Neuer Song "Deutschland" Sorgt Rammsteins neues Video zu Recht für Wirbel?

BRISANT | 29.03.2019 | 17:15 Uhr

Lange war es ruhig um Rammstein. Jetzt ist die Rockband mit einem provokanten Video zur Single "Deutschland" zurück. Mit dem Inhalt habe die Band eine Grenze überschritten, sagen Kritiker. Doch stimmt das wirklich?

Band Rammstein
Bildrechte: Jes Larsen

Neun-Minuten-Querschnitt deutscher Geschichte

Seit Donnerstag (28.03.) steht das Video "Deutschland" von Rammstein im Netz. Es ist die erste Auskopplung aus dem neuen Album, das am 17. Mai veröffentlicht wird. In mehr als neun Minuten zieht die Rockband darin einmal quer durch Deutschlands Geschichte: Von den alten Germanen im düsteren Wald, über Faustkämpfe um die Jahrhundertwende, über das Dritte Reich und eine feiernde DDR-Regierung, bis hin zur Gegenwart. Wegen zahlreicher Gewalt-Szenen ist das Video bei Youtube mit einer Altersbeschränkung versehen.

Darf man mit dem Holocaust Werbung für Musik machen?

Im Video sind die Bandmitglieder als Häftlinge mit Strick um den Hals in einem Konzentrationslager zu sehen. Dabei tragen sie gestreifte Kleidung, auch gelbe David-Sterne sind zu sehen. Frontmann Till Lindemann singt dazu: "Übergeben, überraschen, überfallen, Deutschland, Deutschland, über allen!" Das Video zeigt allerdings auch eindrucksvoll, wie sich Häftlinge an ihren NS-Bewachern rächen.

Trotzdem gibt es heftige Kritik auf die Anspielungen auf den Holocaust und die deutschen Konzentrationslager. Auf den kurzen Trailer zum Video, der zuvor veröffentlicht wurde, reagierte beispielsweise der Präsident des Zentralrats der Juden Josef Schuster und erklärte, es gebe zahlreiche Künstler, die sich würdevoll mit der Schoa (der Völkermord an den Juden) auseinandersetzen würden.

Wer den Holocaust jedoch zu Marketing-Zwecken missbraucht, handelt verwerflich und unmoralisch.

Josef Schuster | Zentralrat der Juden

Es gibt auch Lob für Rammsteins Weg

Doch es gibt auch Stimmen, die in dem provozierenden Video eine Kritik an der deutschen Geschichte und somit auch die Distanzierung von rechtem Gedankengut sehen. Die Zeile "Deutschland, meine Liebe kann ich dir nicht geben" sei eine eindeutige Positionierung, wie es sie vorher in Rammstein-Songs nicht gegeben hätte, so Philipp Johannßen von den Stuttgarter Nachrichten.

Es ist ein martialischer Rundumschlag, der (...) das zwiespältige Verhältnis der Deutschen zu ihrer Geschichte, besonders dem Nationalsozialismus, überspitzt wiedergibt.

Philipp Johannßen, Stuttgarter Nachrichten

Auch in den Sozialen Medien gibt es von vielen Seiten Lob. In mehreren Kommentaren wird betont, dass Rammstein in ihrem aktuellen Video eben auch die Schattenseiten von Deutschland zeigen würden.

Rammstein: "Wir hassen Nazis!"

Häufig wird in den Reaktionen auch darauf hingewiesen, dass sich Rammstein in den vergangenen Jahren immer wieder deutlich gegen rechtes Gedankengut ausgesprochen hätten. In einem ihrer seltenen Interviews sagte Frontmann Till Lindemann dem Magazin "Rolling Stone" im Jahr 2011:

Wir kommen aus dem Osten und sind als Sozialisten aufgewachsen. Wir waren früher entweder Punks oder Gruftis - wir hassen Nazis!

Till Lindemann | Rammstein

Einladung in die KZ-Gedenkstätte Dachau

Eine neue Stellungnahme zu den Vorwürfen gibt es von der Band bislang nicht. Der Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, Karl Freller, hat die sechs Mitglieder als Reaktion auf das Video jedenfalls in die KZ-Gedenkstätte Dachau eingeladen.

bri/mdr jump/mdr kultur

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 29. März 2019 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. März 2019, 20:00 Uhr

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