Mit Pop dem Populismus entgegentreten Herbert Grönemeyer präsentiert "Tumult"

BRISANT | 07.11.2018 | 17:15 Uhr

Eine große Portion Haltung garniert mit einer Prise Kitsch und zum Nachtisch Mut und Leichtigkeit: In seiner Wahlheimat Berlin hat Herbert Grönemeyer sein neues Album "Tumult" vorgestellt.

Herbert Grönemeyer
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Vier Jahre haben die Fans auf neue Musik von ihm warten müssen. Nun erscheint "Tumult" – und damit Herbert Grönemeyers fünfzehntes Album.

Der Name ist Programm

Es ist ein Album zur Lage der Nation: Der Rechtsruck, das Hassgeschwätz im Netz, das Schüren von Ängsten, all das beschäftigt den 62-Jährigen. Grönemeyer will mit seinen Liedern etwas anzetteln und mit Pop dem Populismus entgegentreten. "Bist Du da, wenn zu viel Gestern droht, wenn wir verrohen, weil alte Geister kreisen" fragt er in dem Widerstandslied "Bist Du da". "Kein Meter nach Rechts, Verständnis ist nie schlecht", heißt es in "Fall der Fälle".

Man muss einen klaren Standpunkt beziehen, damit die Menschen sich an einem reiben und auch an dem, was ich mache, reiben. Ich möchte so intensiv wie möglich sein, dass auch Menschen mich ablehnen. Das ist auch wichtig.

Herbert Grönemeyer

Auch die schönen Momente spielen eine Rolle

Herbert Grönemeyer kann es sich leisten, auch auf Ablehnung zu stoßen. Genug Menschen lieben diesen "Gockel" Grönemeyer und werden vermutlich auch seine 15. Platte zu einem Kassenschlager machen. Auch, weil er die schönen Momente des Lebens treffsicher in Worte fassen kann. "Sekundenglück" ist solch eine Kreation.

Das Schöne am 'Sekundenglück' ist, glaube ich, dass es Momente sind, bei denen für die Sekunde alles stimmte. Ich hatte gar keinen Grund glücklich zu sein, aber in dem Moment war alles stimmig.

Herbert Grönemeyer

Der Musiker Herbert Grönemeyer (r) tritt zusammen mit dem Kreuzberger Sänger Andac Berkan Akbiyik alias BRKN (l) auf.
Herbert Grönemeyer (r.) tritt zusammen mit dem Kreuzberger Sänger Andac Berkan Akbiyik alias BRKN auf. Bildrechte: dpa

Eine Überraschung gibt's auch

Grönemeyer liebt es, mit der Sprache zu spielen. Für ein Lied wagt er sich jetzt sogar ans Türkische. Während manche witzeln, dass sie das mal wieder für Nuscheln gehalten haben, meint Grönemeyer das durchaus ernst. Aufgewachsen in Bochum mit Kindern aus Griechenland, der Türkei oder Polen, ist die Vielfalt für Grönemeyer als Kind des Ruhrgebiets schon immer normal gewesen. "Da waren wir stolz drauf", sagt Grönemeyer. Unterstützung bekommt er bei "Doppelherz / Iki Gönlüm" von BRKN, einem jungen Rapper aus Berlin-Kreuzberg.

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Die "Stimme der Nation" macht weiter

Seit Jahrzehnten gilt Grönemeyer als "Stimme der Nation". Kaum ein Sänger berührt die Deutschen so sehr wie er. Und ein Ende ist vorerst nicht in Sicht.

Ich werde so lange weitermachen oder auch nerven und schlechte Platten veröffentlichen, bis ich das Gefühl habe: Jetzt bin ich nur noch peinlich! […] Ich mache das gerne. Ich singe gerne. Das ist das ultimative Glücksgefühl für mich.

Herbert Grönemeyer

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 07. November 2018 | 17:15 Uhr

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