Urteil Quarantäne trotz Corona-Schutzimpfung verpflichtend

Ob man sich trotz erfolgter Corona-Schutzimpfung mit dem Coronavirus anstecken und es weitertragen kann, ist bislang nicht geklärt. Deshalb sind auch geimpfte Menschen dazu verpflichtet, sich in Quarantäne zu begeben, wenn sich ein Mitglied des Haushalts mit dem Virus infiziert hat.

Stempel mit dem Schriftzug Quarantäne
Trotz vollständiger Corona-Schutzimpfung kann man als ansteckungsverdächtig gelten. Dann ist es verpflichtend, sich in häusliche Isolation zu begeben. Bildrechte: dpa

Auch wer gegen das Coronavirus geimpft ist, muss in Quarantäne, wenn sich ein Familienmitglied oder ein anderer Mitbewohner im Haushalt infiziert hat. Das hat das Verwaltungsgericht in Neustadt an der Weinstraße entschieden.

Der Grund: Bisher lägen keine ausreichenden Belege dafür vor, dass Menschen mit vollständigem Impfschutz nicht infektiös erkrankten, argumentierten die Richter. Deshalb seien bisher keine Ausnahmen für Geimpfte vorgesehen.

Geimpfte Eltern müssen sich wegen infizierter Tochter isolieren

Im konkreten Fall hatte ein Ehepaar, das eine Arztpraxis in der Vorderpfalz betreibt, gegen eine bis 18. März verordnete Quarantäne geklagt. Anfang März hatte sich die Tochter des Paares mit dem Virus angesteckt. Deshalb sollten sich auch die Eltern in den eigenen vier Wänden isolieren. Diese wehrten sich dagegen.

Ihre Argumentation vor Gericht: Das Arzt-Ehepaar war im Januar und Februar gegen das Coronavirus geimpft worden. Zudem habe sich die Tochter in Isolation begeben und lebe alleine in einer Etage des Hauses. Diverse PCR-Coronatests und Schnelltests waren bei dem Paar negativ ausgefallen. Daher sei die Verfügung zur Quarantäne rechtswidrig gewesen.

Trotz Corona-Schutzimpfung ansteckungsverdächtig

Die Richter lehnten den Eilantrag ab. Die Einordnung der beiden Mediziner als Ansteckungsverdächtige sei durch die erfolgte Corona-Impfung nicht aufgehoben. Denn bislang gebe es keine ausreichenden Belege dafür, dass Menschen mit vollständigem Impfschutz nicht auch infektiös erkranken könnten. Somit sei davon auszugehen, dass beide Mediziner Krankheitserreger aufgenommen hätten.

RKI empfiehlt häusliche Isolation auch bei negativem Corona-Test

Auch das Argument, dass mehrere Corona-Tests vorgenommen und negativ ausgefallen seien, überzeugte die Richter nicht. Sie beriefen sich auf das Robert Koch-Institut, das sich dagegen ausspricht, die empfohlene 14-tägige häusliche Isolation zu verkürzen.

Grund dafür sei die "beobachtete Zunahme der besorgniserregenden Sars-CoV-2-Varianten". Dazu fehlten gegenwärtig noch Daten und Erfahrungen.

Noch nicht alle Rechtsmittel ausgeschöpft

Ist das betroffene Ehepaar mit dem Beschluss nicht einverstanden, kann es jetzt Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz einlegen.

dpa

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 17. März 2021 | 17:15 Uhr

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