Nach Astrazeneca-Impfstopp Was ist eine Hirnvenen-Thrombose und wie entsteht sie?

Die Corona-Impfungen mit dem Vakzin von Astrazeneca sind in Deutschland zwar wieder aufgenommen worden. Viele sind trotzdem besorgt. Der Grund: Nach den bislang durchgeführten 1,6 Millionen Impfungen sind in 13 Fällen sehr seltene Hirnvenen-Thrombosen aufgetreten. Was genau ist eine Thrombose, wie entsteht sie - und worin unterscheidet sich eine Sinusvenen-Thrombose?

Illustration - Ein freundlicher Herr im Arztkittel weist auf ein Schild mit der Aufschrit "Thrombosis"
Verstopft ein Blutgerinnsel ganz oder teilweise ein Blutgefäß, spricht man von einer Thrombose. Bildrechte: imago/StockTrek Images

Was ist eine Thrombose?

Dass unser Blut gerinnen kann, ist eigentlich eine feine Sache. Denn das sorgt dafür, dass sich Wunden schnell verschließen, indem Blut und Gerinnungsstoffe einen Schorf bilden. Wäre dem nicht so, würde man schnell verbluten.

Doch manchmal kann es auch "versehentlich" zu einer Blutgerinnung kommen. Dann bildet sich am falschen Ort und zur falschen Zeit ein Blutgerinnsel bzw. Thrombus. Verstopft dieses Blutgerinnsel ganz oder teilweise ein Blutgefäß, spricht man von einer Thrombose.

Wo können Thrombosen vorkommen?

Zu einer Thrombose kann es in fast jeder Ader des Körpers kommen: Sowohl in Arterien, die sauerstoffreiches Blut vom Herz in den Körper transportieren, als auch in Venen, die das sauerstoffarme Blut zurück zum Herz befördern.

Bildet sich das Gerinnsel in einer Schlagader bzw. Arterie, spricht man von einer arteriellen Thrombose. Sie ist häufig der Grund für einen Herzinfarkt, einen Schlaganfall oder einen Beinarterienverschluss.

Auch in Venen können Thrombosen entstehen. Venenthrombosen können in verschiedenen Körperregionen auftreten. In den Beinen oder auch - deutlich seltener - in den Venen des Gehirns. Eine Form davon ist die äußerst seltene Sinusvenen-Thrombose, wegen der die Impfung mit dem Astrazeneca-Impfstoff vorerst gestoppt worden ist.

Illustration - Verstopfung innerhalb einer Arterie
Thrombosen können sowohl in Adern als auch in Venen vorkommen. Bildrechte: imago/StockTrek Images

Was ist eine Sinusvenen-Thrombose?

Bei einer Sinusvenenthrombose ist eines der großen venös‎en Blutgefäße im Gehirn durch ein Blutgerinnsel verstopft. Diese Verstopfung stört den Abfluss von verbrauchtem, sauerstoffarmen Blut aus dem Gehirn.

Infolge dessen kommt es zu einem Druckanstieg im Schädelinneren und zu Durchblutungsstörungen und Sauerstoffmangel im Gehirn. Das kann schwere gesundheitliche Probleme verursachen, unter anderem schwere Schlaganfälle.

Hirnvenen-Thrombosen: Frauen häufiger als Männer betroffen

Hirnvenen-Thrombosen sind äußerst selten. In der Regel kommt es zu zwei bis fünf Fällen pro einer Millionen Menschen pro Jahr. Einige Studien geben auch bis zu 15 Fälle pro einer Million Menschen pro Jahr an.

Frauen sind häufiger als Männer von Hirnvenen-Thrombosen betroffen. Wahrscheinlich spielen dabei die Hormone eine Rolle. Denn in der späten Schwangerschaft, im Wochenbett und bei Frauen, die die Antibabypille einnehmen, treten Sinusvenenthrombosen am häufigsten auf.

Wie entsteht eine Sinusvenen-Thrombose?

Eine Sinusvenen-Thrombose kann durch eine Autoimmunreaktion entstehen. Der Körper bildet dann Antikörper gegen die eigenen Blutplättchen, die die Blutgerinnung unterstützen.

Laut Paul-Ehrlich-Institut gibt es "eine auffällige Häufung einer speziellen Form von sehr seltenen Hirnvenenthrombosen (Sinusvenenthrombosen) in Verbindung mit einem Mangel an Blutplättchen (Thrombozytopenie) und Blutungen in zeitlicher Nähe zu Impfungen mit dem COVID-19-Impfstoff AstraZeneca".

In Deutschland sei es bislang zu sieben Fällen gekommen, von denen drei tödlich verlaufen sind. Betroffen waren sechs Frauen und ein Mann im Alter zwischen 20 und 50 Jahren. Bei 1,6 Millionen mit dem Astrazeneca-Vakzin Geimpften in Deutschland sind das etwa vier Fällen pro einer Million Geimpfter seit Start der Impfungen Anfang Februar. Mittlerweile sind noch weitere Fälle bekannt geworden.

Nach Astrazeneca-Impfung: Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Wer in den letzten vier bis 16 Tagen mit dem Vakzin von Astrazeneca geimpft wurde und immer noch Nebenwirkungen wie starke Kopfschmerzen, zunehmendem Unwohlsein oder kleine Einblutungen (rote Pünktchen) in der Haut hat, sollte zum Arzt gehen. Liegt die Impfung 16 Tage oder länger zurück, braucht man sich keine Gedanken zu machen.

dpa/Reuters/MDR Wissen/amboss.com

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 17. März 2021 | 17:15 Uhr

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