Corona-Pandemie Befreiung von Maskenpflicht: Wo bekommt man ein Attest - und wem steht es zu?

Sie ist DER Zankapfel in der Corona-Krise: die Maskenpflicht. Die einen verweigern den Mund-Nasenschutz aus ideologischen Gründen, anderen ist das Tragen einer Alltagsmaske aufgrund ihrer Gesundheit nicht möglich. Wer kann sich per Attest von der Maskenpflicht befreien lassen? Und was bedeutet diese Befreiung konkret?

Symbolbild Klage gegen Coronamaßnahme - Figur der Justitia - Darüber das Wort - Maskenpflicht
Wer kann sich per Attest von der Maskenpflicht befreien lassen - und wer muss das Attest akzeptieren? Bildrechte: imago images/U. J. Alexander

Abstand, Maske, Handhygiene sowie das regelmäßige Lüften von Innenräumen sind der beste Schutz gegen eine Ansteckung mit dem neuartigen Coronavirus. Doch gerade das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes stößt bei vielen Menschen auf Widerstand. Klar atmet es sich ohne Alltagsmaske leichter - doch sollte es einem der Schutz seiner Mitmenschen nicht wert sein, diese Unannehmlichkeit in Kauf zu nehmen?

Wer ist von der Maskenpflicht befreit?

Dennoch gibt es Menschen, denen das Atmen durch eine Alltagsmaske aus gesundheitlichen Gründen oder aufgrund einer Behinderung besonders schwer fällt oder nicht möglich ist. Deshalb gilt für Kinder bis zu einem Alter von sechs Jahren, Menschen mit chronischen Erkrankungen oder mit einem Handicap laut Maskenverordnung eine Ausnahme.

Nicht zwingend erforderlich, jedoch sinnvoll, um im Alltag Probleme zu vermeiden, ist es, sich die Befreiung von der Maskenpflicht von einem Arzt per Attest bestätigen zu lassen.

Hinweisschild Maskenpflicht innerhalb des Stadtwalles - Mund-Nasen-Bedeckung tragen.
Für Kinder bis zu einem Alter von sechs Jahren, Menschen mit chronischen Erkrankungen oder mit einem Handicap gelten laut Maskenverordnung Ausnahmen. Bildrechte: imago images/spfimages

Für wen gilt eine Befreiung von der Maskenpflicht durch Attest?

Ist das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen nicht zumutbar oder unmöglich, können sich Betroffene per ärztlichem Attest von der Maskenpflicht befreien lassen. Das gilt insbesondere für Menschen, die an Asthma, Herzschwäche, chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) oder bestimmten psychischen Erkrankungen leiden.

Pauschal gibt es das Attest aber auch für sie nicht. Voraussetzung ist stets eine individuelle Untersuchung bzw. Konsultation beim Arzt - und der kann die Befreiung durchaus ablehnen.

Konkrete Diagnose sollte auf Attest vermerkt sein

Sollte man in die Verlegenheit kommen, seine Befreiung von der Maskenpflicht nachweisen zu müssen, ist es wichtig, dass der Grund für die Maskenbefreiung auf dem Attest vermerkt ist. Dazu gibt es bereits einige Gerichtsurteile. Ist der Grund nicht vermerkt, kann die Glaubwürdigkeit der Befreiung angezweifelt werden.

Eine Vorlage des Attests kann trotzdem nicht jeder fordern. Das hat datenschutzrechtliche Gründe. Davon ausgenommen sind beispielsweise das Zugpersonal der Deutschen Bahn, Kontrolleure des ÖPNV oder Schulen.

Ärztliches Attest für Maskenbefreiung
Lässt man sich per Attest von der Maskenpflicht befreien, sollte auf dem Attest der Grund dafür vermerkt sein. Bildrechte: imago images/U. J. Alexander

Kein Zutritt trotz Attest über Maskenbefreiung

Übrigens berechtigt auch ein Attest über eine Maskenbefreiung nicht automatisch dazu, sich in Geschäften oder anderen Einrichtungen, für die eine Maskenpflicht gilt, ohne Mund-Nasen-Schutz aufzuhalten. In Geschäften liegt die Entscheidung darüber beim Hausrecht des Eigentümers. Ein ärztliches Attest muss nicht zwingend akzeptiert werden.

Kompliziert wird das, wenn es sich bei dem betroffenen Kunden um einen Menschen mit Behinderung handelt. Dem muss nämlich aufgrund des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) der Zutritt auch ohne Maske gewährt werden.

Ein Mann steht an einer Kasse im Supermarkt. Käufer und Verkäuferin tragen Mundschutz.
Gechäfte und andere Einrichtungen müssen eine Befreiung von der Maskenpflicht nicht akzeptieren. Bildrechte: imago images/photonews.at

Finger weg von Blanko- und Gefälligkeitsattesten

Von aus dem Netz heruntergeladenen Blanko-Attesten zum selbst Ausfüllen oder sogenannten Gefälligkeitsattesten von (befreundeten oder gleichgesinnten) Ärzten sollte man tunlichst die Finger lassen. Nutzt man sie, um eine angebliche Maskenbefreiung vorzutäuschen, macht man sich strafbar.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 05. November 2020 | 17:15 Uhr

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