Trauer um Leinwand-Star Schauspieler Michael Gwisdek ist tot

Mit Filmen wie "Good Bye, Lenin!", "Boxhagener Platz", "Nachtgestalten" und "Oh Boy" schrieb er Leinwand-Geschichte. Jetzt ist Schauspieler Michael Gwisdek nach kurzer schwerer Krankheit im Alter von 78 Jahren verstorben.

Michael Gwisdek, 2015
Nach kurzer schwerer Krankheit ist Schauspieler Michael Gwisdek im Alter von 78 Jahren verstorben. Bildrechte: dpa

Nach kurzer schwerer Krankheit ist Schauspieler Michael Gwisdek am gestrigen Dienstag (22.09.) im Kreis seiner Familie verstorben - und mit ihm einer der Charakterköpfe des deutschen Films.

Ob in Kinofilmen wie "Good Bye, Lenin!", "Boxhagener Platz", "Nachtgestalten" und "Oh Boy" oder Fernsehproduktionen wie dem "Tatort", "Bella Block" oder "Donna Leon" - mit seiner Berliner Schnauze eroberte Michael Gwisdek die Herzen des Publikums im Sturm. "Charakterdarsteller würde ich gerne genannt werden", sagte er einmal. Und genau das ist ihm mit Bravour gelungen.

Michael Gwisdek (l) als Friedrich und Tom Schilling in dem Film "Oh, Boy"
Michael Gwisdek (l) als Friedrich und Tom Schilling in dem Film "Oh, Boy" Bildrechte: dpa

Jugendtraum Kinofilm

Der 1942 geborene Gastwirtssohn aus Berlin-Weißensee lernte - wie viele seiner prominenten Kollegen - das Schauspielhandwerk an der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" in Berlin. Danach war er zunächst auf verschiedenen Theaterbühnen der DDR zu sehen. Doch sein komödiantisches Talent bescherte ihm bald die ersten Filmrollen. Für Gwisdek ging damit ein Jugendtraum in Erfüllung. Wie viele Ost-Berliner hatte es ihn in den 50er-Jahren zum Filmegucken nach West-Berlin gezogen.

Als Andersdenkender in der DDR

Doch nicht sagen zu können, was er dachte, das war für Michael Gwisdek schlimm. Das zeigte er auch in seinem Regiedebüt "Treffen in Travers" aus dem Jahr 1988, in dem er die Auseinandersetzung mit der Ausgrenzung Andersdenkender in ein historisches Gewand kleidete. Schnell wurde Gwisdek zum Idol all derer, die nicht mehr gewillt waren, sich widerspruchslos anzupassen.

Zahlreiche Preise und Auszeichnungen

Nach dem Fall der Mauer erfüllte sich für Michael Gwisdek der Traum, einmal über den roten Berlinale-Teppich zu gehen. 1999 wurde er dort sogar ausgeszeichnet: mit einem Silbernen Bären als bester Hauptdarsteller in Andreas Dresens "Nachtgestalten". Gwisdeks Trophäen-Ausbeute war groß, reichte vom Deutschen Filmpreis über den Deutschen Fernsehpreis bis zum Grimme-Preis.

Keine Zeit für Rentner-Dasein

Bis zuletzt war Michael Gwisdek auf der Leinwand und im Fernsehen präsent. Etwa in der Krimi-Serie "Dead End" auf ZDF neo oder im DDR-Drama "Das schweigende Klassenzimmer". Mit "Familie Wöhler auf Mallorca" wurde er im vergangenen Februar noch einmal König der TV-Quoten. "Ick komm' nicht dazu, Rentner zu sein", kommentierte Gwisdek mit Mitte 70 seine berufliche Rastlosigkeit.

"Dead End" (Key Visual): Emma (Antje Traue) und ihr Vater Peter (Michael Gwisdek) stehen mit Obduktionsbesteck vor einem Seziertisch. Vor ihnen liegt ein Toter, den sie untersuchen müssen.
Michael Gwisdek als Leichenbeschauer in der Krimiserie "Dead End" Bildrechte: ZDF/ Carolin Ubl.

Passionierter Raucher und Koi-Züchter

Privat war Michael Gwisdek viele Jahre mit Schauspielerin Corinna Harfouch liiert. Ihre gemeinsamen Söhne Robert und Johannes Gwisdek arbeiten als Schauspieler und Komponist und sind u.a. mit der Hip-Hop-Band "Käptn Peng & Die Tentakel von Delphi" zu erleben. Zuletzt lebte Gwisdek mit seiner Frau, der Drehbuchautorin und Schriftstellerin Gabriela Gwisdek, auf dem Land vor den Toren Berlins. Er war passionierter Raucher und züchtete Kois.

Michael Gwisdek, 2014 in seinem Garten
Michael Gwisdek im Jahr 2014 in seinem Garten in der Schorfheide Bildrechte: IMAGO

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Mo 09.11.2009 22:45Uhr 01:23 min

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Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 23. September 2020 | 17:15 Uhr

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