Eurovision Song Contest ESC 2022 - Triumph der Ukraine und Desaster für Deutschland

Immer wieder zwölf Punkte für Freiheit und Demokratie: Die vom russischen Angriffskrieg erschütterte Ukraine hat den Eurovision Song Contest (ESC) 2022 mit einem beispiellosen Triumph gewonnen. Deutschland wurde Letzter bei dem Wettbewerb in Turin.

Das Kalush Orchestra aus der Ukraine jubelt über den Gewinn des Eurovision Song Contest (ESC). Der internationale Musikwettbewerb findet zum 66. Mal statt.
Jubel beim ukrainischen Vertreter "Kalush Orchestra", der den ESC 2022 gewinnen konnte. Bildrechte: dpa

Vor fast 200 Millionen Zuschauern zwischen Island und Australien hatte sich der Sänger Oleh Psjuk vom ukrainischen Vertreter "Kalush Orchestra" am Samstagabend (14.05.) an das Publikum gewandt und an Schauplätze des Ukraine-Krieges erinnert. "I ask all of you: Please help Ukraine, Mariupol, help Asovstal - right now", sagte er nach seinem Auftritt. Zu deutsch: "Ich bitte Euch alle: Helft der Ukraine, Mariupol, Azovstal."

Das Publikum hilft der Ukraine

Nach der Punktevergabe der Jury sah es zunächst nicht gut aus für die Siegchancen der Band. Lediglich Platz vier hinter Großbritannien, Schweden und Spanien und deutliche 91 Punkte Rückstand auf den Briten Sam Ryder. Aus den 39 anderen Ländern - die Ukrainer durften nicht für sich selbst stimmen - kamen dann aber bei der Publikumsabstimmung sensationelle 439 von 468 möglichen Punkten. Fast alle Länder gaben der Ukraine zwölf Punkte - nie schnitt ein Land besser ab. Der Punkteschnitt betrug 11,3. Am Ende siegten die Ukrainer haushoch mit 631 Punkten. Sie landeten deutlich vor dem britischen Sänger Sam Ryder ("Space Man"), der mit 466 Punkten den zweiten Platz machte.

Sehr politischer ESC

Politische Statements und Gesten sind nach den Regeln der Europäischen Rundfunkunion EBU nicht erlaubt. Viele Starter zeigten dennoch Solidaritätsbekundungen mit der Ukraine. Entweder verbal oder in Form von Ukraine-Flaggen auf ihren Instrumenten. Zu Beginn der Show sang zudem das ganze Publikum im Turiner PalaOlimpico die Friedenshymne "Give peace a chance".

Einen faden Beigeschmack hinterlässt ein vermeintlicher Hackerangriff auf das Finale, den die italienische Polizei nach eigenen Angaben verhindern konnte. Die Hacker hätten versucht, in die Systeme einzudringen, teilten die Beamten mit. Spezialisten im Bereich Internetkriminalität, die für den Grand Prix abgestellt worden seien, hätten die Angriffe auf die russische Hackergruppe "Killnet" zurückgeführt.

Malik Harris hebt die Faust, mit der anderen Hand hält er eine Gitarre mit der Aufschrift Peace und den ukrainischen Nationalfarben.
Malik Harris zeigte bei seinem Auftritt Solidarität mit der Ukraine. Bildrechte: dpa

Finale 2023 in der Ukraine

Der Sieger ist automatisch Gastgeber des nächsten Eurovision Song Contest. Trotz des Kriegs kündigte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj umgehend an, das Finale nächstes Jahr austragen zu wollen. Der Supervisor des ESC, Martin Österdahl, kündigte an, mit dem ukrainischen Fernsehen die Vorbereitungen zu starten - Österdahl räumte aber "einzigartige Herausforderungen" ein.

Deutschland wieder abgeschlagen

Von der Jury null Punkte für Malik Harris, vom Publikum lediglich sechs Pünktchen: Für Deutschland reichte es nur zum letzten Platz. Mit Antipathie hat das aber nichts zu tun, sind sich Experten sicher: Das Lied "Rockstars" war solide, wirkte aber auch wie fürs Radio geschrieben. Zudem war der Auftritt des 24-Jährigen einer der langweiligsten im Finale.

Kaum Erfolg seit Lenas Sieg 2010

Seit es den Eurovision Song Contest gibt, hat Deutschland den Gesangswettbewerb erst zwei Mal gewonnen: 1982 mit Nicole ("Ein bisschen Frieden") und 2010 mit Lena ("Satellite"). Es gab etliche Top-Ten-Plätze; doch gerade in den vergangenen Jahren landeten deutsche Teilnehmer meistens weit hinten:

  • 2022: Malik Harris mit "Rockstars" - Platz 25 (letzter Platz)
  • 2021: Jendrik mit "I Don't Feel Hate" - Platz 25 (vorletzter Platz)
  • 2020: Ausfall wegen Corona
  • 2019: S!sters mit "Sister" - Platz 25 (vorletzter Platz)
  • 2018: Michael Schulte mit "You let me walk alone" - Platz 4
  • 2017: Levina mit "Perfect Life" - Platz 25 (vorletzter Platz)
  • 2016: Jamie-Lee mit "Ghost" - Platz 26 (letzter Platz)
  • 2015: Ann Sophie mit "Black Smoke" - Platz 27 (letzter Platz)
  • 2014: Elaiza mit "Is It Right" - Platz 18
  • 2013: Cascada mit "Glorious" - Platz 21
  • 2012: Roman Lob mit "Standing Still" - Platz 8
  • 2011: Lena mit "Taken By A Stranger" - Platz 10
  • 2010: Lena mit "Satellite" - Platz 1

Die Entscheidung in Turin im Video


(BRISANT/dpa/afp)

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 15. Mai 2022 | 17:00 Uhr

Mehr Promi-News