Bahnstreik Verspätung, Zugausfall: Diese Rechte haben Bahnreisende bei einem Streik

Die Lokführergewerkschaft GDL hat vom 2. bis zum 7. September erneut zum Streik aufgerufen. Die Leidtragenden sind die Bahnreisenden. Wann haben Sie ein Recht auf Entschädigung, wenn Züge ausfallen oder der Anschluss verpasst wird? Ein Überblick.

Symbolbild fuer einen erneuten Streik der Lokführergewerkschaft GDL
Die GDL hat zu einem erneuten Bahnstreik aufgerufen. Vom 2. bis zum 7. September sollen nur wenige Fernzüge durch Deutschland rollen. Bildrechte: imago images/Political-Moments

Bahnstreik - Wie komme ich trotzdem zur Arbeit?

Die Lokführer streiken - mal wieder. Die Bahn rät betroffenen Kunden dazu, nicht dringend nötige Reisen möglichst zu verschieben. Wer zwischen dem 2. und dem 7. September ein Ticket für den Fernverkehr gebucht hat, kann es entweder bis zum 17. September flexibel nutzen oder die Reise kostenlos stornieren.

Außerdem entfällt die Zugbindung bei Sparpreisen und Super Sparpreisen. Für die Weiterfahrt kann also auch ein anderer Zug genutzt werden. Sitzplatzreservierungen können kostenfrei umgetauscht werden.

Die Deutsche Bahn informiert auf ihrer Website und unter der kostenlosen Hotline 08000 99 66 33 über gestrichene Verbindungen und Ersatzfahrpläne.

Passagiere auf einem Bahnsteig
Gerade Pendler brauchen bei einem Bahnstreik starke Nerven. Bildrechte: imago/Stefan Noebel-Heise

Tipp: Bei Kurzstrecken auf Privatbahnen (Metronom, Abellio etc.) umsteigen.

Ticket-Erstattung: Wann gibt es Entschädigung?

Hat ein Zug erhebliche Verspätung oder fällt ganz aus, haben die betroffenen Fahrgäste einen Anspruch auf Entschädigung - auch bei Streiks. Wie hoch diese ausfällt, regelt die EU-Fahrgastverordnung.

Wer 1 Stunde zu spät am Ziel ankommt, bekommt 25 Prozent des Fahrpreises erstattet, bei 2 Stunden muss das verantwortliche Bahnunternehmen 50 Prozent des Preises zurückzahlen. Dabei können Fahrgäste laut Bahn zwischen einem Gutschein oder der Auszahlung des Betrags wählen.

Ab einer erwarteten Verspätung von 20 Minuten am Zielbahnhof können Fahrgäste einen anderen Zug nehmen. Dabei können auch höherwertige Züge genutzt werden, sofern sie nicht reservierungspflichtig sind. Allerdings müssen Sie unter Umständen zunächst die zusätzlich erforderliche Fahrkarte beziehungsweise den Aufpreis bezahlen. Im Nachgang können Sie diese Kosten aber bei der Bahn zurückfordern.

Verspätungen beziehen sich immer auf die Ankunftszeit am Zielort. Verpassen Sie also wegen einer zehnminütigen Verspätung Ihres ersten Zuges den Anschlusszug und kommen dadurch am Zielbahnhof eine Stunde später an, haben sie Anspruch auf die Entschädigung.

Zeitkarten werden pauschal ab einer Verspätung von mindestens einer Stunde entschädigt - da Beträge unter vier Euro nicht ausgezahlt werden, müssen Fahrgäste die Verspätungen meist gesammelt einreichen.

Zug fällt heute aus steht auf einer Abfahrtstafe
Entschädigungen gibt es viele Bildrechte: dpa

Wann kann man die Fahrt abbrechen oder sein Ticket zurückgeben?

Wenn schon vor der Abreise absehbar ist, dass der Zug mindestens eine Stunde später als geplant am Ziel ist, dürfen Fahrgäste von der Reise zurücktreten und sich den vollen Fahrpreis erstatten lassen. Das gilt auch für ausgefallene Züge oder verpasste Anschlüsse.

