Corona-Experiment Restart19 Mal wieder die Welt retten: Tim Bendzko gibt Test-Konzert in Leipzig

Endlich mal wieder mit Tausenden Gleichgesinnten ein Konzert genießen? In Leipzig ist dieser Traum für 1.500 Tim-Bendzko-Fans wahr geworden - bei einem Test-Konzert im Rahmen einer Studie des Uniklinikums Halle-Wittenberg. Untersucht worden ist, wie und unter welchen Bedingungen Hallen-Großveranstaltungen auch in Corona-Zeiten stattfinden können und wie hoch das Ansteckungsrisiko dabei ist.

Der deutsche Popsänger Tim Bendzko (M) tritt während eines Großversuchs der Universitätsmedizin Halle/Saale in der Arena Leipzig mit einer Band auf
Hat im Rahmen einer Corona-Studie in Leipzig ein Konzert vor 1.500 Besuchern gegeben: Sänger Tim Bendzko. Bildrechte: dpa

Ein Live-Konzert in einer geschlossenen Halle genießen? In Corona-Zeiten nahezu undenkbar. In Leipzig ist dieser Traum trotz steigender Fallzahlen für etwa 1.500 Tim-Bendzko-Fans Wirklichkeit geworden. Im Rahmen einer Feldforschungsstudie der Abteilung für Klinische Infektiologie des Uniklinikums Halle-Wittenberg hat der Singer-Songwriter in der Leipziger Arena gleich drei (!) zwanzigminütige Live-Konzerte gegeben. Trotz Maske und Sicherheitsabständen, erheblichem Zeitaufwand und der ein oder anderen Panne: Künstler und Publikum hat die seit Monaten erste Live-Veranstaltung in der Leipziger Arena begeistert.

Der Applaus zahlt keine Miete - deswegen ist es eklatant wichtig, dass wir wieder Veranstaltungen machen können.

Tim Bendzko

Restart-19 Tim Bendzko-Konzert und Studie zu Großveranstaltung

In der Arena Leipzig findet am Sonnabend ein Medizin-Experiment statt. Tausende Freiwillige haben sich als Studienteilnehmer gemeldet, bei dem Tim Bendzko ein Konzert gibt.

Teilnehmer der Restart-19-Studie in der Arena Leipzig
Samstagmorgen 7 Uhr: Vor der Arena Leipzig checken die Helfer der Restart-Studie ein. Bei allen wird Fieber gemessen. Das Medizin-Experiment soll Aussagen zur Durchführung von Großveranstaltungen unter Pandemie-Bedingungen liefern. Bildrechte: MDR/Barbara Brähler
Teilnehmer der Restart-19-Studie in der Arena Leipzig
Samstagmorgen 7 Uhr: Vor der Arena Leipzig checken die Helfer der Restart-Studie ein. Bei allen wird Fieber gemessen. Das Medizin-Experiment soll Aussagen zur Durchführung von Großveranstaltungen unter Pandemie-Bedingungen liefern. Bildrechte: MDR/Barbara Brähler
Teilnehmer der Restart-19-Studie in der Arena Leipzig
Das Medieninteresse an der Restart-Studie ist groß. Zahlreiche Journalisten aus dem In- und Ausland sind vor Ort. Bildrechte: MDR/Barbara Brähler
Teilnehmer der Restart-19-Studie in der Arena Leipzig
Vor der Arena warten die Studienteilnehmer. Rund 2.200 Besucher waren angemeldet, nur etwa 1.400 sind gekommen. Geplant waren ursprünglich 4.200 Probanden. Bildrechte: MDR/Barbara Brähler
22.08.2020, Sachsen, Leipzig: Eine Probandin (r) steht vor Beginn eines Groߟversuchs der Universitätsmedizin Halle/Saale steht beim Fiebermessen am Check-In.
Nicht nur die Helfer, auch die Studienteilnehmer müssen natürlich fieberfrei sein. Bildrechte: dpa
22.08.2020, Sachsen, Leipzig: Eine Probandin (vorne, links) steht vor Beginn eines Groߟversuchs der Universitätsmedizin Halle/Saale am Check-In.
Zu Beginn der Studie erhalten alle Konzertbesucher einen Tracer und spezielles Handgel. Letzteres soll sichtbar machen, welche Flächen oft angefasst werden. Bildrechte: dpa
22.08.2020, Sachsen, Leipzig: Franziska Brauer (l) und Doreen Linke, Probandinnen aus Sachsen und Sachsen-Anhalt, zeigen sogenannte "Tracer", die bei dem Großversuch der Universitätsmedizin Halle/Saale eingesetzt werden und Wege verfolgen können.
Mit den Tracern sollen die Wege der Konzertbesucher und ihr Abstand untereinander nachvollzogen werden ... Bildrechte: dpa
Studie Restart-19 in der Arena Leipzig
... das funktioniert mithilfe dieser sogenannten Anker. Die schwarzen Geräte empfangen die Signale der Tracer. Bildrechte: MDR/Barbara Brähler
Teilnehmer der Restart-19-Studie in der Arena Leipzig
Diese beiden Teilnehmerinnen sind extra aus München angereist. In der Hand halten sie ihre Tickets und das fluoreszierende Handgel. An den blauen Bändern um ihre Hälse hängen die Abstandstracer. Bildrechte: MDR/Barbara Brähler
22.08.2020, Sachsen, Leipzig: Probanden eines Groߟversuchs der Universitätsmedizin Halle/Saale stehen am Einlass vor der Arena Leipzig.
Dann geht es los: Wie bei einem regulären Konzert werden am Einlass die Tickets kontrolliert. Im Laufe des Tages sollen drei verschiedene Szenarien durchgespielt werden. Bildrechte: dpa
Menschen mit Mund-Nase-Schutz sitzen in der Arena Leipzig.
Bevor das erste Konzert beginnt, werden einige Teilnehmer noch umgesetzt. Die Menschen sollen möglichst dicht sitzen, um ein reales Szenario darzustellen. Bildrechte: MDR/Barbara Brähler
Konzert-Studio mit Tim Bendzko in der Arena Leipzig
Dann beginnt das Konzert mit einer Stunde Verzögerung. Bildrechte: MDR/Barbara Brähler
Der deutsche Popsänger Tim Bendzko (M) tritt während eines Großversuchs der Universitätsmedizin Halle/Saale in der Arena Leipzig mit einer Band auf
Tim Bendzko begeistert das Publikum, berichtet eine MDR-Reporterin. Bildrechte: dpa
Nebel steigt in den leeren Rängen der Arena Leipzig auf.
Um die Ausbreitung von unsichtbaren Aerosolen deutlich zu machen, werden Nebelmaschinen eingesetzt. Der Nebel soll die kleinen Bestandteile der Atemluft simulieren. Bildrechte: MDR/Barbara Brähler
Ein Handballer.
SC DHfK-Spieler Patrick Wiesmach hofft, dass seine Mannschaft mithilfe der Studie künftig wieder vor Publikum spielen kann. Bildrechte: MDR/Barbara Brähler
Teilnehmerin der Konzert-Studio mit Tim Bendzko in der Arena Leipzig
Studienteilnehmerin Caroline Neuber hat das erste Konzert genossen. Sie fand den 20-minütigen Auftritt von Tim Bendzko schön. Bildrechte: MDR/Barbara Brähler
Iris Rackwitrz, Eventmanagerin der Arena Leipzig
Iris Rackwitz ist Eventmanagerin in der Arena Leipzig und froh darüber, dass endlich wieder Menschen in der Halle sind: "Zum ersten Mal seit März ist hier wieder Leben in der Halle – ein unglaubliches Gefühl!" Bildrechte: MDR/Barbara Brähler
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Großveranstaltungen in Corona-Zeiten?

