"Die kleine Raupe Nimmersatt": Illustrator Eric Carle ist gestorben

"Die Kleine Raupe Nimmersatt" hat sich durch etliche Leckereien gefressen, Millionen Kinderherzen im Sturm erobert und ihren Schöpfer weltberühmt gemacht. Jetzt ist Kinderbuchautor und Illustrator Eric Carle im Alter von 91 Jahren in den USA gestorben.

Eric Carle
Im Alter von 91 Jahren gestorben: Kinderbuch-Autor und Illustrator Eric Carle. Bildrechte: picture alliance/dpa/Eric Carle Studio | Jim Gipe

"Im Mondschein, zusammen mit einem guten Stern, schwebt nun ein Maler von Regenbogen am Nachthimmel über der Erde", schreibt die Familie von Eric Carle in einem Nachruf. Am Sonntag ist der Bilderbuchautor und Illustrator im Alter von 91 Jahren in Northampton im US-Staat Massachusetts gestorben.

Kleine, unscheinbare Tiere, die kleinen Lesern Mut machen

Kräftige Farben, gemalt auf transparentem Seidenpapier, zu Collagen verarbeitet - das sind die Markenzeichen von Eric Carle. Im Mittelpunkt seines Werks stehen kleine und unscheinbare Tiere, die den kleinen Lesern Mut machen sollen: in "Der kleine Käfer Immerfrech", "Das kleine Glühwürmchen" oder "Die kleine Grille singt ihr Lied". Carles größter Erfolg aber war "Die kleine Raupe Nimmersatt", erschienen im Jahr 1969 - und bis heute in vielen Kinderbuchregalen auf der ganzen Welt zu finden.

Insgesamt hat Eric Carle mehr als 70 Bücher für Kinder geschrieben und vor allem illustriert. Die Gesamtauflage soll bei mehr als 170 Millionen Büchern liegen.

Cover des Buches 'Die kleine Raupe Nimmersatt' von Eric Carle
Mit "Die kleine Raupe Nimmersatt" landete Eric Carle einen weltweiten Bestseller. Bildrechte: dpa

Kindheit und Jugend in Deutschland

Geboren wurde Eric Carle am 25. Juni 1929 als Kind deutscher Einwanderer in Syracuse im US-Staat New York. Als er sechs Jahre alt war, zog seine Familie nach Stuttgart. Dort - und in einem Dorf im Schwarzwald - verbrachte Carle seine Schul- und Studienzeit, bevor er 1952 in die USA zurückkehrte.

Deutschland behielt er in keiner guten Erinnerung. Vor allem die strenge kontrollierte Schulzeit mit vielen Ermahnungen und körperlicher Züchtigung machten ihm zu schaffen. Neben dem Grauen des Zweiten Weltkriegs sei ihm vor allem die Dunkelheit und Traurigkeit des Landes in Erinnerung geblieben, erklärte er einmal in einem Interview.

Eine Frau hält das Buch 'Brown Bear, Brown Bear, What Do You See?' von Eric Carle.
Insgesamt hat Eric Carle mehr als 70 Bücher für Kinder geschrieben und illustriert. Bildrechte: IMAGO / ZUMA Globe

Bücher als Brücke zwischen Zuhause, Kindergarten und Schule

Zurück in den USA arbeitete Carle zunächst als Grafiker bei der "New York Times", heiratete und bekam zwei Kinder. Erst nach seiner Scheidung, mit Ende 30, verfasste er die ersten Bildbücher - und landete mit der "Raupe Nimmersatt" prompt einen Riesenerfolg.

Seine Bücher sollten Kindern helfen, Brücken zu bauen: zwischen Zuhause, Kindergarten und Schule. "Ich werde immer versuchen, den Kindern den Übergang zu erleichtern", schrieb er vor einigen Jahren auf seiner Homepage.

Carle beschrieb sich selbst als "Bilder-Dichter". Für seine Werke bemalte er Seidenpapier, riss es in Stücke und fügte es mit Tapetenkleister zu Collagen zusammen. Das macht die monochromen Farbflächen lebendig.

Eric Carle und Fred Rogers halten gemeinsam ein Bild.
Für seine Werke bemalte Eric Carle Seidenpapier, riss es in Stücke und fügte es mit Tapetenkleister zu Collagen zusammen. Bildrechte: IMAGO / Everett Collection

"Die kleine Raupe Nimmersatt" - halb Spielzeug, halb Buch

Seine Bücher beschrieb Carle als "halb Spielzeug, halb Buch". Besonderen Spaß bereiten kleinen "Raupe Nimmersatt"-Lesern die runden "Raupenlöcher", die in die Buchseiten gestanzt sind.

Kind schaut durch Bild, das eine Erdbeere mit einem großen Loch zeigt.
Seine Bücher beschrieb Carle als "Halb Spielzeug, halb Buch". Bildrechte: IMAGO / ZUMA Wire

Jedes Kind soll seine Talente entfalten können

Carles Intention dabei: Viele Mädchen und Jungen könnten sich mit der hilflosen, kleinen Schmetterlingsraupe identifizieren. Das Buch symbolisiere die Hoffnung, dass jedes noch so unscheinbare Kind sich verwandeln und seine Talente entfalten könne.

Am Ende seines "Nimmersatt"-Bestsellers wird die kleine Raupe zu einem wunderschönen Schmetterling, dem alles offensteht. Das wünschte sich Carle auch für seine jungen Lesen: Sie sollen "ihre Flügel ausbreiten und in die Welt fliegen".

Eric Carle in einem Kunstmuseum
Eric Carle bei einer Ausstellung seines Werks in Tokyo im April 2017. Bildrechte: dpa

epd/BRISANT

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 27. Mai 2021 | 17:15 Uhr

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