Wer bereits unterwegs ist und die Fahrt abbricht, kann sich den nicht genutzten Teil erstatten lassen. Wer zum Ausgangsbahnhof zurückfährt, bekommt sogar den vollen Preis zurück.

Wie funktioniert die Ticket-Erstattung?

Die Bahn empfiehlt, sich Verspätungen von Mitarbeitenden bestätigen zu lassen. Die Verbraucherzentrale rät außerdem, Fotos von Anzeigetafeln zu machen, auf denen die verspäteten oder gestrichenen Züge stehen, oder Screenshots aus der App oder von der Internetseite zu erstellen.

Mit diesen Belegen, der Fahrkarte und dem ausgefüllten Fahrgastrechte-Formular kann die Reise reklamiert werden. Das Formular gibt es direkt im verspäteten Zug, im Reisezentrum der Bahn oder online zum Herunterladen. Die Unterlagen müssen an die Bahn geschickt oder im Reisezentrum abgegeben werden.

Seit kurzem ist auch eine digitale Rückerstattung möglich: Wenn das Ticket online oder mobil gekauft wurde, kann die Entschädigung über das eigene Kundenkonto in der Bahn-App oder auf bahn.de beantragt werden.

Alle Rückerstattungen müssen innerhalb eines Jahres nach Ablauf der Geltungsdauer der zugehörigen Fahrkarte geltend gemacht werden. Der erste Geltungstag ist auf dem Ticket vermerkt.

Wann übernimmt die Bahn die Kosten für Hotel und Verpflegung?

Wer abends an einem Bahnhof strandet und nicht weiterkommt, hat Anspruch auf eine Ersatzbeförderung oder im schlimmsten Fall auf eine Unterkunft und einen Transport dorthin.

Reisende warten im Hauptbahnhof während des Streiks der Lokführergewerkschaft GDL auf ihren Zug.
Wer abends an einem Bahnhof strandet und nicht weiterkommt, hat Anspruch auf eine Ersatzbeförderung oder eine Unterkunft. Bildrechte: dpa

Mit Bus oder Taxi ans Ziel - wer zahlt?

In der Vergangenheit hat die Bahn Sammelfahrten per Taxi oder Bus organisiert und dafür entsprechende Gutscheine ausgegeben. Wenn das nicht möglich ist, können Fahrgäste auch selbst mit dem Taxi weiterreisen. Allerdings ist dann mit Einschränkungen bei der Rückerstattung der Kosten zu rechnen. Bis zu 80 Euro werden erstattet.

Zum Beispiel gibt es nur dann Geld zurück, wenn die planmäßige Ankunft zwischen Mitternacht und 5 Uhr morgens liegt und die erwartete Verspätung am Zielbahnhof mindestens eine Stunde beträgt. Außerdem muss geprüft werden, ob der Zielbahnhof bis Mitternacht auch mit einem anderen Verkehrsmittel erreicht werden könnte.

Wegen Streiks nicht (pünktlich) am Arbeitsplatz - was gilt?

Schwierig wird es für diejenigen, die für ihren Arbeitsweg auf die Bahn angewiesen sind. Einfach zu Hause bleiben ist keine Alternative. Wer wegen des Streiks im Homeoffice arbeiten oder kurzfristig Urlaub nehmen möchte, muss das so rechtzeitig wie möglich mit dem Arbeitgeber besprechen.

Lohnkürzung wegen Zuspätkommen?

Ohne Arbeit hat man keinen Anspruch auf Lohn - das gilt auch, wenn man wegen eines Streiks zu spät am Arbeitsplatz erscheint. Das sogenannte Wegerisiko liegt immer beim Arbeitnehmer - egal ob bei Schnee, Sturm oder eben Streik.

Einen gesetzlichen Anspruch, die verpasste Arbeitszeit nachzuholen, haben Arbeitnehmer nicht. Es sei denn, im Arbeits- oder Tarifvertrag ist Gegenteiliges vereinbart.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 31. August 2021 | 17:15 Uhr