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Silvester ohne Feuerwerk? Das können sich viele nicht vorstellen – trotz Müll und Feinstaubbelastung. Bildrechte: dpa

Böllerverbot: Ja oder Nein?Gründe für ein Feuerwerk an Silvester

Stand: 29. Dezember 2022, 13:47 Uhr

Der Jahreswechsel rückt näher und die Diskussionen um ein Böllerverbot an Silvester laufen bereits. Von hohen Feinstaubwerten ist da die Rede, aber auch von den ohnehin schon vollen Krankenhäusern. Eine knappe Mehrheit spricht sich für ein Verbot von privatem Feuerwerk zu Silvester aus. Doch gibt es auch gute Gründe dafür?

Ja, die Feinstaubbelastung nach Silvester ist hoch, und auch die Krankenhäuser haben schon jetzt viel zu tun. Doch die Diskussion um ein Böllerverbot zu Silvester zeigt: Immernoch hängen viele an diesem Brauch, das alte Jahr möglichst laut und bunt zu verabschieden. Vielleicht auch deswegen, weil das Knallen zum Jahreswechsel wegen Corona in den vergangenen beiden Jahren zumeist abgesagt wurde.

2020 gab es keine öffentlichen Feuerwerke. Zusätzlich galt ein Verkaufsverbot für Pyrotechnik vor Silvester. Zum Jahreswechsel 2021/2022 war der Verkauf von Silvesterfeuerwerk ebenfalls verboten, um Krankenhäuser nicht weiter zu belasten.

Über ein Böllerverbot an Silvester 2022 in Deutschland hat die Politik bisher nicht entschieden.

Böllern an Silvester? Das sagen die Deutschen

In einer deutschlandweiten Repräsentativbefragung hat die Verbraucherzentrale Brandenburg erheben lassen, ob die Menschen ein Verbot von privatem Feuerwerk auch in diesem Jahr als sinnvoll erachten.

Die Meinungen? Geteilt. In Deutschland ist eine Mehrheit von 53 Prozent für ein Verbot, 39 Prozent der Befragten sind dagegen.

In den vergangenen Jahren wurde das Für und Wider von Feuerwerk zu Silvester regelmäßig abgewogen. Die Diskussionen zeigten: Viele Fakten, die gegen ein Feuerwerk sprechen, sind bei genauer Betrachtung nicht ganz so schlagkräftig wie gedacht. Abgesehen davon, dass es natürlich auch gute Gründe für Raketen und Co. gibt.

Feinstaubbelastung und Umweltverschmutzung

Laut Statistischem Bundesamt lag die Menge der Feinstaub-Emissionen (PM10) 2020 insgesamt bei rund 180 Tonnen. PM10 meint Feinstaub-Partikel mit einem aerodynamischen Durchmesser von maximal 10 Mikrometern. Auf Feuerwerk gehen davon gerade mal rund 2 Tonnen zurück, so das Umweltbundesamt. Das sind nur etwa ein Prozent der gesamten Menge - aufs ganze Jahr verteilt. Auf Silvester allein entfallen nämlich nur rund 0,7 Prozent, gibt der Bundesverband Pyrotechnik und Kunstfeuerwerk an. Die übrigen 0,3 Prozent stammen von Feuerwerk, das zum Beispiel an Stadtfesten abgebrannt wird.

Und die Branche setzt auf Nachhaltigkeit. Feuerwerkskörper bestehen schon heute fast vollständig aus Altpapier und Holz. "Mittelfristig sollen aber alle Feuerwerkskörper in Deutschland plastikfrei werden", sagt Klaus Gotzen, Geschäftsführer des Verbandes der pyrotechnischen Industrie (VPI).

Feuerwerkskörper bestehen nach Angaben der VPI zu 90 Prozent aus Holz und Altpapier. Bildrechte: imago/Rüdiger Wölk

Dennoch: Auch Raketen aus Altpapier und Holz verursachen jede Menge Müll. Allein in den fünf größten deutschen Städten Berlin, Hamburg, München, Köln und Frankfurt am Main entfernten die kommunalen Entsorger am Neujahrstag 2022 rund 200 Tonnen Silvesterabfall. Das ist allerdings nichts im Vergleich zu anderen großen Events. 2022 fielen allein in zwei Wochen Oktoberfest rund 88 Tonnen Müll an – beim rheinländischen Karneval sogar 600 Tonnen.

