Suchtprävention Alkoholismus erkennen: Ab wann ist Alkohol ein Problem?

Ein Gläschen in Ehren kann niemand verwehren? Kann er doch, denn für viele heißt es auch: Auf einem Bein kann man nicht stehen! Und schon ist er da, der übermäßige und für die Gesundheit schädliche Alkoholkonsum. Ab wann spricht man von Alkoholabhängigkeit? Und wie sieht es mit Ihren eigenen Trinkgewohnheiten aus? Außerdem jede Menge Tipps, wie Sie es schaffen, weniger zu trinken. Nichts wie ran, das neue Jahr ist noch jung ...

Weingläser
Gemütlich zusammen einen Wein trinken? Kein Problem, solange der abendliche Wein nicht zur Gewohnheit wird. Bildrechte: Colourbox.de

Zur Sportschau ein Bier, zur Geburtstagsfeier im Büro ein Glas Sekt, nach dem Essen ein Verdauungsschnaps - und am Abend ein Glas Rotwein zum Runterkommen. Wer trinken will, findet immer eine passende Begründung. Alkohol ist Teil unserer Gesellschaft und - in geringen Mengen genossen - für gesunde Erwachsene nicht schädlich.

Wieviel Alkoholkonsum ist noch "normal"?

Aus suchtmedizinischer Sicht ist eine Unterscheidung zwischen normalem Alkoholkonsum und süchtigem Trinken schwierig. Ein kritischer Punkt ist auf jeden Fall erreicht, wenn Alkohol nicht zum Genuss getrunken wird, sondern um eine bestimmte Wirkung zu erzielen. Hier spielt dann nicht nur die Menge des zugeführten Alkohols eine Rolle, sondern auch die Funktion.

Bier, Wein, Sekt oder Schnaps. Um das "Wieviel" greifbar zu machen, sprechen Suchtmediziner vom sogenannten "Standardglas" - und das entspricht 10 bis 12 g reinem Alkohol. Die sind enthalten in einem kleinen Glas Bier (0,25 l), einem Achtelliter Wein oder einem Glas Sekt.

Trinken Männer acht Standardgläser Alkohol pro Woche, gilt ihr Alkoholkonsum als harmlos. Bei Frauen sollten es nicht mehr als fünf bis sechs Gläser sein. UND: Zwei bis drei Tage pro Woche sollte gänzlich auf Alkohol verzichtet werden. Riskant wird ein Alkoholkonsum ab 21 Standardgläsern pro Woche bei Männern und 14 bei Frauen. Bei mehr als fünf (bzw. vier) Standardgläsern pro Tag besteht bereits ein hohes gesundheitliches Risiko.

Männer trinken Bier.
Zwei bis drei Tage pro Woche sollte gänzlich auf Alkohol verzichtet werden. Bildrechte: Colourbox.de

Ab wann spricht man von Alkoholabhängigkeit?

Laut WHO besteht eine behandlungsbedürftige Alkoholsucht, wenn mindestens drei der folgenden sechs Kriterien in den vergangenen zwölf Monaten erfüllt worden sind:

  1. Craving, starkes Verlangen Alkohol zu trinken
  2. Kontrollverlust über den Alkoholkonsum bezüglich Beginn oder Menge
  3. Toleranzentwicklung gegenüber der Alkoholwirkung
  4. Einengung auf das Alkoholtrinken und dadurch Vernachlässigung anderer Interessen
  5. Anhaltender Alkoholkonsum trotz eindeutiger schädlicher Folgen (gesundheitlich, psychisch oder sozial)
  6. Körperliche Entzugssyndrome bei Reduzierung der Alkoholmenge oder Abstinenz

Eine Frau liegt neben einer Flasche mit dem Kopf auf dem Tisch.
Rund 1,6 Millionen Menschen in Deutschland sind alkoholabhängig, zehn Millionen Menschen gelten als suchtgefährdet. Bildrechte: Colourbox.de

Wie sieht's bei Ihnen aus? Checken Sie Ihren Alkoholkonsum!

Rund 1,6 Millionen Menschen in Deutschland sind alkoholabhängig, zehn Millionen Menschen gelten als suchtgefährdet. Oft erkennen Menschen nicht, wenn sie das Maß des "Normalen" längst überschritten haben. Hilfe bietet das Projekt "Kenn dein Limit" der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Auf einer eigenen Website wird über die Risiken des Alkoholkonsums aufgeklärt - und das ganz ohne erhobenen Zeigefinger.

Trinken auch Sie zu viel Alkohol? Ist Ihre Gesundheit bereits gefährdet? Ein Alkohol-Selbsttest hilft, das eigene Trinkverhalten unter die Lupe zu nehmen - diskret und anonym. Testen Sie sich doch einfach mal selbst ...

Weniger trinken - So geht's!

Etwa jeder achte Deutsche nimmt sich alljährlich vor, weniger Alkohol zu trinken. Die einen, weil es gesünder ist, die anderen, weil sie das Gefühl haben, zu viel zu trinken. Wer seinen Vorsätzen letztendlich Taten folgen lässt, ist nicht bekannt. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat folgende Tipps und Alternativen zum Alkoholkonsum zusammengestellt, damit man im entscheidenden Momenten nicht schwach wird.

  • Beim Feiern im Limit bleiben

Niemals den Durst mit Alkohol löschen - und den Alkohol nicht zu schnell trinken. Immer mal eine Runde aussetzten. Cocktails gibt's auch alkoholfrei - ansonsten auf Wasser oder Saft zurückgreifen. UND: Trinkspiele sind tabu!

  • Das Verlangen überlisten

Der Wunsch, ein Glas Bier, Wein oder ein anderes alkoholisches Getränk zu trinken, ist fast übermächtig? Einige Zeit später kann das schon ganz anders aussehen. Deshalb: Lenken Sie sich ersteinmal ab, bevor Sie zum Alkohol greifen!

  • Nein danke!

Haben Sie schon mal Alkohol getrunken, weil andere davon ausgegangen sind, dass Sie mittrinken? Oder weil Sie zum Gastgegeber nicht unhöflich sein wollten? Manchmal fällt es in Gesellschaft schwer, Alkohol abzulehnen. Aber das kann man lernen.

Menschen stoßen an einem Tisch mit Weingläsern an.
Mittrinken, um den Gastgeber nicht zu düpieren? Das muss nicht sein! Bildrechte: Colourbox.de

  • Ziele setzen

Möchten Sie Ihren Alkoholkonsum reduzieren, dann setzen Sie sich überschaubare Ziele. Zum Beispiel nicht mehr als ein Bier pro Abend zu trinken. Haben Sie eine Woche durchgehalten, dann belohnen Sie sich mit etwas Schönem!

  • Anders entspannen lernen

Anspannung, Stress, Unruhe oder Angst vor bestimmten Situationen sind häufige Gründe für das Trinken von Alkohol. Denn der wirkt wie ein Betäubungsmittel. Doch mit zunehmender Gewöhnung daran sinkt die Fähigkeit, belastende Situationen durchzustehen und zu verarbeiten. Finden Sie Alternativen zum Umgang mit Stress oder Ängsten!

  • Schluss mit dem Gewohnheitstrinken

Wenn Sie weniger oder seltener Alkohol trinken möchten, müssen Sie an Ihre Trinkgewohnheiten ran. Suchen Sie sich Hilfe, um die Gewohnheitsschleifen zu durchbrechen.

Quellen: BZgA, deutschlandfunkkultur.de, maennergesundheitsportal.de

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 16. Januar 2020 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Januar 2020, 19:37 Uhr

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