Gefährliche Abkühlung Baden in Flüssen - Wo ist es erlaubt, welche Regeln gelten?

Mit der steigenden Sommerhitze steigt auch das Bedürfnis nach Abkühlung. Dabei ist nicht mehr nur der Sprung ins kühle Nass an der Küste oder an einem See beliebt, sondern auch an Flüssen. Wo das in deutschen Großstädten möglich ist und was es dabei zu beachten gilt, erfahren Sie hier.

Ein Mann macht einen Kopfsprung ins Wasser.
Baden in Flüssen ist reizvoll, aber auch gefährlich. (Archiv) Bildrechte: IMAGO / Westend61

Wer diesen Sommer in deutschen Badegewässern nach einer Abkühlung sucht, muss sich fast nirgendwo Sorgen vor Bakterien machen. Wie aus dem neuen Bericht der Europäischen Umweltagentur EEA hervorgeht, überzeugen Deutschlands Seen, Flüsse und Küstengewässer mit einer sehr guten Wasserqualität. So zeichneten sich 90,4 Prozent der 2021 analysierten Badegewässer in Deutschland durch exzellente Wasserbedingungen aus. Einen Überblick über die Qualität in ihrem Gewässer vor Ort erhalten Sie hier.

Die gute Wasserqualität allein reicht jedoch nicht für ein sorgenfreies Badevergnügen aus. Vor allem das Baden in Flüssen kann zwar eine reizvolle, aber auch gefährliche Angelegenheit sein. Michael Förster von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) dazu im BR: "Wer es beschaulich mag, geht im See baden, wer das Abenteuer sucht, geht in den Fluss." Im Jahr 2021 sind nach Angaben der DLRG mindestens 95 Menschen beim Baden in Flüssen ums Leben gekommen. Damit es in diesem Jahr nicht mehr werden, gilt es, einige Regeln zu beachten.

Rettungsschwimmerin übt ihre Einsatzfähigkeit. Sie krault mit einem gelben Gegenstand mit der Aufschrift "DLRG" durchs Wasser.
Nach Angaben der DLRG sind 2021 mindestens 95 Menschen bei Badeunfällen in Flüssen ums Leben gekommen. (Archiv) Bildrechte: Erik Hoffmann

Welche Regeln sollten beim Baden am Fluss beachtet werden?

Gerade in Flüssen sei es nach Angaben von Andreas Baumgartner von der bayerischen Wasserwacht im BR lebenswichtig, die Kraft des Wassers zu respektieren. Demnach werden Strömung und Kälte des Flusses oft unterschätzt. Das Problem dabei: Beides lässt die Kräfte eines Schwimmers schnell schwinden.

Die Experten raten weiter: Nie in unbekannte Flüsse springen. Es sollte stets geprüft werden, wie tief das Wasser ist. Dabei ist zu beachten, dass die Sichttiefe durch trübes Wasser beeinträchtigt sein kann. Auf Kopfsprünge sollte bei unklarer Tiefe ganz verzichtet werden. Mutproben sind in dem Zusammenhang fehl am Platz. Zudem sollte beim Baden auf das Trinken von Alkohol verzichtet werden.

In Flüssen sollte nur schwimmen, wer fit und gesund ist, denn dort lauern viele Gefahren: überraschende Untiefen und Brückenpfeiler, die die Strömung verändern und dadurch Sogwirkungen auslösen können. In Flüssen mit Gezeitenströmung verstärkt diese die ohnehin bestehenden Flussströmungen noch zusätzlich. In Flüssen muss auch immer mit Treibgut wie Ästen und mit Unterwasser-Hindernissen gerechnet werden. Zudem gilt es, nicht zu lange im Wasser zu bleiben, denn Flüsse erwärmen sich nie so stark wie Seen.

Ein Mann steht knöcheltief im Wasser und trocknet sich ab.
Flüsse sind meist kälter als Seen und haben deutlich mehr Kraft durch die Fließgeschwindigkeit des Wassers. (Archiv) Bildrechte: IMAGO / imagebroker

Generelle Baderegeln der DLRG


  1. Baden Sie nur, wenn Sie sich wohlfühlen. Kühlen Sie sich ab und duschen Sie, bevor Sie in das Wasser gehen.
  2. Gehen Sie niemals mit vollem oder ganz leerem Magen ins Wasser.
  3. Gehen Sie als Nichtschwimmer nur bis zum Bauch ins Wasser.
  4. Rufen Sie nie um Hilfe, wenn Sie nicht in Gefahr sind, aber helfen Sie Menschen, wenn diese Hilfe brauchen.
  5. Überschätzen Sie sich und Ihre Kräfte nicht.
  6. Baden Sie nicht dort, wo Schiffe und Boote fahren.
  7. Verlassen Sie bei Gewitter sofort das Wasser und suchen Sie ein festes Gebäude auf.
  8. Halten Sie das Wasser und seine Umgebung sauber, werfen Sie Abfälle in Mülleimer.
  9. Aufblasbare Schwimmhilfen bieten Ihnen keine Sicherheit im Wasser.
  10. Springen Sie nur ins Wasser, wenn es frei und tief genug ist.