Unfälle und volle Krankenhäuser

Aktuell steigen die Coronazahlen wieder an. Befürchtet wird, dass Kliniken wieder überlastet werden. Noch scheint jedoch alles im Rahmen zu sein.

Auch an Silvester müssen immer wieder Menschen ins Krankenhaus, verletzt durch Feuerwerk. Allerdings gibt es keine genauen Zahlen dazu, wie viele Verletzte mehr es zum Jahreswechsel gibt. Dennoch warnen zum Beispiel die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) und die Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie: "An keinem anderen Tag im Jahr verletzen sich so viele Menschen an den Händen wie an Silvester." Abgetrennte Finger, Verbrennungen und Brüche kämen häufig vor, aber auch Verletzungen im Gesicht und der Augen, sagte DGOU-Generalsekretär Dietmar Pennig 2020 der Deutschen Presse-Agentur. Zu den Unfallursachen zählten etwa Experimente mit Pyrotechnik, das Zünden illegaler Feuerwerkskörper und Alkoholeinfluss.

Der Bundesverband Pyrotechnik und Kunstfeuerwerk geht davon aus, dass die meisten Unfälle auf den übermäßigen Konsum von Alkohol und auf gewalttätige Auseinandersetzungen zurückgehen. Er beruft sich auf eine Auswertung der Vivantes-Klinikgruppe, die schätzt, dass etwa fünf Prozent der Krankenhaus-Notfälle an Silvester durch Feuerwerk verursacht werden.

Die wenigsten Notfälle an Silvester werden durch Feuerwerk verursacht. Bildrechte: dpa

Fakt ist: Von Feuerwerksverbotszonen halten auch die Unfallexperten wenig. "Wenn man ein solches Verbot ausübt, dann lässt sich das polizeilich und ordnungsdienstlich in Großstädten wie Köln, München oder Berlin kaum durchsetzen", vermutete Pennig. Ein generelles Verbot halten die Ärzte aber für sinnvoll, ergänzte Augenarzt Hans Hoerauf: "Darüber hinaus setzen wir uns für eine Diskussion über ein Verbot privat genutzter Feuerwerke ein." Feuerwerk gehöre in die Hände von Profis.

Andere Länder, andere Regeln

Was die Regeln in Sachen Feuerwerk angeht, gehört Deutschland schon jetzt zu den eher strengen Ländern in Europa. Unsere Nachbarn sind da zum Teil erheblich lockerer, was den Verkauf und Gebrauch von Feuerwerk angeht. Das Vergleichsportal "Netzsieger" hatte für 2016 die Regelungen von 14 Ländern verglichen und gezeigt: In Österreich, Tschechien, Spanien und weiteren Ländern ist der Verkauf von Feuerwerk ganzjährig erlaubt. Auch abgefeuert werden dürfen Raketen und Co. zum Teil ganzjährig.

Arbeitsplätze in der Branche

Ein Verbot von Böllern hätte Konsequenzen für die Branche. Zum Jahreswechsel von 2020 auf 2021 wurde mit dem Verkauf von Feuerwerk für Silvester in Deutschland nur ein vergleichweise geringer Umsatz in Höhe von rund 20 Millionen Euro erzielt, weil private Böllerei pandemiebedingt verboten war. Zum Vergleich: Zur Jahreswende 2019/20 gaben die Deutschen noch 122 Millionen Euro für Raketen und Böller aus.

Für den Verband der pyrotechnischen Industrie würde ein wiederholtes Verkaufsverbot "mit aller Wahrscheinlichkeit den Todesstoß für die gesamte Feuerwerksbranche in Deutschland und damit auch die Arbeitslosigkeit von 3.000 Beschäftigten" bedeuten. 

Die Produktion von Feuerwerk sichert Arbeitsplätze. Bildrechte: IMAGO / imagebroker

Strahlende Kinderaugen

Was neben all den Zahlen und Fakten noch für ein Feuerwerk zum Jahreswechsel sprechen könnte, sind die Emotionen. Gerade nach einem Jahr wie diesem - mit Coronapandemie, Energiekrise und Ukraine-Krieg - können viele sicher einen großen Knall gebrauchen, um in ein neues, hoffentlich entspannteres Jahr zu starten. Leuchtende Kinderaugen gibt es dann umsonst obendrauf, egal, ob das Feuerwerk privat in den Himmel steigt oder vom Fachmann veranstaltet wird. Und alle, die lieber einen ruhigen Abend verleben würden, haben danach ja wieder 364 Tage ohne Böller und Raketen.

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