Eurovision Song Contest Grenzenlose Inszenierung? Die wichtigsten Regeln des ESC-Finales

Manche Inszenierung beim Eurovision Song Contest (ESC) wirkt wie reine Anarchie - doch tatsächlich unterliegen auch Gagakünstler beim weltweit am meisten beachteten Musikwettbewerb einem strengen Regelwerk. Die wichtigsten Regeln für das Finale in Turin:

Malik Harris aus Deutschland
Auch Malik Harris aus Deutschland unterliegt beim ESC-Finale strengen Regeln. Bildrechte: dpa

Dauer der Lieder

Mal eben einen Sieben-Minuten-Song darbieten? Denkste: Drei Minuten ist die Obergrenze für einen Auftritt. Diese Vorgabe gilt schon seit mehr als 50 Jahren. Deutlich kürzer dürfen die Lieder allerdings sein. So war der Auftritt der finnischen Band "Pertti Kurikan Nimipäivät" im Jahr 2015 schon nach nicht einmal anderthalb Minuten vorbei.

Inhalt der Auftritte

Texte, Ansprachen und Gesten mit einer politischen Natur sind ebenso verboten wie Werbung. Das Politikverbot könnte in diesem Jahr spannend werden, weil sich die ukrainischen Starter "Kalush Orchestra" angeblich etwas für ihren Auftritt planen. Ein Verstoß der Ukrainer dürfte trotz der großen Solidarität mit dem Land, das von Russland angegriffenen wurde, geahndet werden.

Band Kalush Orchestra of Ukraine
Die ukrainische Band "Kalush Orchestra" plant möglicherweise eine politische Botschaft. Bildrechte: dpa

Vorgaben für Künstler

Sänger müssen mindestens 16 Jahre alt sein, auf der Bühne dürfen nicht mehr als sechs Bandmitglieder stehen. Der Startertitel darf erst nach dem 1. September des Vorjahres erstmals kommerziell verwertet worden sein. Und während die Musik vom Band kommt, müssen zumindest die Leadsänger live singen. Die Wahl der Sprache ist seit langer Zeit frei - zu Beginn der ESC-Geschichte sang jedes Starterland noch in der jeweiligen Landessprache.

Finalteilnehmer

Insgesamt gab es in diesem Jahr 40 Starter, im Finale treten aber nur 25 Länder an. Deshalb konnten sich in zwei Halbfinals jeweils zehn Länder qualifizieren. Gesetzt sind immer die großen Geldgeberländer Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien. Da Italien auch Vorjahressieger ist, gibt es nur 25 Finalisten. Wäre ein Land außerhalb der Big Five Gastgeber, wären es 26 Finalisten.

Punktevergabe

Die Jury jedes der 40 Teilnehmerländer und das Publikum der Teilnehmerländer tragen jeweils zur Hälfte zur Gesamtpunktzahl bei. Nur jeweils zehn Länder bekommen Punkte. Es werden zwölf, zehn, acht und dann herabzählend bis zur Eins Punkte vergeben. Am Ende werden Jury- und Publikumswertung addiert, und das Ergebnis steht fest. Sind zwei Länder punktgleich, gewinnt das Land mit den meisten Publikumsstimmen.

Punktepräsentation

Seit dem ESC in Tel Aviv 2019 ist die Präsentation der Punkte bis zum Schluss spannend. Zuerst werden wie früher die Jurypunkte verteilt. Bei den Publikumspunkten fängt die Vergabe dann bei dem Land mit den wenigsten Punkten an, erst am Ende wird der Publikumsliebling benannt und dessen Punktzahl veröffentlicht. Damit steht auch erst am Ende der ESC-Gewinner fest.


(BRISANT/ten/dpa/afp)

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 14. Mai 2022 | 17:10 Uhr

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