Verleumdungsprozess Amber Heard unter Tränen - Ex von Johnny Depp spricht von Gewalt und sexuellen Übergriffen

In der Schlammschlacht zwischen Johnny Depp und Amber Heard hat nun die Schauspielerin das Wort. Heard steht in dem Verleumdungsprozess ihres Ex-Mannes im Zeugenstand. Unter Tränen beschreibt sie die anfängliche Liebe der beiden, die angebliche Gewalt gegen sie - und nennt dabei erschütternde Details.

Amber Heard
Nachdem Johnny Depp bereits im Zeugenstand war, ist nun Amber Heard dran. (Archiv) Bildrechte: dpa

Im Zivilprozess zwischen Johnny Depp und seiner Ex-Frau Amber Heard ist die Schauspielerin am Mittwoch (04.05.) erstmals in den Zeugenstand getreten. Ihre Eröffnungsworte hatten es in sich: "Ich bin hier, weil mein Ex-Ehemann mich verklagt hat", sagte Heard zum Auftakt in der Befragung durch ihre Anwältin. Es sei "schrecklich" für sie, hier über Wochen hinweg "alles wieder zu erleben" und über ihr vergangenes Kapitel mit Depp zu sprechen. "Dies ist die schmerzlichste und schwierigste Sache, die ich je durchgemacht habe", sagte Heard über den Prozess, der seit rund drei Wochen läuft und öffentlich live verfolgt werden kann.

Amber Heard beschreibt Depp als "schreckliches Ding"

Depp sei die Liebe ihres Lebens gewesen, "aber er war auch dieses andere schreckliche Ding", sagte die 36-Jährige. Unter Tränen beschrieb sie einen Vorfall von 2012, zu Beginn ihrer Beziehung, als sie angeblich von Depp zum ersten Mal geschlagen worden sei. Er habe Alkohol und Drogen konsumiert, als eine Unterhaltung mit einem körperlichen Angriff geendet habe. Sie habe es zunächst für einen schlechten Witz gehalten, doch Depp habe ihr dreimal hintereinander ins Gesicht geschlagen. "Das hat mein Leben verändert", sagte Heard sichtlich aufgelöst. Depp habe sich danach unter Tränen auf den Knien bei ihr entschuldigt und versprochen, er werde dies nie wieder tun.

Amber Heard
Immer wieder brach Amber Heard im Zeugenstand in Tränen aus. Bildrechte: dpa

Depp und Heard werfen sich gegenseitig Gewalt vor

Doch es kam offenbar anders: Nach Aussage von Heard soll Depp vor allem im Rausch häufig handgreiflich gewesen sein. Es sei auch zu sexueller Gewalt gekommen, so Heard. Als Beleg zeigten ihre Anwälte Fotos von der Schauspielerin, etwa mit einem blauen Fleck am Oberarm. Heard beschrieb außerdem verbale Attacken, in denen Depp angeblich damit gedroht habe, er könne sie umbringen. Er habe sie als "Hure" beschimpft und ihr grundlos vorgehalten, sie würde ihn betrügen. Depp, der in der vergangenen Woche im Zeugenstand saß, hörte den Aussagen seiner Ex-Frau aus wenigen Meter Entfernung fast regungslos zu. Er vermied Blickkontakt, hielt seinen Kopf meist gesenkt.

In seiner Aussage hatte Depp unter Eid abgestritten, Heard jemals geschlagen zu haben. In ihrer Beziehung habe es Streit gegeben, räumte der Schauspieler ein. "Aber niemals bin ich an den Punkt gekommen, Miss Heard auf irgendeine Weise zu schlagen", so Depp. Heard wiederum habe ein "Bedürfnis nach Gewalt" gehabt, hielt er seiner Ex-Frau vor.

Schauspieler Johnny Depp, links, hört zu, wie Schauspieler Amber Heard am Mittwoch, den 4. Mai 2022, im Gerichtssaal des Fairfax County Circuit Court in Fairfax, Virginia, aussagt.
Johnny Depp (li.) sah Amber Heard bei ihrer Aussage nicht an. (Archiv) Bildrechte: dpa

Die Liebe war "magisch" zu Beginn

So distanziert wie das Verhältnis der beiden heute ist, so innig war es zu Beginn. Depp und Heard hatten sich 2009 bei den Dreharbeiten zu dem gemeinsamen Film "The Rum Diary" kennengelernt. Ihre Romanze begann 2011 nach Depps Trennung von seiner langjährigen Partnerin, der französischen Schauspielerin Vanessa Paradis. 2015 folgte die Hochzeit.

Ihre Beziehung sei von Beginn an "intensiv" gewesen, so Heard. Sie habe sich "Hals über Kopf" in Depp verliebt. "Es war wie ein Traum, absolut magisch", beschrieb sie den Beginn ihrer Romanze. Er konnte der netteste, aufmerksamste, großzügigste und lustigste Partner sein, bis seine "angsterregende" Kehrseite zum Vorschein gekommen sei, führte Heard aus. Nach nur 15 Monaten Ehe reichte sie die Scheidung ein.

Johnny Depp und Amber Heard, 2015
Vorbei: Amber Heard und Johnny Depp galten einst als Holywood-Traumpaar. (Archiv) Bildrechte: Getty Images

Verleumdungsprozess geht noch Wochen

In seiner Zivilklage hält Johnny Depp seiner Ex-Frau vor, in einem Kommentar zum Thema häusliche Gewalt, der 2018 von der "Washington Post" veröffentlicht wurde, falsche Aussagen gemacht zu haben. Dies habe seinem Ruf geschadet. Wegen Verleumdung klagt der Schauspieler auf rund 50 Millionen Dollar (gut 45 Millionen Euro) Schadenersatz, Heard hat eine Gegenklage eingereicht. Ihre Schadenersatz-Forderung: 100 Millionen Dollar.

Der Prozess soll noch mehrere Wochen dauern. Beobachter gehen davon aus, dass Heard mehrere Tage lang befragt wird, auch im Kreuzverhör von Depps Anwälten. Die Schlammschlacht wird von Gerichtskameras live übertragen. Das ist im US-Bundesstaat Virginia, wo der Prozess abgehalten wird, möglich. Bedingung ist, dass dies vom Gericht zugelassen wird.


(BRISANT/ten/dpa/afp)

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Schauspielerin Amber Heard (Archivfoto vom 28.07.2020) und Johnny Depp (Archivfoto vom 23.07.2020) bei der Ankunft am High Court.
Die Schlammschlacht geht weiter: Im Verleumdungsprozess bekriegen sich Amber Heard und Johnny Depp zum wiederholten Mal. Bildrechte: dpa

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Amber Heard und Johnny Depp
Ein Foto aus glücklichen Zeiten: Amber Heard und Johnny Depp im Jahr 2015. Bildrechte: imago images / Runway Manhattan

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 05. Mai 2022 | 17:15 Uhr

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