine Entscheidung könnte bereits am Dienstag fallen.

Novak Djokovic
Ob Novak Djokovic die Chance bekommt, seinen Titel bei den Australian Open zu verteidigen, ist weiterhin offen. Bildrechte: IMAGO / Schreyer

Trotz positivem Corona-Test nicht in Quarantäne?

Doch das ist nicht der einzige Ärger, dem sich Djokovic und seine Familie aktuell stellen müssen.

Am Samstag hatten Djokovics Anwälte bekannt gegeben, dass sich der Sportler bei seiner Impf-Ausnahmegenehmigung auf eine angeblich am 16. Dezember festgestellte Corona-Infektion beruft. Es dauerte nicht lange und schon tauchten die ersten Berichte darüber auf, dass Djokovic an den Tagen danach zumindest teilweise ohne Maske an Veranstaltungen teilgenommen haben soll, anstatt sich - wie es in Serbien Pflicht ist - für 14 Tage in Quarantäne zu begeben.

Mittlerweile steht fest, dass ihm - laut seiner Anwälte - sein positives Testergebnis zum Zeitpunkt dieser Treffen bereits vorlag.

Manipulierter Corona-Test?

Ein anderes Bild zeichnen Recherchen des Nachrichtenmagazins "Spiegel". Die lassen nämlich daran zweifeln, dass Djokovic am 16. Dezember überhaupt auf das Coronavirus getestet worden ist.

Anlass für diese Zweifel geben u.a. die Identifikationsnummern der beiden von Djokovic vorgelegten Corona-Tests, die - so IT-Experten - aufsteigend vergeben werden. Die Identifikationsnummer der angeblichen Positiv-Testung des Tennis-Champions vom 16. Dezember liegt jedoch 50.000 Zähler über seiner Negativ-Testung vom 22. Dezember.

Falsche Angaben auf Einreisepapieren?

Und in noch einer Sache scheint es Novak Djokovic mit der Wahrheit nicht genau zu nehmen. Auf seinen Einreisepapieren hat Djokovic die Frage, ob er in den 14 Tagen vor dem Flug nach Australien gereist sei, mit einem Nein beantwortet. Das zeigen die vom Gericht veröffentlichten Dokumente.

Allerdings soll der 34-Jährige laut Medienberichten in besagtem Zeitraum von Belgrad nach Spanien gereist sein, von wo er sich schließlich auf den Weg nach Melbourne machte. Das sollen Einträge in den Sozialen Medien belegen.

Familie bricht Pressekonferenz nach kritischen Fragen ab

Wie der Fall Djokovic auch ausgehen mag, das Image des Spielers hat bereits Schaden erlitten. Daran konnte auch eine Pressekonferenz seiner Familie in der serbischen Heimat nichts ändern - im Gegenteil.

Als es zum Ende der Veranstaltung kritische Fragen dazu gab, warum sich Djokovic einen Tag nach seinem positiven Coronatest ohne Masken und Abstand bei öffentlichen Veranstaltungen gezeigt habe, brach der Bruder des Weltranglisten-Ersten die Presserunde einfach ab.

Zum Thema

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 10. Januar 2022 | 17:15 Uhr

Mehr Promi-News