Eisheilige, Schafskälte und Co. Diese Bauernregeln sollte man kennen

Im Mittelalter waren noch keine präzisen Wettervorhersagen möglich. Deshalb beobachteten die Bauern das Wetter genau und stellten nach langjährigen Beobachtungen die sogenannten Bauernregeln auf, um Missernten zu vermeiden. Ein Überblick über die bekanntesten Bauernregeln.

Goldgloeckchen mit einer dicken Eisschicht
Bauern sind besonders abhängig vom Wetter und konnten sich früher noch nicht auf genaue Wetterprognosen verlassen. Bildrechte: IMAGO / Beautiful Sports

Ihren Ursprung haben Bauernregeln im Mittelalter. Besonders für Bauern spielt das Wetter eine große Rolle. Da damals jedoch noch keine genauen Wetter-Prognosen möglich waren, beobachteten sie das Wetter genau und versuchten Regelmäßigkeiten festzustellen.

Aus diesen langjährigen Wetterprognosen entstanden die Bauernregeln. Da viele der Regeln noch vor der Kalenderreform 1582 entstanden, stimmen nicht alle Termine mit der heutigen Zeitrechnung überein. Zudem können sich die Bauernregeln regional unterscheiden. Genaue Prognosen können sie also nicht geben, dennoch lässt sich anhand der Regeln ein erster Trend erkennen.

Eisheilige

Die Eisheiligen sorgen vom 11. bis zum 15. Mai häufig für Kälteeinbrüche in Deutschland. Erst bringen die Eisheiligen Mamertus, Pankratius und Servatius vom 11. bis zum 13. Mai arktische Kaltluft aus dem Norden. Am 14. und 15. Mai erwischen Bonifatius und die kalte Sophie auch Süddeutschland.

"Vor Nachtfrost du nie sicher bist, bis Sophie vorüber ist" lautet das Sprichwort. Viele Pflanzen sollten erst nach den fünf Eisheiligen ins Freie gesetzt werden, damit sie nicht in ihrer frostempfindlichen Wachstumsphase dem Kälteeinbruch ausgesetzt sind.

Bei Eisregen seit den Morgenstunden und Frost sind alle Pflanzen und Oberflächen mit einer dicken Eisschicht überzogen.
Vor den Eisheiligen sollte man noch keine Pflanzen ins Freie setzen. Bildrechte: IMAGO / Jan Eifert

Auch wenn die Eisheiligen nicht immer zur gleichen Zeit auftreten, sind sie dennoch eine gute Orientierung für Gärtner, ab wann im Mai gepflanzt werden kann.

Schafskälte

Vom 4. bis zum 20. Juni spricht man von der Schafskälte. In dieser Zeit wird es durch einfließende Polarluft häufig kalt und feucht. Tatsächlich liegt die Wahrscheinlichkeit für kaltes und wechselhaftes Wetter vom 10. bis zum 12. Juni bei 80 Prozent, für Niederschlag bei etwa 55 Prozent.

Zwei Schafe
Beim Kälteeinbruch im Juni wird es sogar den frischgeschorenen Schafen zu kalt. Bildrechte: dpa

Im Juni sind die Schafe normalerweise schon geschoren. Deshalb kann der Kälteeinbruch für sie durchaus gefährlich werden. Daher kommt auch der Name Schafskälte.

Siebenschläfer

"Ist der Siebenschläfer nass, so regnet's ohne Unterlass", lautet die Bauernregel. Am 27. Juni ist Siebenschläfertag. Wenn es an diesem Tag oder in der anschließenden Woche regnet, soll auch die nächsten sieben Wochen schlechtes Wetter herrschen.

Siebenschläfer klettert an Baum.
Ist am Siebenschläfertag schlechtes Wetter, so soll es auch die darauffolgenden Wochen kühl und feucht sein. Bildrechte: imago images / STAR-MEDIA

Laut dem Deutschen Wetterdienst liegt die Wahrscheinlichkeit für kühles Wetter in dieser Zeit bei 70 Prozent, für Regen bei 62 Prozent.

Hundstage

Im Zeitraum vom 23. Juli bis zum 23. August herrschen die Hundstage. Sie stehen für brütende und anhaltende Hitze. Benannt wurden sie nach dem Stern Sirius, der Teil des Sternbilds "Großer Hund" ist. Die alten Ägypter wussten, sobald Sirius gemeinsam mit der Sonne auf und unter ging, bedeutete das eine Hitzewelle.

Jack-Russell-Terrier im Wasser
In der brütenden Hitze der Hundstage hilft nur eine nasse Abkühlung. Bildrechte: dpa

Mittlerweile hat sich das Hochdruckgebiet zeitlich ein bisschen verschoben, die heißesten Tage des Jahres sind nun aus meteorologischer Sicht Anfang Juli.

Altweibersommer

Zum Altweibersommer kann vielerorts noch mal die Badehose ausgepackt werden. Im Frühherbst kommt häufig zwischen Mitte September und Anfang Oktober ein Hochdruckgebiet. Es bringt sommerliche Temperaturen am Tag und kühle Nächte.

Personen liegen auf einer Liegewiese im Englischen Garten und genießen das schöne Herbstwetter.
Der Altweibersommer sorgt im Frühherbst für kuschelig warme Temperaturen. Bildrechte: imago/Ralph Peters

Die Bezeichnung stammt vom altdeutschen Wort "weiben" ab. Das bezeichnete das Knüpfen von Spinnweben. Nach einer klaren Nacht sieht man am frühen Morgen den Tau in den Spinnenweben, welche dadurch wie silbernes Haar glitzern. Damals glaubte man, dass das "Haar" von den Parzen stammte. Sie galten in der germanischen Mythologie als Schicksalsgöttinnen, die die Lebensfäden der Menschen spannen.


Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 04. April 2022 | 17:15 Uhr

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