Premiere in Berlin Das Leben des Rio Reiser: "Der König von Deutschland" als Musical

BRISANT | 08.10.2019 | 17:15 Uhr

Über 300 Lieder hat Rio Reiser geschrieben, doch "Wenn ich König von Deutschland wär" hat ihn berühmt gemacht, ihm den deutschen Rock-Thron gesichert. Jetzt gibt es ein Schauspielmusical über sein bewegtes Leben in einer aktualisierten Fassung in Berlin zu sehen: "Rio Reiser - Mein Name ist Mensch". Schulden, Liebeskummer, Alkohol und sein viel zu früher Tod inklusive.

Philip Butz tritt als Rio Reiser bei einer Fotoprobe des Musiktheaterstücks Rio Reiser - Mein Name ist Mensch
Das Leben einer Musiklegende als Schauspielmusical: "Rio Reiser - Meine Name ist Mensch" Bildrechte: dpa

Berlin 1970. Hausbesetzungen, Kommune 1, LSD, die Gründung der RAF. West-Berlin ist das Zentrum des subversiven Untergrunds. In dieser Zeit des Aufbruchs und der Rebellion gründet sich um Rio Reiser die legendäre Band "Ton Steine Scherben". Sie liefert den Soundtrack einer Generation, "Das ist unser Haus" wird zur Hymne der Hausbesetzer-Szene. Als die Band auseinanderfällt, startet Rio Reiser eine Solo-Karriere.

Jetzt hat die Komödie am Kurfürstendamm im Schiller Theater Berlin sein legendäres Leben in Form eines Musicals auf die Bühne gebracht: "Rio Reiser - Mein Name ist Mensch". Darin erzählt wird seine Lebensgeschichte - und das natürlich anhand seiner Lieder. 25 Songs, die politisch, persönlich und emotional bewegen.

Aktualisierte Fassung von "Rio Reiser - König von Deutschland"

Frédéric Brossier als Rio Reiser und Philip Butz als Jan bei einer Fotoprobe des Musiktheaterstücks Rio Reiser - Mein Name ist Mensch
Auch die Homosexualität des Sängers wird im Musical thematisiert. Bildrechte: dpa

Für die Berliner Version des Schauspielmusicals, dessen Vorgänger-Version bis letzten Mai unter dem Titel "Rio Reiser - König von Deutschland" in Potsdam zu sehen war, hat sich Regisseur Frank Leo Schröter mit Gert C. Möbius, dem Bruder von Rio Reiser, zusammengetan. Der hat unter anderem die Tagebücher des Künstlers zur Verfügung gestellt, um ihn als Mensch greifbar zu machen. Und der steht in der aktualisierten Fassung des Stücks im Mittelpunkt: mal betrunken, mal verzweifelt, mal cholerisch am Boden - fast so, als wäre er noch am Leben.

Neuauflage von Musiklegenden: ABBA, Udo Jürgens und Wolfgang Petry als Musical

Mit der Neuauflage des Rio-Reiser-Musicals ist Regisseur Frank Leo Schröter in bewährte Fußstapfen getreten. Bereits das Udo-Jürgens-Musical "Ich war noch niemals in New York" hat Schlager-Superstar Jürgens einen Riesenerfolg beschert. Jetzt ist das Stück auch auf der Kinoleinwand zu sehen. Ebenso hatte die Kult-Band ABBA Jahre nach ihrer Auflösung mit dem Musical "Mamma Mia!" einen erneuten Hype erlebt. Hier ist die Leinwand-Version ob ihres Erfolgs sogar mit einer Fortsetzung gekrönt worden. Im vergangenen Jahr hat Schlager-Legende Wolfgang Petry die Begeisterung seiner Fans für das Musical "Wahnsinn!" genutzt, um wenig später sein Schlager-Comeback bekannt zu geben.

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Bildergalerie Rio Reiser in concert

