Placido Domingo
Nun auch Teil der #MeToo-Debatte: Opernstar Plácido Domingo Bildrechte: IMAGO

Sexuelle Belästigung Plácido Domingo: Was ist dran an den Vorwürfen?

BRISANT | 14.08.2019 | 17:15 Uhr

Die #MeToo-Debatte ist um eine Facette reicher: Neun Frauen geben an, von Startenor Plácido Domingo sexuell belästigt worden zu sein. Der Künstler zeigt sich betroffen, räumt jedoch ein, dass sich im Laufe der Zeit die "Standards" geändert hätten. Die ersten Opernhäuser ziehen bereits Konsequenzen. Zu Recht?

Placido Domingo
Nun auch Teil der #MeToo-Debatte: Opernstar Plácido Domingo Bildrechte: IMAGO
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BRISANT Mi 14.08.2019 17:15Uhr 02:10 min

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Umarmungen, ungewollte Küsse, nächtliche Treffen ... Die Vorwürfe gegen Opernsänger, Dirigent und Direktor der Los Angeles Opera Plácido Domingo wiegen schwer. Neun Frauen haben öffentlich gemacht, von Opernheld Domingo belästigt worden zu sein. Die Anschuldigungen reichen von Küssen auf den Mund, Griffen unter den Rock bis zu nächtlichen Verabredungen im Hotelzimmer. Die Vorfälle liegen mittlerweile zwanzig bis dreißig Jahre zurück, belasten die betroffenen Frauen jedoch bis heute.

Einzig Sängerin Patricia Wulf war bereit, über die Anschuldigungen gegen Domingo vor der Kamera zu sprechen. Denn, so die Mezzosopranistin, fürchte man, durch die öffentliche Kritik berufliche Nachteile in Kauf nehmen zu müssen. Sieben betroffene Künstlerinnen geben an, eine zuvor durch Domingo zugesagte Rolle nicht erhalten zu haben, nachdem sie seine Avancen abgelehnt hätten. Über dreißig Mitarbeiter des Opernbetriebs bestätigen ein "unangemessenes, sexuell gefärbtes Verhalten" Domingos gegenüber Frauen. Der zeigt sich derweil betroffen, empfindet die Vorwürfe als "beunruhigend" und "unzutreffend", räumt jedoch ein, "dass die Regeln und Standards, an denen wir [...] gemessen werden, heute sehr andere sind als früher".

Erste Konsequenzen seitens der Kulturbetriebe

Plácido Domingo, Opernsänger
In den USA haben sich bereits die ersten Opernhäuser von Star-tenor Domingo distanziert Bildrechte: dpa

Nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe haben sich bereits die ersten US-Kulturhäuser von Opernheld Domingo distanziert. Wie tagesschau.de berichtet, hat die Oper in San Francisco ein Domingo-Konzert abgesagt, das für Anfang Oktober geplant war. In einem schriftlichen Statement begründete das Haus seine Entscheidung mit seinen Richtlinien zur Bekämpfung sexueller Belästigung. Die Oper wolle ein "sicheres und geschütztes Umfeld schaffen", in dem sich die Mitarbeiter und Künstler auf die "Arbeit und Kunst konzentrieren können" und mit "Respekt, Würde und Kollegialität" begegnen. Ähnliche Konzequenzen zog das Philadelphia Orchestra. Die Los Angeles Opera, an der Plácido Domingo die Generaldirektion inne hat, würdigte zunächst seine künstlerische Leistung, kündigte jedoch ebenfalls eine umfangreiche Untersuchung der Vorwürfe an.

Im deutschsprachigen Raum ist der Umgang mit dem neuesten Vorfall im Rahmen der #MeToo-Debatte zunächst verhalten. In Salzburg hält man am Festspiel-Engagement des Star-Tenors fest, empfände eine prompte Reaktion als "sachlich falsch und menschlich unverantwortlich". Auch die Wiener Staatsoper wird zunächst abwarten.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 15. August 2019 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. August 2019, 18:27 Uhr

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