Ziel des Live-Konzerts war es herauszufinden, ob und wie Großveranstaltungen auch unter Pandemie-Bedingungen stattfinden können und wie groß das Ansteckungsrisiko dabei ist.

Über den Tag verteilt wurden drei verschiedene Szenarien simuliert: eine Konzert-Situation wie vor der Corona-Pandemie, eine mit geringem Abstand - und eine mit dem derzeit geltenden Mindestabstand von 1,50 Metern. Auch in Sachen Besuchereinlass wurde entsprechend variiert. Mal durften sich die Besucher wie in Vor-Corona-Zeiten frei in der Halle bewegen, mal mussten sie direkt den ihnen zugewiesenen Platz aufsuchen.

Damit nichts schiefgeht wurde im Vorfeld ein umfassendes Hygienekonzept entwickelt: Am Eingang wurde Fieber gemessen, die Besucher trugen während der gesamten Veranstaltung FFP2-Masken und - um die Abstände zu messen - einen sogenannten Tracer. Zudem sollte mithilfe eines fluoreszierenden Desinfektionsmittels herausgefunden werden, welche Flächen häufig berührt werden. Ziel der Wissenschafter ist es, ein mathematisches Modell zu entwickeln, das das Risiko eines Corona-Ausbruchs bei Großveranstaltungen errechnet.

1.500 statt 4.200 Konzert-Besucher

Ursprünglich war die Test-Veranstaltung mit 4.200 Besuchern geplant. Angemeldet hatten sich fast 2.000 Besucher, gekommen sind letztlich rund 1.500. Die einen, um Tim Bendzko (kostenfrei) live zu erleben, andere, um einen Beitrag zur Corona-Forschung zu leisten. Denn Großveranstaltungen, welcher Art auch immer, die fehlen vielen Menschen.

Entsprechend bunt gemischt war auch das Publikum beim Experiment in Leipzig. Teilnehmen durfte jeder, der zwischen 18 und 50 Jahre alt ist - und unter keinen Vorerkrankungen leidet. Im Vorfeld waren die Probanden auf das Coronavirus getestet worden. Dabei wurde lediglich eine Infektion festgestellt - und die betroffene Person von der Veranstaltung ausgeschlossen.

Erste Studienergebnisse in sechs Wochen

Dass sich letztendlich "nur" 1.500 Menschen dem Live-Konzert und "Experiment" gestellt haben, ist für die Forscher des Uniklinikums Halle-Wittenberg kein Problem. Die erfasste Datenmenge sei ausreichend, bestätigt Stefan Moritz, Leiter der Studie. Und die soll bereits bis Ende Oktober fertig sein. Dann werden wir mehr darüber wissen, wie es mit Großveranstaltungen weitergehen kann. Was wir jetzt schon wissen: Dass man auch mit Abstand und Maske feiern und Spaß haben kann. Das haben die Konzertbesucher in Leipzig eindrucksvoll bewiesen.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 23. August 2020 | 17:00 Uhr

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