Siegerinnen der Herzen Deutschland gegen England: So lief das EM-Finale in Wembley

Was für ein Thriller: Nach einem nervenaufreibenden Spiel steht fest: Die Engländerinnen sind Fußball-Europameisterinnen 2022. Knapp 90.000 Fans verfolgten das Endspiel bei der Fußball-EM live im Wembley-Stadion. Wir haben die wichtigsten Infos zum EM-Finale.

Chloe Kelly bejubelt ihr Tor in der Nachspielzeit
In der 112. Minute schoss Chloe Kelly das entscheidende Tor: Die Engländerinnen sind die neuen Europameisterinnen. Bildrechte: IMAGO/Pro Sports Images

Am Sonntag war es endlich so weit: Die deutsche Frauen-Nationalmannschaft traf im EM-Finale auf den Gastgeber England. Die Stimmung? Bombe! Kapitänin Alexandra Popp beschrieb es wie folgt: "Kein Schwein hat mit uns gerechnet. Und jetzt stehen wir gegen England in Wembley im Finale. Etwas Besseres gibt es nicht."

Mit dieser positiven Energie konnte das Spiel für die deutsche National-Elf nur gut ausgehen – egal ob am Ende ein Pokal dabei herausspringt oder nicht. Doch nach 112 Minuten stand fest: Der neunte EM-Sieg (1989, 1991, 1995, 1997, 2001, 2005, 2009 und zuletzt 2013) blieb für die Deutsche Nationalmannschaft aus.

Hier die wichtigsten Infos zum EM-Finale im Überblick:

1. Glücksbringer in letzter Sekunde

Bereits lange vor Anpfiff gab es die erste gute Nachricht für die deutschen Fußballerinnen: Gegen 16 Uhr wurde bekannt, dass sich die Corona-infizierte Stürmerin Klara Bühl freitesten konnte. Leider zu spät, um mitspielen zu können. Jule Brand sprang auch dieses Mal wieder für Brühl ein. Letztere konnte immerhin ihre Kolleginnen live im Stadion anfeuern. Ein gutes Zeichen? 

Ebenfalls im Publikum gesichtet: Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und Innenministerin Nancy Faeser (SPD).

Olaf Scholz im Publikum
Fußballfan Olaf Scholz fieberte live im Stadion mit dem deutschen Team mit. Bildrechte: IMAGO / Eibner

Bundeskanzler Olaf Scholz zeigte sich im ARD-Interview beeindruckt von der deutschen Nationalmannschaft und gab gleichzeitig zu, dass es das erste Mal sei, dass er überhaupt Frauen-Fußball schaue. "Ich habe alle EM-Spiele geguckt und bin wirklich begeistert." Auch zum Thema faire Bezahlung im Deutschen Fußball äußerte er sich. So habe sich Olaf Scholz bereits mit Oliver Bierhoff verabredet, um sich auszutauschen. "Eine gleiche Bezahlung spielt eine wichtige Rolle."

2. Darum wurde die Aufstellung Last Minute umgeschmissen

Ganz nach dem Motto "never change a winning team" sollte die Aufstellung der Deutschen wie auch schon im Viertel- und Halbfinale gleich bleiben. Doch dann – acht Minuten vor Anpfiff – die bittere Nachricht: Kapitänin Alexandra Popp kann aufgrund muskulärer Probleme nicht spielen, dafür rückt Lea Schüller in die Startelf ein. Die Nationalstürmerin Schüller ist gerade erst zur Fußballerin des Jahres 2021/2022 gekürt worden. 

Popp hingegen ist mit sechs Toren beste Schützin der deutschen Mannschaft bei der EM, beim 2:1 im Halbfinale gegen Frankreich hatte sie doppelt getroffen.