Wo ist das Baden an Flüssen erlaubt?

Das potenzielle Risiko beim Baden in Flüssen bedeutet nicht, dass die Erfrischung im kühlen Nass überall verboten ist. Im Gegenteil: Einige Flüsse in deutschen Metropolen werden von den örtlichen Umweltbehörden an ausgewiesenen Badestellen engmaschig kontrolliert und haben sich in Einzelfällen nicht nur wegen der guten Wasserqualitität zu Badeparadiesen entwickelt. Hier ein Überblick über die sechs größten Städte in Deutschland.

Stand Up Paddling auf der Spree
Stand-Up-Paddling ist auf der Berliner Spree in gewissen Bereichen erlaubt, Baden jedoch nicht. (Archiv) Bildrechte: imago images/ Rainer Weisflog

Berlin: Anfang des 19. Jahrhunderts haben die letzten Badeanstalten an der Spree geschlossen, weil der Fluss durch die umliegende Industrie zu einer Art Kloake geworden war. Auch heute noch ist das Baden in der Spree verboten. Die Qualität ist inzwischen durch Umweltprojekte deutlich besser geworden, einige sprechen sogar von Badewasser-Qualität. Das Problem: Bei Dauerregen laufen die dreckigen Mischwasserkanäle der Hauptstadt oft über und mischen sich in den Spreekanal. Das bedeutet eine Gefahr für die Gesundheit. Dennoch gibt es Pläne, in den kommenden Jahren wieder ein Bad zu eröffnen. Bis dahin können die Berliner in Nebenflüssen der Spree planschen. Oberhavel und Dahme sind zwei Beispiele.

Frankfurt: Seit Ende der 1980er Jahre wurde am Main viel für die Verbesserung der Wasserqualität getan, dennoch ist die Keimbelastung nach wie vor sehr hoch. Vom Baden wird deshalb dringend abgeraten. Das ist allerdings nicht mal nötig, denn das Schwimmen ist ohnehin praktisch im ganzen Stadtgebiet verboten, da es viele Brücken, Anlegestellen und Schleusen gibt. Zudem wird der Main als Bundeswasserstaße von zahlreichen großen Schiffen befahren.

Hamburg: Die einst schlechte Wasserqualitität der Elbe hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Dennoch ist das Baden dort nicht zu empfehlen. Der Grund: Die Elbe hat sich zu einer Art Autobahn für die Schifffahrt entwickelt. Hinzu kommt eine starke Gezeitenströmung, gegen die selbst geübte Schwimmer machtlos sind. Dennoch gibt es viele, die sich dadurch nicht vom Sprung ins kühle Nass abhalten lassen. Das beliebteste von zahlreichen Beispielen: Der Elbstrand Övelgönne unterhalb der Elbchaussee.

Strandperle in Övelgönne
Der Elbstrand Övelgönne ist bei Hamburger sehr beliebt. (Archiv) Bildrechte: imago images/teutopress

Köln: Die DLRG rät grundsätzlich davon ab, in den Rhein zu gehen. Verboten ist es aber nicht. Dennoch würde kaum jemand auf die Idee kommen, das Badevergnügen im Kölner Zentrum zu suchen. Zu stark ist die Strömung und zu sehr ist das Wasser von der Schifffahrt befahren. Im Süden von Köln, am Playa Rodenkirchen, sieht das schon ganz anders aus. Dort ist es deutlich ruhiger und auch badetauglich mit natürlichem, hellen Sand. Dennoch gilt auch hier: Die unberechenbare Strömung und kontinuierliche Schifffahrt sorgen immer für unkalkulierbare Risiken.

München: Die Isar gilt deutschlandweit als Vorzeigefluss. Vor Jahren war sie noch sehr verschmutzt, inzwischen haben Klärwerke mit Desinfektionsanlagen für eine hervorragende Qualität mit geringer Keim-Belastung gesorgt. Zudem hat ein Renaturierungsprogramm der Stadt der Isar ihre Freiheit zurückgegeben und viele kleine Seitenarme und Ruhezonen mit Kiesbänken gebildet. Die sind bei Isarfreunden besonders beliebt. Ein weiterer Pluspunkt ist, dass es auf der Isar keinen Schiffsverkehr gibt. Dennoch gilt: Warnschilder beachten und nur baden, wo es erlaubt ist. Denn die Isar ist immer noch ein Wildfluss.

Stuttgart: Der Neckar ist aufgrund von Strömungen und Schiffsverkehr nicht als Badegewässer freigegeben. Hinzu kommt, dass in den vergangenen drei Jahren fäkale Belastungen, also gesundheitliche Risiken, nachgewiesen wurden.


(BRISANT/dpa/dlrg/br/nabu/weather.com/reisereporter)

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 15. Juni 2022 | 17:15 Uhr

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