Todestag eines nicht unumstrittenen Popstars Michael Jackson vor zehn Jahren gestorben

BRISANT | 24.06.2019 | 17:15 Uhr

Er war bekannt für den "Moonwalk" und seinen extrovertierten Style auf der Bühne: Michael Jackson, Popstar, Exzentriker. Er hat die Musikwelt mehr als drei Jahrzehnte geprägt. Er war aber auch nicht unumstritten.

Sänger Michael Jackson während eines Konzertes.
Bildrechte: imago/LFI

Die Popkultur der Gegenwart wäre ohne Michael Jackson nicht, was sie ist. Doch zehn Jahre nach dem Tod des Superstars liegt ein dunkler Schatten auf seinem Andenken. Wie soll man mit dem Lebenswerk des "King of Pop" trotz der Missbrauchsvorwürfe umgehen?

Was bleibt von Michael Jackson? 10. Todestag des "King of Pop"

Zehn Jahre nach dem Tod von Michael Jackson wirft die Dokumentation "Leaving Neverland" einen dunklen Schatten auf Michael Jacksons Privatleben und sein Lebenswerk zwischen "Thriller" und Moonwalk.

Michael Jackson präsentiert "This is it"-Tour
Mit "This is it" wollte Michael Jackson eigentlich seinen Abschied von der Bühne feiern. Dafür plante er eine große Konzertserie in London. Doch dazu sollte es nicht mehr kommen: Jacko starb nur 18 Tage vor dem ersten Konzert am 25. Juni 2009 in Los Angeles. Er wurde 50 Jahre alt. Bildrechte: Getty Images
Michael Jackson präsentiert "This is it"-Tour
Mit "This is it" wollte Michael Jackson eigentlich seinen Abschied von der Bühne feiern. Dafür plante er eine große Konzertserie in London. Doch dazu sollte es nicht mehr kommen: Jacko starb nur 18 Tage vor dem ersten Konzert am 25. Juni 2009 in Los Angeles. Er wurde 50 Jahre alt. Bildrechte: Getty Images
Fans trauern in LA um Michael Jackson
Fans pilgerten vielerorts an Orte von Jacksons Wirken. Hier kondolieren Fans in Los Angeles vor dem Familienanwesen. Bildrechte: Getty Images
Michael Jacksons Sarg wird von Freunden und Familie getragen.
Michael Jackson hatte über Jahre hinweg immer wieder gesundheitliche Probleme. Zahlreiche kosmetische Eingriffe forderten ihren Tribut. Dazu kam Jacksons Abhängigkeit von Schmerzmitteln. Er starb an einer Überdosis des Schlafmittels Propfol, wie Gerichtsmediziner bestätigten. Bildrechte: Getty Images
Michael Jackson Statue in einer senkrecht stehenden Badewanne, gesäumt von bunden Bändchen links und rechts.
Michael Jackson wird von Fans in der ganzen Welt auch zehn Jahre nach seinem Tod noch immer verehrt. Dieser Badewannen-Schrein stand 2018 im polnischen Tuczno. Nach der Veröffentlichung des Films "Leaving Neverland" wurde die Installation entfernt. Bildrechte: imago images / Eastnews
US-Popstar Michael Jackson bei seinem Auftritt im Parkstadion.
US-Popstar Michael Jackson bei einem Auftritt im Gelsenkirchener Parkstadion im Jahr 1997 - über dem Privatleben und dem Lebenswerk des einstigen "King of Pop" liegt ein dunkler Schatten. Bildrechte: dpa
Die Neverland-Ranch des verstorbenen Musikers Michael Jackson.
Die Neverland Ranch war Michael Jacksons Rückzugsort. James Safechuck, inzwischen 40 Jahre alt, und Wade Robson, inzwischen 37 Jahre alt, erzählen in "Leaving Neverland", wie der im Jahr 2009 verstorbene Michael Jackson sie als Kinder missbrauchte. Zu Lebzeiten wurde er trotz mehrfach erhobener Vorwürfe nie dafür schuldig gesprochen. Bildrechte: dpa
