50 Jahre Polizeiruf 110 Barrierefreies Jubiläum: Polizeiruf "An der Saale hellem Strande" auch in Gebärdensprache

Die Krimi-Reihe "Polizeiruf 110" wird 50. Damit das wirklich alle feiern können, gibt's mit Peter Kurth und Peter Schneider nicht nur ein neues Ermittlerteam, sondern mit "An der Saale hellem Strande" auch die erste Polizeiruf-Folge, die jemals in Gebärdensprache übersetzt wurde.

Polizeiruf in Gebärde
Zum ersten Mal in der Geschichte der Krimi-Reihe "Polizeiruf 110" wird eine Folge in Gebärdensprache übersetzt. Bildrechte: ARD-Foto/MDR/BRISANT

Die beliebte Krimi-Reihe "Polizeiruf 110" feiert 50. Geburtstag. Damit der auch von allen Fans gefeiert werden kann, hat sich der MITTELDEUTSCHE RUNDFUNK etwas ganz besonderes überlegt: Die Jubiläums-Folge "An der Saale hellem Strande" ist so barrierefrei wie nie zuvor. Neben Untertiteln für Gehörlose und Audiodeskription für Sehbehinderte wird es die aktuelle Folge - übertragen von zwei Dolmetscherinnen - auch in Gebärdensprache geben.

Polizeiruf erstmals in Gebärdensprache

"Es geht uns darum, barrierefreie Programmzugänge zu schaffen", erklärt Georg Schmolz, Leiter Barrierefreiheit beim MDR. Eine Befragung von Gehörlosen habe ergeben, dass der Wunsch nach einem fiktionalen Format in Gebärdensprache ganz oben stehe.

Der MDR habe zwar schon einige Märchenfilme übertragen, aber ein Krimi, der mit Rückblenden, Parallelsträngen und Perspektivwechseln arbeitet, sei eine neue Herausforderung. Denn: "Es gibt für fiktionale Formate keine Blaupause, wie man die übersetzt", so Schmolz.

Durch Gebärdensprache "mehr im Film"

Die beiden Dolmetscherinnen Antje Seifert und Katja Fischer haben einen Tag lang im Studio in Leipzig die Gebärdenfassung produziert. Dazu kam eine wochenlange Vorbereitung.

Für gehörlose Menschen sei die Gebärdensprache die Muttersprache, sagte Fischer, die selbst gehörlos ist. Darum kämen auch nicht alle Betroffenen mit Untertiteln klar. Kinder, die noch nicht lesen können, hätten gar nichts davon. Aber auch ältere Menschen bekämen Probleme beim Lesen der schnell wechselnden Untertitel. Über Gebärden könne zudem mehr transportiert werden. "Man ist mehr im Film", so Fischer.

Zum 50. Jubliäum Polizeiruf 110 erstmals mit Deutscher Gebärdensprache (DGS)

Die Gebädendolmetscherinnen Katja Fischer (rechts im Bild) und Antje Seifert (links im Bild) vor der grünen Wand.
Nur zwei Dolmetscherinnen können die teilweise recht schnellen Dialoge des Films bewältigen. Dabei müssen sich die beiden gut abstimmen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Die Gebädendolmetscherinnen Katja Fischer (rechts im Bild) und Antje Seifert (links im Bild) vor der grünen Wand.
Nur zwei Dolmetscherinnen können die teilweise recht schnellen Dialoge des Films bewältigen. Dabei müssen sich die beiden gut abstimmen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Die Gebärdensprachdolmetscherin Katja Fischer steht vor einer grünen Wand und gebärdet. Im Vordergrund rechts ist die Kamera zu sehen.
Wichtig ist die richtige Einstellungsgröße. Im fertigen Film müssen die Gebärden noch gut und klar erkennbar sein. Gleichzeitig dürfen durch die Dolmetscherinnen nicht zu viele Bildinformationen verdeckt werden. Bildrechte: MDR/Stephan Flad
Gebärdensprachdolmetscherin Antje Seifert hochkonzentriert bei der Arbeit. Sie steht vor "Grün". In der Endfertigung einige Tage später wird der Film auf die grüne Fläche elektronisch projiziert.
Gebärdensprachdolmetscherin Antje Seifert hochkonzentriert bei der Arbeit. Sie steht vor "Grün". In der Endfertigung einige Tage später wird der Film auf die grüne Fläche elektronisch projiziert. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Das große Studio 1 des MDR in Leipzig während der DGS-Produktion.
Produziert wird aufwendig im großen Studio 1 des MDR. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Katja Fischer (vorne im Bild) ist selbst gehörlos. Damit sie sich gut orientieren kann, ist ein hörender Gebärdensprachdolmetscher im Studio und gebärdet ihr wichtige Hinweise:  Peter Eichler steht zwischen den beiden Kameras auf Höhe der Monitore, die den Dolmetscherinnen den Jubiläums-Polizeiruf zeigen und von dem aus sie übersetzen.
Katja Fischer (vorne im Bild) ist selbst gehörlos. Damit sie sich gut orientieren kann, ist ein hörender Gebärdensprachdolmetscher im Studio und gebärdet ihr wichtige Hinweise: Peter Eichler steht zwischen den beiden Kameras auf Höhe der Monitore, die den Dolmetscherinnen den Jubiläums-Polizeiruf zeigen und von dem aus sie übersetzen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Unter den kritischen Blicken der Gebärdensprachdolmetscherinnen entsteht im Schnitt der fertige Film mit Gebärde. Sie geben das ok, wenn Gebärden und gesprochener Text übereinstimmen. Bildrechte: MDR/Martin Echterhoff
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Das große Studio 1 des MDR in Leipzig während der DGS-Produktion.
Produziert wird aufwendig im großen Studio 1 des MDR. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Neues Ermittler-Team beim "Polizeiruf 110" aus Halle