Gruppenfoto der deutschen Frauenfussballmannschaft
Die deutsche Frauen-Nationalmannschaft kurz vor Anpfiff. Bildrechte: IMAGO / Beautiful Sports

3. Rekord bei Zuschauerzahlen

Noch nie gab es so viele Zuschauer! Zum Vergleich: Zur EM 2017 in den Niederlanden zog es insgesamt 240.055 Fans in die Stadien. Diese Zahl wurde dieses Jahr mit 487.683 bereits im Halbfinale mehr als verdoppelt.

4. Fast nur englische Fans vor Ort 

Die deutsche Fangemeinde hatte es im Wembleystadion nicht leicht: Denn sie hatten fast ein ganzes Stadion gegen sich. 80.000 englische Fans dominierten die Tribüne – dagegen nur 3.000 deutsche Anhänger. Insgesamt wurden rund 90.000 Fußball-Fans im Stadion gezählt.

Prinz William auf der Tribüne
UEFA-Präsident Aleksander Ceferin (zweiter von links) sah sich das Spiel neben Prinz William an. Bildrechte: IMAGO / Sportimage

5. 62. Minute – Ella Toone schießt erstes Tor für England 

Da war sie: die Führung für England. Die 22-jährige Ella Toone schießt das erste Tor für England. Die 80.000 England-Fans im Stadion sind schon in Siegesstimmung und singen "Football’s coming home".

Englands Ella Toone jubelt nach dem Tor zum 1:0.
Deutschland hält den Atem an, England jubelt: Ella Toone schießt das erste Tor im EM-Finale. Bildrechte: dpa

6. 79. Minute: Tor für Deutschland! Dank Lina Magull zum Ausgleich

Von Sydney Lohmann und Tabea Waßmuth vorbereitet, setzt die 27-jährige Lina Magull zum Ausgleich an – mit Erfolg!

Lina Magull
Durchatmen für deutsche Fans: Lina Magulls Tor führt zum ersehnten Ausgleich. Bildrechte: IMAGO / Pro Sports Images

7. Abpfiff! Das Spiel geht in die Verlängerung – die Tagesschau muss weichen

Was für eine Sensation: Die Tagesschau wird für Frauen-Fußball verschoben. Der Tatort entfällt. Denn nach 90 Minuten geht das Spiel in die Verlängerung – 30 Minuten, mindestens!

8. 112. Minute: Chloe Kelly schießt das Siegestor für England

Das war's: Nach einem grandiosen und aufregenden Spiel schießt Chloe Kelly das zweite Tor für England.

Fußballerin Chloe Kelly
Chloe Kelly schießt das entscheidende Tor für England. Bildrechte: IMAGO / Pro Sports Images

Die Engländerinnen sind Europameisterinnen – in Deutschland jubeln wir für unsere Siegerinnen der Herzen. Für England ist es der erste große Sieg seit 56 Jahren. Damals holten die Männer den WM-Titel – übrigens ebenfalls im Wembley-Stadion.

So soll der Hype um Frauen-Fußball bestehen bleiben

Von den Fanmassen und der Qualität der Spielerinnen begeistert kündigt UEFA-Präsident Aleksander Ceferin laut dpa weitere Investitionen in den Frauenfußball an.

 Wir müssen den Frauenfußball auf exakt dieselbe Weise entwickeln wie den Männerfußball. […] Wir müssen es auf einem technischen Level entwickeln, und wir müssen investieren. Vielleicht sollten einige Menschen damit anfangen zu denken, dass es sich lohnt, in den Frauenfußball zu investieren.

Aleksander Ceferin

Ähnlich sieht das Joti Chatzialexiou, sportlicher Leiter der Nationalmannschaften im Deutschen Fußball-Bund (DFB). Er hofft nach der EM in England auf eine anhaltende Frauenfußball-Euphorie in Deutschland. "Wir wollen den Hype mitnehmen", so der 46-Jährige nach Angaben der dpa.

Übrigens: Bereits 2023 bekommen unsere DFB-Frauen eine neue Chance: Denn in Australien und Neuseeland findet die Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen statt.

BRISANT/dpa/Sportschau/spox.com

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 31. Juli 2022 | 17:15 Uhr

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