Wade Robson (L), Verteidigungszeuge im Prozess gegen Michael Jackson, und seine Verlobte.
Wade Robson (L) war 2005 Verteidigungszeuge im Prozess gegen Michael Jackson. Damals wurde Jackson vom Gericht in Santa Maria (Kalifornien) freigesprochen. In der Dokumentation Leaving Neverland, 2019 erschienen, erhebt Robson Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs gegen Jackson. Bildrechte: Getty Images
Am umstrittenen Denkmal für Michael Jackson vor dem Bayerischen Hof in München protestierten Fans gegen eine Dokumentation.
Die Dokumentation löste bei Jackson-Fans Proteste aus, u. a. in München vor dem Hotel "Bayerischer Hof". Bildrechte: imago images / Michael Westermann
Denkmal für Michael Jackson vor dem Bayerischen Hof in München.
Hier verehren Fans nach wie vor ihren "unschuldigen" "King of Pop". Bildrechte: imago images / Michael Westermann
Am umstrittenen Denkmal für Michael Jackson vor dem Bayerischen Hof in München protestierten Fans.
Sie sind keine Fans der HBO-Produktion "Leaving Neverland" und haben das Münchner Denkmal zu Ehren des Komponisten Orlando di-Lasso zu einem Jackson-Schrein umdekoriert. Bildrechte: imago images / Michael Westermann
Michael Jackson "Beat It"-Musical
Ein Muss für Jackson-Fans: Durch Deutschland tourt gerade die Musical-Crew von "Beat it". Bildrechte: Getty Images
Michael Jackson "Beat It"-Musical
Das Musical ist "eine Hommage an den Superstar", schreiben die Veranstalter. Bildrechte: Getty Images
Das Musical-Thriller wird aufgeführt.
In London werden Michael Jackson und den "Jackson 5" mit dem Musical "Thriller" gehuldigt. Bildrechte: imago images / ZUMA Press
Plakat vom Michael Jackson Musical
Am New Yorker Times Square wird ein Broadway-Musical zu Ehren Michael Jacksons beworben. Es soll dieses Jahr Premiere feiern. Bildrechte: imago images / Levine-Roberts
Sänger Michael Jackson während eines Konzertes.
Das musikalische Erbe des "King of Pop" ist riesig und wird es wohl bleiben. Aber Jacksons enge Beziehungen zu Kindern und die schweren, posthum erhobenen sexuellen Vorwürfe gegen ihn werden mit dem Namen des King of Pop wohl auch immer verbunden bleiben. New-York-Times Kritiker Wesley Morris fasst es so zusammen: "Auf der einen Seite ist da die Mondlandung und auf der anderen der Moonwalk." Bildrechte: imago/LFI
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Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 24. Juni 2019 | 17:15 Uhr

10. Todestag des "King of Pop"

Seine Musik ist nicht tot zu kriegen. Es ist ein Werktag, unter der Erde Manhattans, die U-Bahn-Station "Grand Central". Die Massen strömen durch die Gänge, und an einer Seite steht eine Frau mit Mikro und Verstärker und singt Michael Jackson. Eine Frau ist stehen geblieben und nickt mit dem Kopf zum Takt. Daneben tanzt ein Kind an der Hand seines Vaters. Hier in der New Yorker Subway scheinen die Diskussionen um den größten Popstar aller Zeiten weit weg - fast so, als hätte es sie nie gegeben. Sein Tod jährt sich am 25. Juni zum zehnten Mal. Dabei ist Michael Jackson seit einigen Monaten so umstritten wie wohl noch nie.