Damit nicht genug, geht der "Polizeiruf" aus Halle zum Jubiläum mit einem neuen Ermittler-Team an den Start, nämlich mit gleich zwei Peters im Doppelpack. Peter Kurth und Peter Schneider schlüpfen ab sofort in die Rollen der Kommissare Henry Koitzsch und Michael Lehmann.

Worum geht's in "An der Saale hellem Strande"?

Ein Toter vor der Haustür, die dunkle Nacht, ein paar Handydaten: Es ist nicht viel, was die neuen Kommissare Henry Koitzsch (Peter Kurth) und Michael Lehmann (Peter Schneider) in der Hand haben. Als letztes Mittel greifen sie zur Funkzellenauswertung.

Das führt dazu, dass ein buntes Sammelsurium an Menschen, die aus den unterschiedlichsten Gründen durch die Tatnacht gegeistert sind, im Verhörzimmer Platz nehmen. Dort werden ihre kleinen Schicksale im Rahmen der großen Mördersuche beleuchtet.

Szene aus dem Polizeiruf
Das neue "Polizeiruf 110"-Team aus Halle: die Schauspieler Peter Schneider und Peter Kurth. Bildrechte: MDR/filmpool fiction/Felix Abraham

Buch von Autor Clemens Meyer und Regisseur Thomas Stuber

Das Buch zum neuen "Polizeiruf" stammt von Clemens Meyer und Thomas Stuber. Die beiden Leipziger haben gemeinsam schon einige erfolgreiche Kinofilme gemacht, zum Beispiel "Herbert" oder "In den Gängen".

Der Jubiläums-Polizeiruf trägt deutlich ihre Handschrift. Entstanden ist ein Fernseh-Krimi, der genauso gut ein Kinofilm sein könnte und dennoch an die Traditionen des "Polizeirufs" anknüpft.

Reise durch "Polizeiruf"-Geschichte

Autor Clemens Meyer wurde 1977 in Halle an der Saale geboren. Mit dem "Polizeiruf" ist er groß geworden - und hat sich beim Schreiben auf die alten Filme bezogen. "Die DDR-Polizeirufe hatten immer tolle Titel, das ist wie eine Poetologie", schwärmt er. Das erklärt auch die Zwischenüberschriften der einzelnen Episoden in "An der Saale hellem Strande": Es sind Titel alter DDR-"Polizeiruf"-Fälle.

Wiedersehen mit "Polizeiruf"-Veteran Andreas Schmidt-Schaller

Und noch einen Verweis in die Vergangenheit haben die Macher des neuen "Polizeirufs" eingebaut: Andreas Schmidt-Schaller alias "Leutnant Thomas Grawe" ist zurück. Von 1986 bis 1995 war er es, der im Hallenser "Polizeiruf" die Verbrechen aufklärte. Jetzt brät er als Schwiegervater des Kommissars Michael Lehmann seinen Enkeln Spiegeleier und steht seinem ermittelnden Schwiegersohn mit Rat und Tat zur Seite.

Andreas Schmidt-Schaller
Im neuen Halle-"Polizeiruf" gibt's ein Wiedersehen mit Schauspieler Andreas Schmidt-Schaller, der selbst für neun Jahre in der Saalestadt ermittelte. Bildrechte: imago/Bild13

Wann kommt "An der Saale hellem Strande" im Fernsehen?

Ausgestrahlt wird der Jubiläums-"Polizeiruf" "An der Saale hellem Strande" am 30. Mai, ab 20:15 Uhr in Das Erste. Am selben Abend, ab 23:35 Uhr, kann man in "Polizeiruf 110 - Die Krimidokumentation" den Machern der beliebten Reihe über die Schulter blicken.

dpa/MDR/BRISANT

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 29. Mai 2021 | 17:15 Uhr

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