Abschlussplädoyers Letzte Runde im Prozess zwischen Johnny Depp und Amber Heard

Die Hollywoodstars Johnny Depp und Amber Heard liefern sich vor einem US-Gericht eine wahre Schlammschlacht - nun geht der bittere Rechtsstreit in die Endrunde. In den Abschlussplädoyers am Freitag (27.05.) versuchen beide Seiten ein letztes Mal, die Geschworenen von ihrer Sichtweise zu überzeugen.

Amber Heard und Johnny Depp
Nach den Abschluss-Plädoyers heißt es für Johnny Depp und Amber Heard: Warten auf das Urteil. (Archiv) Bildrechte: dpa

Seit sechs Wochen tragen die Ex-Eheleute Johnny Depp und Amber Heard ihren bitteren Streit um Vorwürfe von Gewalt und Missbrauch öffentlich aus. Die Schlammschlacht wird nicht nur vor den Augen der Geschworenen ausgetragen, sondern vor der gesamten Welt-Öffentlichkeit. Der Prozess wird von Gerichtskameras live im Internet übertragen - mit einer gewaltigen Resonanz. Auch vor Ort in Fairfax, Virginia, ist das Aufsehen groß: Schaulustige stellen sich schon nachts an, um einen der 100 begehrten Zuschauerplätze im Gerichtssaal zu ergattern. Nun läuft der Countdown - am Freitag (27.05.) werden die Abschluss-Plädoyers erwartet, dann geht der Fall an die sieben Geschworenen. Mit einem Urteil rechnen Fachleute frühestens zu Beginn der kommenden Woche.

Morddrohungen seit Prozessbeginn

Der Prozess habe ihr unzählige Gemeinheiten eingebracht, sagte Heard am Donnerstag (26.05.) noch einmal aus. "Ich werde jeden einzelnen Tag belästigt, gedemütigt und bedroht, alleine schon wenn ich in diesen Gerichtssaal laufe", sagte die Schauspielerin. "Ich bekomme regelmäßig Hunderte Morddrohungen, quasi täglich. Tausende, seit dieser Prozess begonnen hat. Die Menschen machen sich lustig über meine Aussagen, dass ich missbraucht worden bin."

Amber Heard
Amber Heard spricht von Morddrohungen, die sie seit Prozessbeginn regelmäßig erhält. (Archiv) Bildrechte: dpa

Depp weist Vorwürfe zurück

Depp hatte sich am Mittwoch (25.05.) noch einmal gegen Heards Anschuldigungen gewehrt. Es sei "wahnwitzig", diese anzuhören. Während der Befragung durch sein Anwaltsteam beschrieb der Schauspieler die Vorwürfe unter anderem als "schrecklich", "lächerlich", "unglaublich brutal", "grausam", "demütigend" und "völlig falsch". Er habe "niemals" körperliche Gewalt angewendet, versicherte Depp.

Streit ja, Gewalt nein

Zum Auftakt seiner Aussage im April hatte Depp eingeräumt, dass es in ihrer Beziehung oft zu Streit gekommen sei. "Aber niemals bin ich an den Punkt gekommen, Miss Heard auf irgendeine Weise zu schlagen, noch habe ich jemals in meinem Leben eine Frau geschlagen", sagte er unter Eid. Vielmehr habe die Schauspielerin ein "Bedürfnis nach Gewalt" gehabt und ihn angegriffen.

Johnny Depp
Johnny Depp räumte häufigen Streit mit Amber Heard ein. Gewalt habe es aber nie gegeben. (Archiv) Bildrechte: dpa

Heard schildert verbale und körperliche Attacken

Auch Heard ging im Laufe des Prozesses hart mit Depp ins Gericht. Teils unter Tränen beschrieb sie angebliche Vorfälle, in denen sie Opfer seiner Wutausbrüche und Angriffe geworden sei. Ihrer Aussage nach wurde Depp, vor allem im Rausch, häufig handgreiflich. Der Mann, den sie liebte, sei durch seine Sucht zum "Monster" geworden. Die Schauspielerin beschrieb verbale Attacken, in denen Depp angeblich damit gedroht habe, er könne sie umbringen. Er habe sie als "Hure" beschimpft und ihr grundlos vorgehalten, sie würde ihn betrügen. Es sei auch zu sexueller Gewalt gekommen.

Prozess legt erschütternde Details offen

Den Zuschauern im Gericht blieb nichts erspart. Die Anwälte beider Seiten fuhren schweres Geschütz auf: schockierende Handy-Videos mit übelsten Beschimpfungen, Schilderungen von Alkohol- und Drogenexzessen, es geht um eine abgetrennte Fingerkuppe, sexuellen Missbrauch mit einer Flasche und um Fäkalien im Bett. Dutzende Zeugen kamen in dem Prozess zu Wort, Assistenten der Schauspieler, Psychologen, Polizisten, Finanzberater und Filmexperten. Auch Prominente sagten aus, darunter Kate Moss und Jason Momoa.

Kate Moss, Model aus Großbritannien und eine frühere Freundin des Schauspielers Johnny Depp, sagt per Videolink im Fairfax County Circuit Courthouse aus, während der Schauspieler zusieht.
Viele Prominente wurden in dem Prozess als Zeugen geladen. Hier spricht Kate Moss über ihre Zeit mit Johnny Depp. (Archiv) Bildrechte: dpa

Scheidung nach 15 Monaten Ehe

Depp und Heard hatten sich 2009 bei den Dreharbeiten zu dem gemeinsamen Film "The Rum Diary" kennengelernt. Ihre Romanze begann 2011 auf einer Werbetour für den Film, nach Depps Trennung von seiner langjährigen Partnerin, der französischen Schauspielerin Vanessa Paradis. 2015 heirateten Depp und Heard, doch nach nur 15 Monaten Ehe reichte die Schauspielerin, nach Vorwürfen von häuslicher Gewalt, die Scheidung ein.

Prozess: Es geht ums Geld

In seiner Zivilklage hält Depp der Schauspielerin vor, in einem Kommentar zum Thema häusliche Gewalt, der 2018 von der "Washington Post" veröffentlicht wurde, falsche Aussagen gemacht zu haben. Dies habe seinem Ruf und seiner Karriere geschadet. Wegen Verleumdung klagt er auf rund 50 Millionen Dollar (gut 46 Millionen Euro) Schadenersatz. Heard pocht in einer Gegenklage auf 100 Millionen Dollar. Sie will geltend machen, dass Depps Ex-Anwalt Adam Waldman mit einer Schmutzkampagne ihrem Ansehen geschadet habe.

Im Gerichtssaal saßen die Ex-Eheleute in den sechs Wochen nur wenige Meter voneinander entfernt. Depp vermied jeglichen Blickkontakt, hielt seinen Kopf häufig gesenkt. Der Grund: "Du wirst meine Augen niemals wieder sehen", hatte Depp einst zu Heard gesagt.


(BRISANT/dpa/afp)

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 27. Mai 2022 | 17:15 Uhr

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