Denkmal für Michael Jackson vor dem Bayerischen Hof in München.
Als "King of Pop" wird Michael Jackson vor dem Bayerischen Hof in München verehrt. Bildrechte: imago images / Michael Westermann

Jackson-Schrein in München

Das wirkt sich auch auf sein künstlerisches Erbe aus. Zur selben Zeit steht auf dem Promenadeplatz in München die bronzene Statue des Komponisten Orlando di-Lasso. Die Menschen, die in den vergangenen Monaten wieder verstärkt zu ihr pilgerten, kamen aber wegen eines anderen Musikers. Denn der Sockel vor dem Hotel "Bayerischer Hof" wurde zum Michael-Jackson-Denkmal umfunktioniert, nachdem der Musiker 2009 im Alter von 50 Jahren durch eine Überdosis des Narkosemittels Propofol gestorben war. Hier prangen - geduldet durch die Regierung Oberbayerns - Fotos, die den Superstar zeigen. Michael Jackson schien zwischen den Grenzen von Geschlecht und Ethnie zu schweben wie bei seinen Moonwalks auf der Bühne. Er war eine einmalige Kunstfigur samt durch und durch gemachten Gesicht. Kürzlich noch zeigte ein Bild an seinem Münchner "Schrein" Jacksons Gesicht und die markanten schwarzen Locken. Statt dem Mund stand da das Wort "innocent" - unschuldig.

Am umstrittenen Denkmal für Michael Jackson vor dem Bayerischen Hof in München protestierten Fans.
Am umstrittenen Denkmal für Michael Jackson vor dem Bayerischen Hof in München protestierten Fans. Bildrechte: imago images / Michael Westermann

"Leaving Neverland" wirft dunklen Schatten auf Jackson

Den Glauben an Jacksons Unschuld aber verloren in letzter Zeit viele, nachdem sie "Leaving Neverland" gesehen hatten, die mittlerweile weltweit bekannte Dokumentation von Regisseur Dan Reed. In ihr erzählen James Safechuck (41) und Wade Robson (36) schockierend und in schwer zu ertragender Detailtiefe, wie der Sänger sie sexuell missbraucht haben soll, als sie noch Kinder waren. Angefangen habe der Missbrauch, als er sieben war, sagt Robson in der Dokumentation. Es wird beschrieben, wie Jackson sich systematisch an die Kinder annäherte, schließlich mit ihnen in einem Zimmer schlief und nach einer Zeit wieder abstieß.

Die Neverland-Ranch des verstorbenen Musikers Michael Jackson.
Die Neverland-Ranch des vor zehn Jahren verstorbenen Musikers Michael Jackson. Bildrechte: dpa

Schwere Vorwürfe gegen Jackson

Robsons Mutter spricht von einem "Muster".

Alle zwölf Monate hatte er einen neuen Jungen an seiner Seite.

Mutter von Wade Robson Dokumentation "Leaving Neverland"

Doch während einige eingefleischte Fans in den Foren noch immer darüber brüten, wie sie die Welt von der Unschuld ihres Idols überzeugen können - schließlich wurde "Jacko" nie von einem Gericht verurteilt - geht auch eine andere Debatte weiter. Darüber, ob man Jacksons Oeuvre angesichts der Vorwürfe noch genießen darf. Sind Kunst und Künstler trennbar?

Wade Robson (L), Verteidigungszeuge im Prozess gegen Michael Jackson, und seine Verlobte.
Wade Robson (L), Verteidigungszeuge im Prozess gegen Michael Jackson, und seine Verlobte im Jahr 2005. Er erhob in "Leaving Neverland" Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs gegen Jackson. Bildrechte: Getty Images

