Babesiose Wird von Zecken auf Mensch und Tier übertragen: Hundemalaria

FSME und Borreliose sind nicht die einzigen Krankheiten, die von Zecken übertragen werden. Mittlerweile ist auch in unseren Breitengraden die sogenannte Babesiose, auch Hundemalaria genannt, auf dem Vormarsch - und die kann nicht "nur" Hunde treffen. Woran erkennt man die Krankheit - und wie können sich Tier und Mensch am besten davor schützen? Ein Überblick.

Mischlingshund Mikki geht an der Leine an einem Warnschild vorbei, das 2008 auf Zecken-Gefahr aufmerksam macht.
Die sogenannte Hundemalaria wird durch Zeckenbisse auf die Vierbeiner übertragen. Bildrechte: dpa

Hundemalaria, Babesiose, Piroplasmose - wie wird's übertragen?

Babesiose, Hundemalaria oder auch Piroplasmose wird eine Krankheit genannt, die durch Zecken übertragen wird. Sowohl die Auwaldzecke als auch die Braune Hundezecke können Überträger sein.

Ausgelöst wird die Erkrankung durch Einzeller der Gattung Babesien. Die nisten sich in den Zecken ein und werden von diesen beim Blutsaugen auf Hund oder auch Mensch übertragen.

Was machen die Babesien im Körper eines Hundes?

Nach erfolgreicher Infektion nisten sich die Babesien in den roten Blutzellen ihres Wirtes (= dem Hund) ein und zerstören sie. Das kann zu einem mangelhaften Sauerstofftransport im Blut und zu einem akuten Nieren- und Leberversagen führen.

Eine mit Blut gefüllte Zecke, nachdem sie von einem Hund entfernt wurde.
Über Zeckenbisse gelangen die gefährlichen Babesien in die Körper von Hund und Mensch. Bildrechte: dpa

Welche Symptome zeigen Hunde bei einer Babesiose?

Bei Hunden treten die ersten Anzeichen für eine Babesiose etwa fünf bis sieben Tage nach dem Zeckenbiss auf. Die infizierten Hunde zeigen meist ein deutlich gestörtes Allgemeinbefinden mit hohem Fieber, Fressunlust, blassen Schleimhäuten und Abgeschlagenheit.

Ihr Urin kann rötlich verfärbt sein, Haut und Schleimhäute gelblich. Bei schweren Verläufen kann sich eine Bauchwassersucht ausbilden. Ist das zentrale Nervensystem betroffen, kann es zu Lähmungen und epileptiformen Anfällen kommen.

Unbehandelt endet eine akut verlaufende Babesiose beim Hund zwei bis fünf Tage nach dem Auftreten der ersten Symptome in der Regel tödlich.

Wie wird Hundemalaria behandelt?

Zeigt ein Hund entsprechende Symptome, sollte schleunigst ein Tierarzt aufgesucht werden. Der nimmt bei Verdacht auf Hundemalaria zunächst eine Blutprobe, um die Erreger nachweisen und bestimmen zu können.

Die eigentliche Therapie richtet sich dann nach den Symptomen des erkrankten Tieres sowie der nachgewiesenen Babesien-Art. Gegebenenfalls kann eine Bluttransfusion notwendig sein.

Wie kann man Babesiose beim Hund vorbeugen?

Da Babesien mittlerweile auch in Deutschland verbreitet sind, ist es kaum mehr möglich, betroffene Gebiete zu meiden. Folglich gilt es, den Hund vor Zecken bzw. Zeckenbissen zu schützen. Ob mit Halsband, Tabletten, Sprays oder Spot-ons bleibt dem Hundehalter überlassen. Zudem sollte der Hund täglich auf Zecken kontrolliert werden.

In Deutschland ist mittlerweile ein Impfstoff gegen Babesiose für Hunde zugelassen. Eine allgemeine Impfempfehlung gibt es allerdings nicht. Lassen Sie sich von Ihrem Tierarzt beraten!

Eine Zecke hat sich auf der behaarten Haut eines Hundes festgesaugt.
Wichtig: Hund (und Mensch) auf Zecken absuchen, wenn man auf Wiesen oder in Wäldern unterwegs war! Bildrechte: dpa

Eher selten: Babesiose bei Menschen

In Europa sind bislang nur sehr wenige Fälle von Babesiose bei Menschen dokumentiert. Ähnlich wie Hunde, können auch Menschen durch Zeckenbisse von Babesien befallen werden, allerdings von anderen Arten. Und auch bei ihnen sind es die roten Blutkörperchen, die den Babesien zum Opfer fallen.

Symptome und Krankheitsverlauf bei Menschen

Symptome, Krankheitsverlauf und -schwere der Babesiose sind auch beim Menschen von verschiedenen Faktoren abhängig. Relevant sind vor allem der genaue Erreger und der gesundheitliche Zustand des Betroffenen. Dabei spielen Alter, Vorerkrankungen und die Leistungsfähigkeit des Immunsystems eine wichtige Rolle.

Personen ohne Vorerkrankungen und mit einem intakten Immunsystem haben meist nur leichte Beschwerden nach einer Ansteckung mit Babesia. Treten Symptome auf, ähneln sie meist einem grippalen Infekt: leichtes Fieber, Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit und Gliederschmerzen.

Bei älteren Menschen und Menschen mit geschwächtem Immunsystem können die Krankheitssymptome denen einer akuten Malaria ähneln - mit hohem Fieber, Blutarmut, einer Dunkelfärbung des Urins, einer Vergrößerung von Leber und Milz, einer Gelbfärbung der Haut und Schleimhäute und Funktionseinschränkungen von Nieren und Lunge. Betroffene Patienten können in Lebensgefahr schweben.

Deutlich länger als beim Hund ist beim Menschen die Zeit zwischen der Ansteckung und den ersten Beschwerden. Das können fünf bis 33 Tage sein.

Wie wird eine Babesiose bei Menschen behandelt?

Bei leichtem Verlauf heilt eine Babesiose in der Regel von selbst aus. Ein Arztbesuch ist nicht notwendig.

Bei schweren Krankheitsverläufen ist meist ein Krankenhausaufenthalt notwendig, teilweise sogar auf der Intensivstation.

Eine Socke wird über ein Hosenbein gezogen
Schützen Sie sich vor Zecken u.a. durch lange Kleidung! Bildrechte: www.zecken.de

So können sich Menschen vor Babesiose schützen

Was die Prävention angeht, gilt für Menschen (fast) das gleiche wie für Hunde. Zeckenbisse sollten grundsätzlich vermieden werden. Schützen Sie sich mit langer Kleidung, entsprechenden Sprays - und suchen Sie sich nach einem Aufenthalt im Wald und auf Wiesen nach Zecken ab. Werden Sie fündig, sollte der Parasit schnell und professionell entfernt werden.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 23. Juni 2021 | 17:15 Uhr

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