Ein abgebrochener Schlüssel
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Ratgeber Abzocke statt Notfallhilfe: So schützen Sie sich!

BRISANT | 14.02.2019 | 17:15 Uhr

Schloss kaputt? Rohr hoffnungslos verstopft? Jetzt muss ein Profi ran! Doch Vorsicht! Unter den Diensten für solche Fälle gibt es einige, die Ihre Not schamlos ausnutzen wollen. So schützen Sie sich vor der Abzocke.

Ein abgebrochener Schlüssel
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Zu hohe Rechnungen, deren sofortige Begleichung oft auf rabiate Weise und nicht selten unter Drohungen erzwungen wird: Immer wieder gehen Beschwerden bei der Verbraucherzentrale ein. Michael Hummel von der Verbraucherzentrale beschreibt, was Menschen dazu bringt, gegen ihren Willen zu bezahlen: "Die persönliche Not und Drucksituation und ein sehr geschickt agierender Dienstleister, der alle Tricks und Kniffe kennt. Den Leuten wird das Geld aus der Tasche gezogen. Die müssen teilweise in bar bezahlen oder den Fernseher oder die Playstation in Zahlung geben." Nicht immer ist man in solchen Situationen solchen unsauberen Mitteln gewachsen. Wer jedoch weiß, mit welchen Tricks und Täuschungen die Abzocker arbeiten, ist besser auf eine Konfrontation vorbereitet – oder hält sich den Ärger von Vornherein vom Leib.

Der Trick mit der örtlichen Nähe

Notfalldienste geben häufig eine Ortsvorwahl an. Oft ist auch noch eine Straße aus dem Dorf oder der Stadt angegeben. Doch in Wahrheit sitzt der Dienst gar nicht in der Nähe. Das Ganze ist nur ein privater Telefonanschluss, über den der Anruf dann in eine weit entfernte Zentrale umgeleitet wird. Der Nothelfer braucht folglich deutlich länger und verlangt für seine Fahrt eine saftige Anfahrtspauschale.

Hier ist die Gesetzeslage eindeutig: Wirbt jemand im örtlichen Telefonbuch, dann muss der Kunde nicht mit einer teuren Anfahrt rechnen. Angemessen sind 10 bis 20 Euro für die Anfahrt aus dem eigenen oder dem Nachbarort. Darauf sollte man im Ernstfall auch beharren.

Tipp: Fragen Sie gleich am Telefon nach, woher der Nothelfer wirklich kommt.

Der A-Trick

In der Not nimmt man den Erstbesten. Das wissen die schwarzen Schafe unter den Notfalldiensten. Um auf alphabetisch angeordneten Auflistungen ganz oben zu stehen, inserieren einige häufig unter einem Namen, der mit möglichst vielen A beginnt. Das heißt natürlich nicht, dass jeder Anbieter mit einem A am Anfang ein Abzocker ist. Aber wenn sich jemand zum Beispiel als "AaaaAa-Dienst" aufführen lässt, dürfen Sie ruhig misstrauisch werden und etwas genauer hinzusehen.

Der "kann es nicht genau sagen"-Trick

Am Ende muss bezahlt werden. Darum ist es sinnvoll, vorher zu fragen, wie viel die Hilfe kosten wird. Hier tricksen einige Firmen, wenn sie vorgeben, den Preis erst vor Ort einschätzen zu müssen. Allerdings haben Sie hier das Gesetz auf Ihrer Seite, konkret das Werkvertrags-Recht. Wird nämlich vorab keine Vergütung vereinbart, gilt immer der ortsübliche Preis. Der liegt zum Beispiel bei einem Schlüsseldienst, der eine nicht zugeschlossene Tür tagsüber an Werktagen zwischen 60 bis 80 Euro, nachts sowie an Sonn- und Feiertagen nachts maximal 150 Euro.

Seriöse Handwerker können in der Regel immer einen Preisrahmen benennen, wenn sie die wichtigsten Dinge zur bevorstehenden Arbeit wissen. Ihnen reichen Anhaltspunkte wie etwa "Schlüssel steckt innen, Tür zugefallen, Tür hat außen einen breiten Rahmen". Vereinbaren Sie am besten vorab am Telefon einen Fixpreis. Mit dem kann man dann auch die Angebote mehrerer Dienste vergleichen.

Falsche Angaben

Manchmal nennen die Anbieter auch einen plausibel klingenden Preis – der sich später nur als Teilpreis herausstellt. Michael Hummel von der Verbraucherzentrale Sachsen nennt ein Beispiel: "Wenn der Schließzylinder gewechselt, wird mir der Schlüsseldienst mitgeteilt, der könne ausgetauscht werden, kostet 30 Euro, denke ich als Verbraucher, das ist in einem nachvollziehbaren Bereich. Was ich nicht weiß: Es ist 30 Euro pro Millimeter gemeint. Und der Zylinder ist meistens 20 Millimeter lang."

