Umweltschutz Abfüllen im großen Stil: Rossmann und dm testen Zapfstationen

Waschmittel, Spülmittel, Duschbad und Shampoo - in unseren Haushalten türmen sich die Plastikflaschen. Jetzt bieten die Drogeriemarktkonzerne Rossmann und dm genau diese Produkte kostengünstig zum Selbstabfüllen an. Vorerst allerdings nur in einigen wenigen Filialen in Tschechien. Was bringt das - und wie kann man außerdem seinen Plastikmüll reduzieren?

Bio Spül- und Waschmittel des österreichischen Herstellers Planet Pure stehen während der Öko-Fachmesse Biofach am Stand des Unternehmens an einer Abfüllstation.
Präsentation einer Abfüllstation auf der Öko-Fachmesse Biofach in Nürnberg. Bildrechte: dpa

Unverpackt-Läden, Milchtankstellen, essbares Partygeschirr - die Versuche, unseren Haus- und Verpackungsmüll zu reduzieren sind zahlreich. Meist ist es nicht das einfache Lebensmittel zum Discount-Preis, das es ohne lästige Plastikverpackung zu kaufen gibt. Frei nach dem Motto weniger ist mehr, müssen Verbraucher tiefer in die Tasche greifen, wenn sie auf überflüssige Umverpackungen verzichten möchten. Das könnte sich ändern.

Eine Kundin beim Einkaufen von unverpacken Lebensmitteln
Der Einkauf unverpackter Lebensmittel ist möglich - bislang aber nur bedingt in Discountern möglich. Bildrechte: imago/Michael Schick

Erstmals Abfüllstationen in großen Drogeriemarktketten

Mit dm und Rossmann testen jetzt zwei der größten Drogeriemarktketten Europas die Einführung von Abfüllstationen. In einigen Filialen in Tschechien und Prag bieten beide Unternehmen diesen Service für bestimmte Produkte bereits an. Noch wird beobachtet, wie der Umweltgedanke beim Kunden ankommt - danach soll sich entscheiden, ob die innovativen Konzepte künftig für sämtliche europäischen Filialen umgesetzt werden. Die Verbraucher fänden's gut, das hat auch eine Umfrage von BRISANT.DE gezeigt.

Rossmann: Drogerie ohne Verpackung

Drogerie ohne Verpackung - so heißt das Pilotprojekt, das Drogerie-Konzern Rossmann derzeit in zehn tschechischen Filialen testet. An einer etwa einen Meter langen Zapfstrecke, können sich Kunden acht verschiedene Produkte - vom Wasch- und Spülmittel bis hin zu Shampoo und Duschgel - selber zapfen. Vorerst stammen die ausschließlich vom Hersteller Henkel und sind die jeweils bestverkauften ihrer jeweiligen Kategorie.

Der Wermutstropfen: Das selbst abgefüllte Produkt ist nicht günstiger als das in der Plastikverpackung verkaufte. Außerdem müssen sich Kunden, die selber abfüllen möchten, beim ersten Mal eine leere Plastikflasche kaufen. Die schlägt momentan mit 80 Cent pro Stück zu Buche. Und: Etwas Zeit mitbringen sollte man auch. Denn natürlich dauert es einige Minuten länger, sich ein gewünschtes Produkt abzufüllen, anstatt eine fertig konfigurierte Flasche aus dem Regal zu nehmen.

dm: Ökokosmetik zum selbst Abfüllen

Parallel dazu hat auch Drogeriemarkt-Konkurrent dm nach ersten Tests in Österreich in vier Prager Verkaufsstellen Zapfstationen eingerichtet. Im Laufe des Jahres soll das Projekt auf 16 Filialen ausgeweitet werden. Anders als bei Rossmann, werden an den dm-Abfüllstationen die Produkte einer Öko-Kosmetikserie angeboten.

