Umschau-Quicktipp | 12.02.2018 Faschingsmythen: Was ist erlaubt, was nicht?

Ausgelassene Närrin beim Faschingsumzug
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Karneval, Fasching oder Fastnacht, die drei Begriffe stehen für die närrische fünfte Jahreszeit. Von den einen ignoriert, von anderen heißgeliebt: Gerade jetzt kann man doch dem Affen mal so richtig Zucker geben, die Sau rauslassen und feiern, bis der Arzt kommt. An Fasching ist schließlich alles erlaubt, oder etwa nicht? Wir gehen den größten Faschingsirrtümern nach.

Weiberfastnacht: Darf jede Krawatte abgeschnitten werden?

Eine Närrin schneidet der Tradition gemäß, mit einer Schere einem Herren den Schlips ab
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Am Donnerstag vor Rosenmontag findet mit dem Übergang vom Sitzungs- zum Straßenkarneval die Weiberfastnacht statt. Symbolisch wird dabei die Macht der Männer, in früheren Zeiten Bürgermeister und Ratsherren, abgeschnitten - die Krawatte muss dran glauben. In Karnevalshochburgen dürfen Sie als Frau mit Schere bewaffnet ins Büro ziehen und den Chef oder die Kollegen derart beschneiden. „In Köln oder Mainz ist das tatsächlich ins Brauchtum übergegangen, da müssen Männer, die an diesem Tag mit Krawatte im Büro erscheinen, mit so einer Aktion rechnen“, erläutert Rechtsanwalt Prof. Markus Heinker. Anders sieht das in Regionen aus, in denen Karneval keine große Rolle spielt. Wenn Sie einem Mann, der damit nicht rechnet oder das nicht möchte, an diesem Tag einfach so die Krawatte abschneiden, ist das rechtlich gesehen eine Sachbeschädigung. Unser Experte rät deswegen: „Holen Sie sich im Zweifel lieber das Einverständnis!“ - auch wenn das vielleicht nicht mehr so spontan und lustig ist.

Verkleidet zur Arbeit

Das ist an den heißen Tagen des Karnevals, wie 11.11., Weiberfastnacht oder auch Rosenmontag kein Problem. Ihr Kostüm darf Sie nur nicht an der korrekten Ausübung Ihrer Arbeit behindern. Tragen Sie zum Beispiel Arbeitssachen oder gar Uniform, an denen Sie für andere zu erkennen sein müssen, dann ist Verkleidung tabu. Auch an Stellen, an denen Sie die Firma seriös nach außen vertreten und zum Beispiel Kundenkontakt haben, sollten Sie das Kostüm weglassen. Der Bankangestellte im Büro kann sich also im Prinzip verkleiden, am Schalter verbietet sich das. Das Kostüm darf auch kein Risiko für Ihre Arbeit und Sicherheit darstellen. Tragen Sie im Normalfall spezielle Schutzkleidung, dann dürfen Sie die nicht durch das Kostüm ersetzen. Auch gegen eine Luftschlange am Monitor oder ähnliche Faschingsdekoration wird niemand etwas einwenden, solange der normale Arbeitsablauf dadurch nicht behindert wird. Fragen Sie im Zweifel den Betriebsrat oder Chef!

Ein Küsschen in Ehren sollten Sie sich auf Arbeit verkneifen

Auch wenn das Küssen - oder Bützchen geben, wie es im Rheinland heißt - vielerorts zur Karnevalstradition gehört, am Arbeitsplatz lassen Sie es lieber sein. Angesichts der aktuellen Sexismus-Debatte kann wildes Drauflosgeknutsche schnell nach hinten losgehen. Treffen Sie sich mit Kollegen auf einer Faschingsparty und sind die anderen klar erkennbar mit einem Küsschen auf die Wange einverstanden, kein Problem.

Alkohol auf Arbeit...

Männer und Frauen stoßen mit Sektgläsern an
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...ist absolut tabu. Nur wenn der Chef ausdrücklich auf ein Glas Sekt einlädt und Sie danach nicht mehr arbeiten müssen, können Sie in Maßen zugreifen. Professionell ist das allerdings in keinem Fall.

Mit Maske Auto fahren

Bei einer Demonstration gilt in Deutschland Vermummungsverbot, beim Autofahren nicht. Dazu unser Experte: „Das ist europaweit einzigartig, aber Sie dürfen tatsächlich mit Karnevalsmaske am Lenker sitzen und fahren.“ Werden Sie in Kostüm und Maske geblitzt und verweigern die Aussage darüber, wer zum fraglichen Zeitpunkt am Lenker saß, dann haben Ordnungsamt und Polizei für dieses Mal Pech. „Sie müssen dann aber damit rechnen, dass Ihnen auferlegt wird, für ein halbes Jahr ein Fahrtenbuch zu führen, da Sie offensichtlich nicht immer kontrollieren können, wer wann Ihr Fahrzeug führt“, so Prof. Heinker. Für eine Privatperson mag das nicht so problematisch sein. Sollten Sie allerdings mit einem Firmenfahrzeug erwischt werden und hat die Firma einen größeren Fuhrpark, dann kann diese Auflage auch für alle Fahrzeuge gelten.         

Einmal Polizist sein

Karnevalistenpaar im FBI Kostüm
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Diesen Wunsch können Sie sich gerne zum Fasching erfüllen. Allerdings sollte das Kostüm sich deutlich von einer echten Polizeiuniform unterscheiden. „Wenn Sie ein täuschend echtes Kostüm tragen  und dann vielleicht noch in der Öffentlichkeit Polizist spielen, dann ist das Amtsanmaßung und das kann bestraft werden“, warnt Rechtsanwalt Heinker. Es muss also immer klar erkennbar sein, dass Sie nur ein Kostüm tragen. Auch eine Spielzeugpistole, die täuschend echt aussieht, sollten Sie nicht öffentlich tragen.

Betrunken nach Hause laufen

Irgendwann ist die schönste Feier zu Ende. Sollten Bus und Bahn nicht mehr fahren und Sie klugerweise Auto oder Fahrrad stehen lassen, müssen Sie im öffentlichen Verkehrsraum laufen. Verhalten Sie sich dabei unauffällig und gefährden andere nicht, ist das kein Problem. Fallen Sie allerdings mehrfach stark alkoholisiert als Fußgänger auf, dann kann die Polizei von Ihnen einen sogenannten Idiotentest fordern. Sollten Sie dazu nicht bereit sein, kann Ihnen der Führerschein entzogen werden. 

Party ohne Ende?

Egal ob Karneval oder nicht, ab 22.00 Uhr müssen Sie als Privatperson die Lautstärke auf Ihrer Party so einstellen, dass Nachbarn nicht gestört werden und in Ruhe schlafen können. Für Kneipen, Restaurants und öffentliche Veranstalter können gerade zu Fest- und Feiertagen andere Regeln gelten.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP am Vormittag | 12. Februar 2018 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Februar 2018, 11:11 Uhr