Löwenzahn
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Expertin gibt Tipps Achtung Pollenflug: Das können Sie tun!

BRISANT | 16.03.2019 | 17:10 Uhr

Obwohl es noch Winter ist, fängt bei von Heuschnupfen geplagten die Nase schon wieder an zu laufen. Was hilft? Eine Expertin der Stiftung Warentest sagt, worauf Pollenallergiker achten sollten.

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Immer mehr Pollen

Pollen sind eigentlich harmlose Pflanzenbestandteile. Bei einigen Menschen verursachen sie jedoch eine Überreaktion des Immunsystems. Der Botenstoff Histamin wird ausgeschüttet und verursacht Entzündungsreaktionen, die dann zu Schnupfen, Husten und tränenden Augen führen. Durch den Klimawandel gibt es immer mehr Pollen, die obendrein auch über einen immer längeren Zeitraum im Jahr in der Luft sind. Hinzu kommt, dass unsere Immunsysteme in Kinderjahren immer weniger Kontakt zu Pollen und anderen allergieauslösenden Stoffen haben. Dadurch wird das Immunsystem auf diese Stoffe nicht trainiert und hält sie später für gefährlich. Immer mehr Kinder bekommen deshalb immer früher Allergien.

Grundsätzliches

Heuschnupfen tritt in unterschiedlichen Stärken auf. Daher gibt es auch unterschiedlich starke Medikamente und Behandlungsmethoden. Grundsätzlich gilt: Wenn es zum ersten Mal auftritt, zum Arzt gehen. Der kann einschätzen und testen, wie stark man betroffen ist. Bei einer leichten Allergie kann es schon reichen, die Belastung durch Pollen zu senken. Dazu sollten Sie:

  • öfter vor dem Schlafengehen die Haare waschen
  • häufiger die Kleidung und das Bettzeug (vor allem das Kopfkissen!) waschen und nicht im Freien trocknen
  • getragene Kleidung nicht im Schlafzimmer lagern
  • Pollenschutzgitter am Schlafzimmerfenster anbringen
  • den Pollenfilter im Auto überprüfen und eventuell erneuern lassen
  • nicht im Freien Sport treiben
  • die Nase mit Salzlösung und eventuell die Augen mit klarem Wasser spülen   
  • die Pollenflugvorhersage des Wetterdienstes beachten und Aktivitäten im Freien danach ausrichten

Bei einer stärkeren Allergie lassen sich die Symptome zunächst mit rezeptfreien Medikamenten bekämpfen. Hierbei haben Sie die Wahl zwischen Wirkstoffen zum Vorbeugen und solchen, die die akuten Beschwerden lindern.

Vorbeugende Mittel

Etwa zwei Wochen vor dem angesagten Pollenflug mit der Einnahme dieser Mittel beginnen. "Der Wirkstoff Cromoglizinsäure ist in Nasen- und Augentropfen enthalten und allgemein gut verträglich. Danach können Sie in Apotheken fragen", erklärt Ina Bockholt von der Stiftung Warentest. Vorsicht bei Mitteln mit Konservierungsstoffen: Sie sind zwar oft hochwirksam, länger angewendet können die Konservierungsstoffe aber im Auge Hornhautschäden verursachen oder sogar selbst Allergien auslösen. Das gilt für Sprays und Tropfen. Nach ungefähr zwei Wochen bewirken diese Mittel, dass die Reaktion des Körpers auf die Allergene, also die allergieauslösenden Stoffe, wesentlich geringer ausfällt oder sogar ausbleibt.

Akute Behandlung

Reicht die Wirkung dieser Mittel nicht aus, können Sie mit sogenannten Antihistaminika gegen Schnupfnase und Co. vorgehen.

Nasen-  oder Augentropfen mit den Wirkstoffen Levocabastin oder Azelastin. Diese Stoffe bremsen die Reaktion des Immunsystems. Auch hier ist es besser, Mittel ohne Konservierungsstoffe verwenden.

Ina Bockholt | Stiftung Warentest

Wenn die gängigen Mittel nicht ausreichen, können Allergiker auch zu kortisonhaltigen Tropfen oder Sprays greifen. "Das sollten Sie aber nur in Absprache mit ihrem Arzt und dann auch nicht länger als vier Wochen tun. Ansonsten können Sie unter Umständen Ihre Nasenschleimhäute dauerhaft schädigen", warnt die Expertin. Neben Sprays und Tropfen können Sie auch Tabletten zur Behandlung von Allergiesymptomen einsetzen. Aktuelle Wirkstoffe haben dabei wesentlich weniger Nebenwirkungen als bisherige, erklärt Ina Bockholt.

Die Wirkstoffe Cetirizin und Loratadin verbreiten sich, als Tablette eingenommen, im ganzen Körper und wirken dann überall. Sie machen nicht mehr so müde wie ältere Wirkstoffe.

Ina Bockholt | Stiftung Warentest

Weißer Birkenstamm von unten hoch fotografiert. Birke in grüner Pracht.
Birke hat in diesem Jahr Hochsaison. Bildrechte: Colourbox.de

Preise vergleichen

Grundsätzlich sind Kombipackungen der rezeptfreien Mittel günstiger als Nasen- und Augentropfen einzeln. Tabletten kosten weniger als Saft oder Sirup. Und Nachahmer-Medikamente, sogenannte Generika, werden genauso streng kontrolliert, sind genauso wirksam, kosten aber oft nicht einmal die Hälfte der teuren Markenmedikamente.

Immuntherapie könnte helfen

Wenn die Beschwerden trotz aller Verhaltensregeln und Medikamente nicht nachlassen oder sogar über die Jahre noch stärker werden, dann solltesn Sie über eine Immuntherapie bei Ihrem Arzt oder einem Allergologen nachdenken. Diese Hyposensibilisierung gewöhnt den Körper über einen langen Zeitraum Stück für Stück an die Allergene. Die Reaktion darauf wird mit der Zeit immer schwächer. Allerdings greift diese Behandlung bei jedem Patienten unterschiedlich stark. Manchen Menschen hilft sie gar nicht. Immer mehr rücken die Mediziner dabei weg von der klassischen Spritzentherapie und verabreichen die Wirkstoffe für viele Gräserpollen schon bequem in Tablettenform.

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Nicht unbehandelt lassen

Lassen Sie eine Pollenallergie nie unbehandelt. Von alleine verschwinden die Symptome nur ganz selten. Viel häufiger verstärkt sich eine Allergie im Laufe der Zeit und der Körper reagiert auf immer mehr Stoffe allergisch. Dabei kann es zum sogenannten "Etagenwechsel" kommen. Dann bewegen sich die Beschwerden eine "Etage" tiefer, sodass nicht mehr nur Augen und Nase betroffen sind, sondern auch die Bronchien. Im schlimmsten Fall entwickelt sich dann ein chronisches Asthma.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 16. März 2019 | 17:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. Mai 2016, 02:10 Uhr

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