Die Werner-Seelenbinder-Halle in Ost-Berlin
1. Oktober 1988: Bereits am Nachmittag haben sich die ersten Fans vor der Werner-Seelenbinder-Halle im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg versammelt. Um 18 Uhr ist Einlass. Eine Sunde später beginnt das Konzert mit der Vorband Kerschowski aus Ost-Berlin. Bildrechte: DRA
Die Werner-Seelenbinder-Halle in Ost-Berlin
1. Oktober 1988: Bereits am Nachmittag haben sich die ersten Fans vor der Werner-Seelenbinder-Halle im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg versammelt. Um 18 Uhr ist Einlass. Eine Sunde später beginnt das Konzert mit der Vorband Kerschowski aus Ost-Berlin. Bildrechte: DRA
Ein Reiser-Fan wartet vor der Konzerthalle.
"Suche Rio-Karte! Ist die Hoffnung auch noch so klein, Hardie will zu Rio rein", hat dieser Reiser-Fan auf ein Pappschild geschrieben. Bildrechte: DRA
Tourbus von Rio Reiser
In einem weißen VW-Bus kommt Rio Reiser mit seiner Band am frühen Abend zur Werner-Seelenbinder-Halle gefahren. Um den Sänger aus dem Westen nicht mit Meissner Porzellan oder Antiquitäten bezahlen zu müssen, hatte die FDJ den Jugendsender des DDR-Rundfunks "DT 64" als Mitveranstalter gewonnen, der die Honorarkosten übernahm – 20.000 Westmark. "DT 64" durfte dafür die Konzerte aufzeichnen. Bildrechte: DRA
Rio Reiser
Rio Reiser in den grauen Katakomben der Seelenbinder-Halle. Im Hintergrund Sicherheitspersonal. Bildrechte: DRA
Rio Reiser-Plattencover
Rio Reiser signiert eine Schallplatte, die es in der DDR eigentlich gar nicht geben dürfte – "Keine Macht für niemand" seiner einstigen Band "Ton Steine Scherben". Dieses Lied durfte er in Ost-Berlin aber nicht spielen. So wollte es der FDJ-Zentralrat. Es war die einzige Auflage an Reiser. Und der hielt sich daran. Bildrechte: DRA
Rio Reiser signiert die Eintrittskarte eines Fans.
Rio Reiser signiert die Eintrittskarte eines Fans. Bildrechte: DRA
Rio Reiser auf der Bühne
Um 19.50 Uhr kommt Rio Reiser mit seiner Band auf die Bühne. Er singt zuerst "Alles Lüge". Ein spaßiger Song, aber in der DDR ist nichts nur Spaß, hier kann man nicht "Alles Lüge" singen, ohne dass sich das Publikum seinen Teil denkt … Bildrechte: DRA
Rio Reiser auf der Bühne
"Lass uns 'n Wunder sein, 'n wunderbares Wunder sein ..." - Reisers erstes Liebeslied an diesem Abend. Bildrechte: DRA
Fans beim Rio Reiser-Konzert
Insgesamt 12.000 Fans erleben die beiden Konzerte Reisers in Ost-Berlin. Die meisten Lieder werden mitgesungen, Wunderkerzen glimmen und in den ersten Reihen werden Anarcho-Fahnen geschwenkt. Bildrechte: DRA
Rio Reiser am Keyboard
Rio Reiser am Keyboard: "Zauberland ist abgebrannt …" Bildrechte: DRA
Rio Reiser auf der Bühne
Reiser singt "Für dich und immer nur dich …" Bildrechte: DRA
Der Gitarrist und Komponist R.P.S. Lanrue
Der Gitarrist und Komponist R.P.S. Lanrue (eigentlich Ralph Peter Steitz), 1950 in Grenoble, Frankreich, geboren, hatte gemeinsam mit Rio Reiser "Ton Steine Scherben" gegründet. Beide schrieben und komponierten die meisten Songs der Politrockband. Nach dem Ende von "Ton Steine Scherben" spielte Lanrue in Reiser Band. Bildrechte: DRA
Der Gitarrist Lanrue
In der Werner-Seelenbinder-Halle standen Lanrue und Reiser zum letzten Mal gemeinsam auf der Bühne. Nach den beiden Konzerten verließ Lanrue aus persönlichen Gründen die Band seines Freundes. Bildrechte: DRA
Rio Reiser auf der Bühne
"Es ist vorbei, bye, bye, Junimond. Es ist vorbei, bye, bye …", Reisers letzter Song. Dann sagt er "Tschüss" und geht von der Bühne. Als Zugabe spielt er nach einer kleinen Pause "Der Traum ist aus". Bei der Zeile "Dieses Land ist es nicht" ist das Publikum wie mit einer Stimme dabei. "DT 64" schneidet diesen Song später, bei der Ausstrahlung des Konzertes im DDR-Fernsehen, heraus. Bildrechte: DRA
Rio Reiser trinkt Bier.
Rio Reiser nach dem Konzert, beim Interview mit "DT 64". Bildrechte: DRA
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Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 08. Oktober 2019 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Oktober 2019, 22:45 Uhr

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