FIFA WM 2022 Mitmachen oder boykottieren? So stehen die Promis zur WM in Katar

Die FIFA WM 2022 in Katar ist mehr als umstritten. Wegen der Menschenrechtsverletzungen, der Ausbeutung von Gastarbeitern und der Homophobie im Wüstenstaat wollen zahlreiche Promis das Fußballfest boykottieren. Unterdessen verdienen sich ihre Kollegen mit Werbung für und Auftritten in Katar eine goldene Nase.

Rod Stewart
In Katar zur WM-Eröffnungsshow auftreten? Das will Rod Stewart nicht mal für eine Millionen-Gage. Bildrechte: dpa

20. November geht's los mit der FIFA WM 2022 in Katar. Und selten ist vor dem Fußballfest so viel über Moral und Haltung diskutiert worden wie in diesem Jahr. Schon vor dem Anpfiff steht fest: Die WM 2022 ist die wohl umstrittenste Weltmeisterschaft der Geschichte.

Berichte über Menschenrechtsverletzungen, Ausbeutung, Tausende Todesfälle beim Stadionbau und Korruptionsvorwürfe werfen kein gutes Licht auf das Gastgeberland Katar. Zuletzt haben schwulenfeindliche Äußerungen eines Katar-Botschafters für einen Aufschrei gesorgt: Homosexuelle hätten einen "geistigen Schaden".

Mega-Gage als WM-Gesicht: David Beckham sahnt ab

Trotzdem hinfahren und den Nationalspielern zujubeln? Eine Frage, die Fans und Promis gleichermaßen umtreibt. Zumal die WM für letztere ein lukratives Geschäft ist.

Wie zum Beispiel für Ex-Fußballprofi David Beckham, der als Katar-Botschafter und Gesicht der WM mit angeblich 150 Millionen Pfund entlohnt worden ist. Eine Gage, für die er reichlich Kritik einstecken muss.

Ebenfalls üppige Gagen dürften die US-Stars Mariah Carey, Jon Hamm, Ellie Kemper und Tom Brady erhalten haben, als sie ihr Gesicht für WM-Werbe-Spots zur Verfügung stellten. Ihre US-amerikanischen Fans reagierten darauf vergleichsweise milde. Kritik gab es nur vereinzelt.

Weltmeisterschaft ist Weltmeisterschaft: Robbie Williams will nach Katar

Fragen nach seiner Moral muss sich dagegen Robbie Williams stellen, seit die britische "Sun" erfahren haben will, dass der Sänger zur Eröffnungsshow der Weltmeisterschaft am 20. November im Al-Bayt-Stadion spielen wird.

Einen möglichen Auftritt hatte Robbie Williams im Interview mit dem italienischen Magazin "il Venerdi" verteidigt: "Es wäre scheinheilig, wenn ich absagen würde", so der ehemalige Take That-Star. "Wenn wir Menschenrechtsverletzungen überall missbilligen würden, wäre das die kürzeste Tour, die die Welt je gesehen hat. Ich würde nicht mal in meiner eigenen Küche auftreten können."

Wie sich zeigte, zählte Robbie Williams nicht zu den Live-Acts der Eröffnungsfeier. Er machte aber bereits klar, dass er die WM zumindest als Fußballfan verfolgen wird. Von moralischen Bedenken keine Spur.

Die Weltmeisterschaft ist die Weltmeisterschaft. Wenn Sie jemandem die Schuld für die Geschehnisse bei der Weltmeisterschaft geben wollen, dann der FIFA. Aber ich will Fußball sehen. Ich würde mich nicht für ein Regime oder seine Leute entscheiden. Ich bin in erster Linie ein riesiger Fan des Fußballs.

Robbie Williams dpa

Robbie Williams
Trat bereits zur WM-Eröffnung in Russland im Jahr 2018 auf: Wird Robbie Williams auch in Katar spielen? Bildrechte: dpa

Voller Vorfreude: Eröffnungs-Act Jung Kook von BTS

Zur Eröffnungszeremonie performte stattdessen Sänger Jung Kook, Mitglied der koreanischen Popband BTS. Über Twitter gab die Band bekannt, dass sie "stolz" sei, Jung Kooks Auftritt bei der Eröffnungszeremonie ankündigen zu können. Der Post erhielt zahlreiche negative Kommentare von Fans. 

Als Gaststar begrüßte Jung Kook am Sonntag den katarischen Sänger Fahad Al Kubaisi auf der Bühne. Zusammen sangen sie den offiziellen WM-Song "Dreamers".

Mit Hollywood-Schauspieler Morgan Freeman konnte die FIFA einen weiteren Weltstar gewinnen. Morgan Freeman moderierte die Eröffnung.

Außerdem aufgetreten sind die kanadische Schauspielerin und Sängerin Nora Fatehi, die aus Abu Dhabi stammende Sängerin Balqees sowie die irakische Sängerin Rahma Riad.

Sir Rod Stewart sagt nein danke

Eine klare Absage für den Eröffnungs-Act gab es dagegen von Rod Stewart. Das Angebot, für mehr als eine Million Dollar aufzutreten, habe er bereits vor 15 Monaten abgelehnt. Der "Sunday Times" nennt er den Grund dafür:

Es ist nicht richtig, zu gehen.

Rod Stewart Sunday Times

Eine Haltung, die er mit anderen prominenten Briten teilt: Auch Prinz William, Elton John, Ex-Stürmer Gary Lineker und Spice-Girl Mel C wollen mit der diesjährigen WM nichts zu tun haben.

Der britische Prinz William, Herzog von Cambridge, seine Frau Kate, Herzogin von Cambridge, und ihr Sohn Prinz George stehen auf der Tribüne und feiern ein Tor für England.
Hatten bei der EM 2020 viel Spaß im Stadion: Prinz William, Herzogin Kate und Prinz George. Katar ist für die Royals kein Thema. Bildrechte: dpa

Sängerin Dua Lipa dementiert Auftritts-Gerüchte

Ähnlich hält es Dua Lipa, die sich erst kürzlich zu dem Gerücht geäußert hat, dass sie bei der Eröffnungszeremonie spielen würde. In einer Instagram-Story stellt die Sängerin klar, dass das nicht der Fall sei - und sie zu keiner Zeit Verhandlungen dazu geführt hätte. Nach Katar will Dua Lipa erst dann fahren, wenn die Regierung Katars ihre nach der WM-Zusage gemachten Versprechungen umgesetzt hat.

Ich freue mich darauf, Katar zu besuchen, wenn es alle Menschenrechtsversprechen erfüllt, die es versprochen hat, als es die Zusage bekam, die Weltmeisterschaft ausrichten zu dürfen.

Dua Lipa Instagram

Dua Lipa
Will erst dann nach Katar reisen, wenn das Land seine Versprechen eingelöst hat: Sängerin Dua Lipa. Bildrechte: dpa

Sportfreunde Stiller reicht Boykott nicht aus

Einen Schritt weiter gehen die Sportfreunde Stiller - eigentlich bekennende Fußball-Fans, die in der Vergangenheit mit so mancher Fußball-Hymne punkten konnten. Ein Boykott der Spiele reicht der deutschen Band nicht aus. Zumal wenn nicht alle mitmachen.

Die Zahl der Menschen und Einrichtungen, die die Weltmeisterschaft in Katar kritisch sehen, wächst unterdessen stetig. In Deutschland haben viele Kneipen angekündigt, dieses Jahr kein Public Viewing oder öffentliche Veranstaltungen zu planen.

BRISANT/dpa/bluewin.ch

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 15. November 2022 | 17:00 Uhr

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