Unnötiger Aufwand

Abzockdienste machen oft zu viel und kassieren dafür auch ordentlich ab. Nicht immer ist der hohe Aufwand gerechtfertigt, und oft die Arbeit nicht einmal professionell. Wer etwa eine zugefallene Tür aufbricht, richtet mehr Schaden an, anstatt zu helfen. Echte und seriöse Schlüsseldienst-Profis können zugefallene Türen in der Regel leicht mit etwas Spezialwerkzeug, einer Plastikkarte oder Draht öffnen. Selbst bei einer zugeschlossenen Tür sind, reicht meist ein Wechsel des Schließzylinders. Wenn schwarze Schafe einen besonders hohen Aufwand vortäuschen und zum Beispiel das Schloss aufbrechen, steht Ihnen der Gesetzgeber zur Seite: Wer nämlich jemand seine Leistung falsch erbringt, dann steht ihm laut Werkvertrags-Recht gar kein Lohn zu. Auch für das neu eingebaute Schloss darf der überteuerte Nothelfer nichts verlangen, so die Meinung vieler Juristen. Das Ganze gilt vereinfacht gesagt als Schadensersatz für das unnötig zerstörte alte Schloss.

Ein ausgebautes und in seine Einzelteile zerlegtes Türschloss
Nicht jeder Aufwand ist gerechtfertigt. Bildrechte: IMAGO

Druck machen

Nur was man hat, hat man sicher. Das wissen auch die schwarzen Schafe und verlangen Bares, Kreditkartenzahlung oder Vorkasse. In so einem Fall hat man natürlich schlechte Karten, wenn man im Nachhinein den Preis noch korrigieren will. Daher sollte man immer auf eine Rechnung und eine detaillierte Kostenaufstellung bestehen. Seriöse Handwerker haben damit kein Problem.

Schwarze Schafe dagegen drohen dann schon einmal mit einer Strafgebühr, die angeblich fällig werde, wenn man nicht sofort bar bezahlt. Manche drohen sogar mit der Polizei. Die setzt allerdings für niemanden zivilrechtliche Forderungen durch, treibt auch keinen Lohn für einen Schlüsseldienst ein. Man kann also beruhigt standhaft bleiben, die Vorkasse verweigern und aufs Bezahlen per Rechnung bestehen. Auch Michael Hummel von der Verbraucherzentrale rät, auf keinen Fall zu zahlen.

Wenn ich das Geld rausgegeben habe, ist es leider weg. Wir haben als Verbraucherzentrale in den letzten Monaten eine ganze Reihe von Dienstleistern verklagt, die deutlich über der Wuchergrenze abgerechnet haben. Wir haben bisher nur in einem Fall für den Verbraucher das Geld zurückgeholt. In den anderen Fällen prozessieren wir noch hinterher. Die sind nicht auffindbar, umgezogen, der Gerichtsvollzieher kann nichts holen. Die kennen alle Tricks und Kniffe, um sich dieser Forderung irgendwie zu entziehen.

Michael Hummel | Verbraucherzentrale

Daran erkennen Sie seriöse Notfalldienste

  • Seriöse Notfalldienste haben einen Eintrag im Telefonbuch mit Nummer und voller Adresse.
  • Sie können vorab ungefähr sagen, was der Einsatz kostet und lassen sich auf einen Festpreis ein.
  • Sie weisen auf mögliche Mehrkosten hin, zum Beispiel Nacht-, Wochenend- oder Feiertagszuschläge hin.
  • Sie machen keinen Druck, bar oder per Karte zu bezahlen.
  • Sie lassen sich auf Bezahlung per Rechnung ein.
  • Sie wechseln nicht gleich das Schloss aus, sondern gehen gezielt und materialschonend vor.

So gehen Sie dem Ärger von Vornherein aus dem Weg

Wer gut auf eine Situation vorbereitet ist, wird sie leichter meistern. Das gilt auch für Notfälle wie ein abgerochener Schlüssel oder ein verstopftes Rohr. Damit Sie dann nicht an die Falschen geraten, suchen Sie am besten gleich nach einem zuverlässigen, seriösen und nicht überteuerten Notdienst. Fragen Sie zum Beispiel Freunde, Bekannte oder Kollegen, ob sie mit einem Dienst gute Erfahrungen gemacht haben und lassen Sie sich die Nummer geben. Speichern Sie dann die Nummer für den Ernstfall im Handy oder im Portemonnaie aufbewahren. Dann haben Abzockfirmen bei Ihnen keine Chance.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 14. Februar 2019 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Februar 2019, 12:36 Uhr

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