Transportbox für eine Niere bei einer Nierentransplantation.
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Ratgeber Organspende: Das sollten Sie wissen

BRISANT | 08.11.2018 | 17:15 Uhr

Organspenden haben im vergangenen Jahr in Deutschland mehr als 3.000 Leben gerettet. Doch noch immer stehen Tausende Patienten auf den Wartelisten. Lesen Sie hier zum Tag der Organspende, was Sie wissen sollten, bevor Sie sich entscheiden.

Transportbox für eine Niere bei einer Nierentransplantation.
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Seit Inkrafttreten des Transplantationsgesetzes von 2012 gelten in Deutschland für Krankenhäuser und Versicherer schärfere Regeln. So müssen Krankenhäuser mit Intensivstationen sogenannte Transplantationsbeauftragte bestellen, die für die Koordination der Organspende und Beratung der Angehörigen zuständig sind. Zudem sind Transplantationszentren seitdem verpflichtet, der Prüfungskommission der Bundesärztekammer alle Unterlagen vorzulegen. Auch Lebendspender betrifft das Gesetz. Sie haben damit Anspruch auf eine sechswöchige Lohnfortzahlung, profitieren von einem erweiterten Unfallversicherungsschutz und können Ansprüche gegenüber der Krankenkasse des Organempfängers erheben.

Ein Spender, sieben Leben

Zu den Organen, die sich für eine Spende eignen, zählen Herz, Leber, Lunge, Nieren, Bauchspeicheldrüse und Dünndarm. Nach Angaben von Experten kann ein Spender damit theoretisch sieben Menschenleben retten. Zudem lassen sich noch weitere Bestandteile des Körpers entnehmen, darunter Herzklappen, Augenhornhaut, Teile der Haut, Teile der Blutgefäße, Knochengewebe, Knorpelgewebe sowie Sehnen. Zum Teil werden diese Gewebespenden zur Herstellung von Arzneimitteln bzw. in der Schönheitschirurgie verwendet. Wer das für sich ausschließen möchte, sollte dies auf dem Organspendeausweis vermerken.

Immer dabei: der Ausweis

Themenbild Organspende mit Spendeausweis
Auf dem Organspendeausweis kann man einer Spende nicht nur zustimmen, sondern auch widersprechen. Bildrechte: IMAGO

Organspendeausweise sind kostenlos bei Krankenkassen, in ausgewählten Arztpraxen und Apotheken erhältlich, können aber auch aus dem Netz heruntergeladen werden, beispielsweise auf der Seite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Auf dem Ausweis kann man sein Einverständnis zur Organ- und Gewebespende generell erteilen, auf bestimmte Organe oder Gewebe einschränken oder einer Spende ganz und gar widersprechen. Bereits Minderjährige dürfen einen Organspendeausweis besitzen. Ab dem 14. Geburtstag kann man einer Organ- bzw. Gewebeentnahme widersprechen, ab dem 16. Geburtstag darf man sich dazu bereiterklären. Für Kinder unter vierzehn Jahren entscheiden in jedem Falle die Eltern.

Wichtig: Wer seine Einstellung zwischenzeitlich ändert, muss die alte Erklärung vernichten und ein neues Dokument ausfüllen. Egal, wofür man sich entscheidet: Man sollte den Ausweis möglichst immer bei sich tragen. Die Daten sind an keiner offiziellen Stelle registriert oder hinterlegt.

Fehlt der Ausweis, gilt in Deutschland die sogenannte erweiterte Zustimmungsregelung: Danach müssen im Falle eines Hirntods die Angehörigen im Sinne des Betroffenen für oder gegen eine Organspende entscheiden.

Hirntod Voraussetzung für die Organentnahme

Neben der vorliegenden Zustimmung des Patienten bzw. seiner Angehörigen zu einer Organ- bzw. Gewebeentnahme muss laut Transplantationsgesetz eine zweite Voraussetzung erfüllt sein: Der Hirntod des Patienten muss festgestellt sein. Die Diagnose bedeutet den unumkehrbaren Ausfall der Funktionen von Großhirn, Kleinhirn und Hirnstamm. Herz- und Kreislauffunktionen des Patienten werden dabei künstlich aufrechterhalten. Nur in wenigen Fällen tritt der Hirntod vor dem Herzstillstand ein; die meisten Fälle von Hirntod treten durch Hirnblutungen, Schädel-Hirn-Traumata oder Hirntumore auf.

Die Feststellung des Hirntods erfolgt nach den Richtlinien der Bundesärztekammer. Dabei muss der Patient unabhängig voneinander durch zwei erfahrene Ärzte untersucht werden. Beide dürfen weder an der Entnahme noch an der Weitergabe der Organe beteiligt sein.

Organspende: Erkunden Sie, welche Organe transplaniert werden können!

Eurotransplant vermittelt die Organe international

Ist der Hirntod bei einem Patienten eingetreten und entsprechend bestätigt und liegt zudem eine Einwilligung zur Organspende vor, werden zuallererst Blutgruppe und Gewebemerkmale des Spenders untersucht - Grundlage für eine erfolgreiche Weitervermittlung der entnommenen Organe. Zudem muss ausgeschlossen werden, dass eine akute Krebserkrankung bzw. HIV-Infektion vorlag, die den Organempfänger gefährden könnte.

Ein Koordinator des Krankenhauses übermittelt die Daten des Spenders an die Vermittlungsstelle Eurotransplant, eine gemeinnützige Organisation, die den internationalen Austausch von Organen vermittelt und koordiniert. Hier werden die Daten und Werte des Spender mit denen potenzieller Empfänger auf einer Warteliste abgeglichen.

Während der Explantation entscheiden die Ärzte, ob Lunge, Herz oder Leber tatsächlich zur Transplantation geeignet sind. Anschließend werden die Organe sorgfältig verpackt und zu den entsprechenden Transplantationszentren gebracht. Nach der Spende wird der Verstorbene für eine Aufbahrung vorbereitet und kann anschließend bestattet werden.

Blick auf eine Operation
Vor einer Transplantation werden zum Schutz des Empfängers akute Krebserkrankungen bzw. HIV-Infektionen ausgeschlossen. Bildrechte: colourbox

Stichwort: Organspende Nach Angaben der Deutschen Stiftung Organspende (DSO) warten in Deutschland derzeit mehr als 10.000 Menschen auf ein Spenderorgan, 8.000 allein auf eine neue Niere. Diese Zahlen sind seit Jahren mehr oder weniger konstant. Alle acht Stunden stirbt ein Patient, der mit einem passenden Organ unter Umständen weiterleben könnte. Von den rund 400.000 Menschen, die laut DSO jährlich in deutschen Krankenhäusern sterben, erliegt jedoch nur etwa ein Prozent dem Hirntod und erfüllt somit die Grundvoraussetzung für eine Organspende.

Skandale erschütterten das Vertrauen Wegen zahlreicher Transplantations-Skandale in den Jahren 2012 und 2013 an verschiedenen Kliniken war die Bereitschaft zur Organspende bundesweit gesunken. Zumeist waren einzelne Empfänger auf Wartelisten bevorteilt worden. Viele der potentiellen Spender vertrauten deshalb den Ärzten und Kliniken nicht mehr. Verschiedene Maßnahmen wurden beschlossen, um Manipulationen vorzubeugen. Mittlerweile verzeichnet das Transplantationsprogramm wieder steigende Zahlen.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 08. November 2018 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. April 2015, 18:09 Uhr

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