Riege umstrittener Stars

Es ist eine Frage, die die Öffentlichkeit in den vergangenen Jahren mehrfach und mit wechselnden Hauptdarstellern aushandeln musste, nachdem diese Stars schwer belastet wurden. Was passiert mit den vor Charme strotzenden Filmen von Woody Allen? Und der Sensationsserie "House of Cards" mit dem begnadeten Kevin Spacey als Präsident Underwood? Sind die Witze des jüngeren Bill Cosby noch lustig? Kann man "I Believe I Can Fly" von R. Kelly trotzdem aufdrehen? Im Fall von Jackson gab es diejenigen, die mit Boykottaufrufen reagierten. Doch Radios spielen Songs wie "Billie Jean", "Smooth Criminal" oder "Heal the World" weiterhin, bei Streaminganbietern bleiben sie im Programm. Für die Tour des Musicals "Beat it", von den Veranstaltern als "zweistündige Hommage" an das Pop-Genie beschrieben, werden nach wie vor Karten verkauft. Und die Regierung von Oberbayern will den Michael-Jackson-Schrein in München trotz einiger Beschwerden weiter dulden

Die im Raum stehenden Vorwürfe gegen den Künstler sind nach hiesiger Kenntnis bislang nicht bestätigt.

Regierung Oberbayern Pressemitteilung

Großes Jackson-Musical am Broadway in Planung

Der Broadway in New York bereitet sich derweil Medienberichten zufolge auf den Start eines großen Michael-Jackson-Musicals im nächsten Jahr vor. Das ist eine Entwicklung, die kaum überrascht, wenn man sich neben dem Werk auch die Wirkung des "King of Pop" anschaut. Viele beschreiben ihn als Star von solcher Größe, wie sie vielleicht niemals wieder erreicht werden kann. Die einflussreichsten Frauen und Männer der Welt - Präsidenten, Könige und Diktatoren - hofierten Jackson, auch deswegen, weil er auf seine Weise noch mächtiger war als sie. Er spielte Touren vor Millionen und seine Konzerte waren so groß, wie das Fassungsvermögen der Stadien es zuließ.

"Larger than Life" ist eine Beschreibung, die oft für Jackson verwendet wird - "überlebensgroß". Und auch sein Lebenswerk ist genau das: Es ist zu groß und mächtig, um es ignorieren oder boykottieren zu können.

Ich würde sagen, dass es wahrscheinlich keinen anderen Künstler gibt, der so wichtig für die Populärmusik der Gegenwart ist wie Michael Jackson.

Wesley Morris "New York Times"-Kritiker

Plakat vom Michael Jackson Musical
Ein Michael-Jackson-Werbeplakat am New Yorker Times Square wirbt derzeit für das Jackson-Musical am Broadway. Bildrechte: imago images / Levine-Roberts

Jacksons Erbe beeinflusste zahlreiche Künstler

Andere Stars hätten ganze Karrieren auf seinem Lebenswerk aufgebaut. Britney Spears, Justin Timberlake, Bruno Mars oder "The Weeknd" würden ohne revolutionäre Alben wie "Bad" oder "Dangerous" heute anders klingen. Wenn man sie überhaupt kennen würde. Jacksons Tanz-Choreografien mit einer Masse von synchronen Tänzern wie bei "Thriller" sind damals wie heute angesagt. Eine der Fragen, in der vieles kulminiert, lautet: Können schreckliche Menschen großartige Kunst machen? Liebhaber des genialen Komponisten, Antisemiten und Nazi-Lieblings Richard Wagner würden sie wohl genauso mit "Ja" beantworten wie diejenigen, die Pablo Picassos Malerei großartig finden, obwohl er immer wieder als Mann beschrieben wurde, der Frauen in seinem Leben herabwürdigte.

Pointiertes Fazit

Ähnliches dürfte auch für diejenigen gelten, die den König der Popmusik nach "Leaving Neverland" mit anderen Ohren hören. Auch wenn um die Person Jacksons zehn Jahre nach seinem Tod heftig gestritten wird, so bleibt sein Lebenswerk doch der berühmte "Gamechanger". Oder wie Journalist Morris die wichtigsten Ereignisse der US-Neuzeit zusammenfasst:

Auf der einen Seite ist da die Mondlandung und auf der anderen der Moonwalk.

Wesley Morris "New York Times"-Kritiker

Quelle: Benno Schwinghammer und Britta Schultejans (dpa)

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 24. Juni 2019 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. Juni 2019, 18:53 Uhr

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