29 Millionen Kilo Plastik weniger?

Konkrete Zahlen, wie das Abfüllsystem bei den Kunden ankommt, gibt es vorerst nicht. Wohl aber darüber, wieviel Müll eingespart werden könnte. Laut einer Statistik des Industrieverbands Körperpflege und Waschmittel werden in Deutschland pro Jahr allein 262.240 Tonnen flüssiges Waschmittel verkauft. Die übliche Packungsgröße beträgt 1,5 Liter. Eine leere Flasche wiegt durchschnittlich 165 Gramm. Alle in Deutschland pro Jahr verkauften Waschmittelflaschen zusammengenommen machen demnach fast 29 Millionen Kilo Plastik aus. Eine Zahl, die so manchen Verbraucher durchaus zum Umdenken bewegen könnte und sollte.

Was kann ich tun, um Verpackungsmüll zu verringern?

Mülltrennung ist wichtig. Noch wichtiger ist es, Müll im Vorfeld zu vermeiden. Denn: Recycling ist immer nur zu einem gewissen Grad möglich. Doch es gibt zahlreiche Möglichkeiten, das eigene Leben ein wenig umweltfreundlicher zu gestalten.

Plastikmüll im Alltag vermeiden: So einfach geht's!

Zugegeben, manchmal bereitet es etwas Mühe, daran zu denken: Einkaufsnetz, Frischhalteboxen & Gemüsenetze. Doch auf ein Jahr gerechnet, kann man damit jede Menge Plastikmüll vermeiden. Ein Aufwand, der es wert ist!

Eine Hand hält ein Einkaufsnetz
Wer beim Einkauf die eigene Tasche vergessen hat, muss für seine Tüte - egal ob aus Papier oder Plastik - bezahlen. Das ist gesetzlich geregelt. Deshalb: Immer schön ans gute alte Einkaufsnetz denken! Bildrechte: imago/Petra Schneider
Eine Hand hält ein Einkaufsnetz
Wer beim Einkauf die eigene Tasche vergessen hat, muss für seine Tüte - egal ob aus Papier oder Plastik - bezahlen. Das ist gesetzlich geregelt. Deshalb: Immer schön ans gute alte Einkaufsnetz denken! Bildrechte: imago/Petra Schneider
Mehrweg-Frischenetze
Nicht nur das Einkaufsnetz, auch ein so genanntes Mehrweg-Frischenetz für den Kauf von Obst und Gemüse sollte man immer dabei haben. Bildrechte: imago images / Karina Hessland
Pfand-Kisten in einem Edeka Frischecenter
Fällt der Einkauf ungeplant etwas größer aus - oder hat man in der Hektik die eigene Tasche vergessen, bieten viele Supermärkte zum sicheren Transport Pfandkisten an. Bildrechte: imago images / biky
Eine Kundin beim Einkaufen von unverpacken Lebensmitteln
Unverpackt-Läden gibt es schon in vielen Städten. Wer dort einkauft, bringt sich seine Verpackung selbst mit. Bildrechte: imago/Michael Schick
Mit Bienenwachstüchern kann man Lebensmittel, wie Brot, Obst, Kuchen und Gemüse umweltschonend und hübsch einpacken und lange frisch halten
Alufolie war gestern! Heute wickelt man sein Pausenbrot in ein Bienenwachstuch. Das kann man übrigens ziemlich einfach selbst herstellen. Bildrechte: TOFF & ZÜRPEL/ Nestler & Glandt GbR
Bambus-Kaffee-Becher
Coffee-to-go ist eine feine Sache! Doch wer häufiger darauf zurückgreift, der sollte immer einen Mehrwegbecher in der Tasche haben ... Bildrechte: imago images / Jan Huebner
Einwegbesteck aus Holz
Ab 2021 in der EU verboten: Plastikteller und Einwegbesteck aus Kunststoff. Schon heute gibt es günstige Alternativen aus Palmblättern - oder auch essbare Varianten. Bildrechte: imago/Jochen Tack
Trinkhalm aus Glas in einem Wasserglas
Ebenfalls tabu ab 2021 sind Trinkhalme aus Plastik. Alternativ kann man Strohhalme aus Glas oder Metall nutzen. Ein kleines Bürstchen zur Reinigung gibt's meist inklusive. Bildrechte: imago images/Bernd Friedel
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Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 04. Februar 2020 | 17:15 Uhr

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