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Machtmissbrauch und sexuelle Übergriffe sollen sich am Rande von Rammstein-Konzerten abgespielt haben. Bildrechte: dpa

Neue ZeuginnenNach Vorwürfen gegen Frontmann Till Lindemann: Rammstein veröffentlichen Statement auf Instagram

Stand: 23. Juni 2023, 15:13 Uhr

Aufforderungen zu Sex, KO-Tropfen und Machtmissbrauch am Rande von Konzerten: Mehrere Frauen erheben schwere Vorwürfe gegen Till Lindemann. Sie seien systematisch für sexuelle Handlungen rekrutiert worden. Das berichten NDR und Süddeutsche Zeitung. Jetzt hat die Band mit einem Statement und einer Bitte an die Fans reagiert.

Zahlreiche jungen Frauen haben anonym und eidesstattlich versichert, gezielt für spezielle Aftershowpartys rekrutiert worden zu sein, um mit Till Lindemann Sex zu haben. Unter anderem berichten mehrere Frauen von sexuellen Handlungen, denen sie nicht zugestimmt hätten. Auch Chatprotokolle und weitere Zeugenaussagen stützen diese Behauptungen.

So sollen die Rammstein-Aftershowpartys verlaufen sein

Den Berichten zufolge beschreiben die Zeuginnen ein perfides System und wiederkehrende Muster. Demnach wurden sie gezielt von Personen aus Till Lindemanns Umfeld angesprochen - teils über die sozialen Medien, teils bei Konzerten. Das Ziel dieser Personen: Aftershowpartys speziell für Till Lindemann organisieren.

Teilweise seien die Frauen in Chatgruppen im Vorfeld gebeten worden, Fotos zu schicken. Anhand der Bilder seien die Frauen offenbar bewertet und ausgewählt worden. Laut Aussage einer Frau habe man ihr nur für den Fall den Zutritt zum Konzert und der Aftershowparty ermöglicht, wenn sie Interesse an Sex mit Lindemann zeige. Die Rekrutierung richtete sich dabei offenbar an sehr junge Frauen.

Eine weitere Frau schildert den unvermittelten Sex mit Lindemann 2020 in einer Garderobe als sehr gewaltvoll. Die damals 22-Jährige berichte heute, dass sie Schmerzen hatte und blutete. Der Sänger habe nicht aufgehört. Sie habe nicht ausdrücklich nein gesagt, sich aber extrem unwohl gefühlt.

In einem weiteren Fall berichtet eine damals 21-jährige Frau, auf einer Aftershowparty Lindemanns in einem Hotelzimmer besinnungslos auf dem Bett gelegen zu haben. Als sie wieder zu sich gekommen sei, habe der Sänger auf ihr gelegen und sie gefragt, ob er aufhören solle. Die Frau habe danach wieder die Besinnung verloren. Später habe ihr jemand Drogen angeboten. Am nächsten Morgen sei die Frau in einem anderen Hotelzimmer aufgewacht.

Die Bandbreite der Vorwürfe ist groß. Ob sie juristisch relevant sind und welche eventuell zu strafrechtlichen Ermittlungen führen, wird man erst noch sehen.

Vorwürfe kursierten im Netz

Erst vor wenigen Tagen kursierten bereits erste Anschuldigungen im Netz. Die Irin Shelby Linn behauptete, am Randes eines Konzertes in Vilnius unter Drogen gesetzt worden zu sein. Weil danach in manchen Medien und sozialen Netzwerken ebenso vage wie zweifelhafte Darstellungen folgten, stellte Linn klar "Till hat mich NICHT angefasst".

Die Band reagierte auf die Vorwürfe via Social Media: "Zu den im Netz kursierenden Vorwürfen zu Vilnius können wir ausschließen, dass sich was behauptet wird, in unserem Umfeld zugetragen hat. Uns sind keine behördlichen Ermittlungen dazu bekannt."

Auf Nachfragen zu den neuen Vorwürfen von NDR und SZ gab es von der Band kein Statement. Auch auf die schriftliche Anfrage von BRISANT gab es bisher weder eine Anwort noch eine Stellungnahme.

Verlag Kiepenheuer & Witsch trennt sich von Autor Till Lindemann

Öffentlich zu Wort gemeldet hat sich zwischenzeitlich allerdings der Verlag "Kiepenheuer & Witsch", bei dem Till Lindemann als Autor zwei Gedichtbände veröffentlicht hat. Bislang hatte der Verlag die nicht unumstrittenen Texte Lindemanns verteidigt. Man müsse die Person Till Lindemann vom "lyrischen Ich" der Texte trennen. Nun die Kehrtwende aus gegebenem Anlass.

"Mit Erschütterung haben wir in den letzten Tagen öffentlich gewordene Vorwürfe gegen Till Lindemann verfolgt", schreibt Verlegerin Kerstin Gleba. "Unser Mitgefühl und unser Respekt gilt den betroffenen Frauen."

"Im Zuge der aktuellen Berichterstattung haben wir Kenntnis erlangt von einem Porno-Video, in dem Till Lindemann sexuelle Gewalt gegen Frauen zelebriert und in dem das 2013 im Verlag Kiepenheuer & Witsch erschienene Buch "In stillen Nächten" eine Rolle spielt", heißt es in der Begründung des Verlags.

In einem seit drei Jahren im Netz kursierenden Video zum Lindemann-Song "Till The End" ist der Sänger in zahlreichen pornografischen Szenen mit jungen Frauen zu sehen. In einigen Sequenzen wird dabei der Gedichtband "In stillen Nächten" verwendet und daraus zitiert.

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Keine Vorverurteilung: Rammstein appelliert an die Fans

Nach der immer lauter werdenden Kritik an Till Lindemann und seinem Umgang mit Frauen, wendet sich jetzt seine Band Rammstein über Instagram direkt an die Fans - mit einer eindringlichen Bitte:

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Für Till Lindemann gilt nach wie vor die Unschuldsvermutung. Genauso wie für die Frauen, die die Vorwürfe gegen den Musiker erhoben haben.

BRISANT, NDR, Suedeutsche Zeitung, dpa

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