Dentalphobie Angst vorm Zahnarzt? So werden Sie sie los!

Am "Ich liebe meinen Zahnarzt-Tag" dürfen Sie Ihrem Zahnarzt sagen, wie dankbar und froh Sie darüber sind, dass es diesen Menschen gibt. Aber Hand aufs Herz: Gehen Sie mit frohem Herzen zur Behandlung? Kaum ein Geräusch wird als unangenehmer empfunden als ein Zahnarztbohrer. Wie Sie die Angst vor Bohrer und Spritzen verlieren, sagen wir Ihnen hier.

Kein Mensch öffnet gern seinen Mund, um einen Fremden mit spitzen Geräten darin etwas vornehmen zu lassen, wovon man nicht weiß, ob es nicht vielleicht gleich höllisch weh tut.

Aber eine massive Angst vor dem Zahnarzt nennt man "Dentalphobie" und hat sie meist ihren Ursprung in der Kindheit. Schmerzen bei der Behandlung, negative Beschreibungen, die Eltern bewusst oder unbewusst an die Kinder weitergeben oder ein rüpeliger Zahnarzt, der nicht genug auf die kleinen Patienten eingeht - all das kann in einer massiven Angst münden.

Bis in die späten 1980er-Jahre haben Kinder bei Zahnbehandlungen keine Narkose erhalten. Im schlimmsten Fall gehen Patienten jahrzehntelang nicht mehr zum Zahnarzt, mit gravierenden Folgen für die eigenen Zähne.

Zahnarzt behandelt Patientin
Viele Menschen haben Angst vor dem Ausgeliefertsein auf dem Zahnarztstuhl. Bildrechte: Colourbox.de

So werden Sie die Zahnarztangst los

1) Sprechen Sie über Ihre Ängste

Sprechen Sie über Ihre Ängste. Die größte Erleichterung verschafft Ihnen ein persönliches Gespräch unter vier Augen. Bitten Sie einen Freund, Verwandten oder sogar Ihren Hausarzt um ein vertrauliches Gespräch. Wichtig ist, dass Sie mit jemandem sprechen, von dem Sie wissen, dass er Ihnen zuhören und Sie ernst nehmen wird.

2) Tauschen Sie sich mit Betroffenen aus

Fehlt Ihnen der Mut zu einem persönlichen Gespräch, dann suchen Sie sich Hilfe in anonymen Internetforen. Es gibt tausende andere Menschen, die genau wie Sie an Zahnarztangst leiden. Dort finden Sie Trost, Tipps und ermutigende Beispiele, die Angst zu überwinden.

3) Sie behalten die Kontrolle

Verabschieden Sie sich von albtraumhaften Szenarien. Sie allein bestimmen und entscheiden, was während einer Behandlung gemacht werden soll. Der richtige Zahnarzt wird also nur tun, was Sie wollen. Die Kontrolle liegt bei Ihnen. Sie sind der Situation nicht wehrlos ausgeliefert!

4) Autogenes Training und Muskelentspannung

Viele Psychotherapeuten bieten eine bestimmte Verhaltenstherapie an, die progressive Muskelrelaxation. Das gezielte Entspannen der Muskeln sorgt für eine Entspannung des Geistes. Bei einer solchen Verhaltenstherapie lernen Sie Ihre Ängste und deren Ursprung kennen und zu überwinden.

Eine andere Entspannungstechnik ist das autogene Training. Dabei sprechen Sie gedanklich Sätze zur Beruhigung von Körper und Geist auf. Das wiederum senkt den Blutdruck und die Herzfrequenz. Das Wiederholen der Sätze durchbricht zudem die Konzentration auf die zahnärztliche Behandlung. Da dieses Verfahren wissenschaftlich anerkannt ist und sich bewährt hat, zahlen die meisten Krankenkassen einen solchen Kurs. Auch Volkshochschulen bieten preisgünstige Kurse an.

5) Die geeignete Praxis finden

Es gibt viele Zahnarztpraxen, die sich auf die Behandlung von Patienten mit Angst vorm Zahnarzt und vor einer Zahnbehandlung eingestellt haben. Welche Praxis die richtige für Sie ist, entscheidet am Ende allein Ihr persönlicher Eindruck. Einige Kriterien können sein:

  • Sie erhalten als Angstpatient sehr kurzfristig einen Termin, weil der Arzt weiß, dass das Warten eine extreme Anspannung für Sie bedeutet.
  • Sie müssen nicht sofort Auskunft geben, ob Sie privat oder gesetzlich versichert sind.
  • Sie werden beim ersten Termin keinesfalls zur Behandlung gedrängt. Lernen Sie die Praxis und den Arzt erst einmal kennen.
  • Haben Sie sofort den Eindruck: Hier schätzt man mich und meine Situation sofort richtig ein? In einer seriösen Zahnarztpraxis, die sich auf Angstpatienten spezialisiert hat, müssen Sie sich beim Öffnen Ihres Mundes keine Vorwürfe anhören oder wortlose Verachtung fühlen.
  • Wird beim persönlichen Gespräch die Möglichkeit beruhigender Medikamente erwähnt? Werden auch homöopathische Mittel angesprochen?
  • Werden anerkannte Entspannungstechniken angeboten? Es gibt sogar Ärzte, die sich auf Hypnose spezialisiert haben.

Eine Frau lässt sich von einem Zahnarzt beraten.
Schämen Sie sich nicht. Jeder kann seine Angst vor dem Zahnarzt überwinden. Bildrechte: IMAGO

Hypnose während der Behandlung

Hypnose löst einen als positiv erlebten Trancezustand beim Patienten aus. Dieser Zustand ermöglicht es dem Zahnarzt, schnell und präzise zu arbeiten. Weite Strecken der Behandlung bekommt der Patient wenig oder gar nicht mit.

Durch ein gezieltes Gespräch lenkt der Arzt die Gedanken seines Patienten von dessen Angst weg und fokussiert sie auf dessen Körperinneres. Manchmal kommt auch Entspannungsmusik zum Einsatz.

Derzeit sind laut Gesellschaft für zahnärztliche Hypnose rund 1.200 Mediziner registriert. Da Hypnose in der Regel eine Privatleistung ist, werden die rund 100 Euro, die jede Sitzung kostet, meist nicht von der Krankenkasse übernommen.

Alle Patienten, die in Psychotherapie sind oder waren, sind grundsätzlich von Hypnosebehandlungen durch einen Zahnmediziner ausgeschlossen. Es ist nicht absehbar, wie sie unter der Hypnose reagieren.

Bohren unter Vollnarkose?

Die Behandlung unter Vollnarkose führt Studie zufolge bei einer Vielzahl von Angstpatienten dazu, dass sie ihre Angst dauerhaft verlieren. Doch obgleich eine präzise, individuelle Dosierung eine Vollnarkose heutzutage für die meisten Menschen medizinisch unbedenklich macht, ist sie eine große Belastung für den Körper. Daher sollte vor einer solchen Behandlung eine ausführliche medizinische Anamnese erfolgen, z.B. durch Ihren Hausarzt, um jedes noch so kleine mögliche Risiko auszuschließen.

Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt die Kosten der Vollnarkose nur, wenn Ihre Zahnarztangst tatsächlich eine Dentalphobie darstellt. Dies muss von einem Psychologen nachgewiesen werden.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 02. Juni 2020 | 17:15 Uhr

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