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BeReal wirbt damit, besonders authentisch zu sein - doch was steckt hinter der Trend-App? Bildrechte: IMAGO / Rüdiger Wölk

Social MediaHype um "BeReal" – Wie unterscheidet sich die App von Facebook, Instagram und Co.?

Stand: 02. Februar 2023, 17:41 Uhr

Authentisch und ungefiltert sein - damit wirbt BeReal. 2020 wurde die App gegründet, um täglich mit Freunden in Kontakt zu bleiben. Doch wie unterscheidet sie sich damit von Facebook, Instagram und Co.? Und welche Gefahren birgt sie vor allem für junge Nutzer? Ein Überblick.

Wie funktioniert BeReal?

Jeden Tag erhalten alle Nutzerinnen und Nutzer abhängig von ihrer Zeitzone zur gleichen Zeit eine Benachrichtung: "Zeit für BeReal. Du hast zwei Minuten Zeit, um dein BeReal zu posten und zu sehen, was deine Freunde machen". Wann die Benachrichtigung kommt, ist zufällig und von Tag zu Tag unterschiedlich.

Die Nutzerinnen und Nutzer haben ab der Benachrichtigung zwei Minuten Zeit, um die App zu öffnen und ein Foto zu schießen. Das Besondere: Das Foto wird sowohl mit der Innenkamera als auch mit der Außenkamera aufgenommen. Neben einem Selfie wird also auch ein Foto der Umgebung geschossen.

Das BeReal kann man so oft neu schießen wie man möchte. Allerdings können Freunde sehen, wie viele Versuche man gebraucht hat, um das perfekte Foto aufzunehmen.

Die Aufnahmen von Freunden kann man nur sehen, wenn man selbst ein BeReal geteilt hat. Auch nach Ablauf der zwei Minuten, kann noch ein BeReal aufgenommen werden. Allerdings wird vermerkt, dass es später hochgeladen wurde.

Nach dem Teilen des BeReals können Nutzerinnen und Nutzer noch eine Bildunterschrift hinzufügen und durch die Aufnahmen ihrer Freunde scrollen. Auf diese können sie mit Emojis oder Kommentaren reagieren.

BeReal gilt im Vergleich zu Instagram und Co. als besonders authentisch. Bildrechte: dpa

Was unterscheidet BeReal von Facebook, Instagram und Co.?

Plattformen wie Facebook, Instagram und TikTok haben den Ruf, nur einen kleinen inszenierten Teil des eigenen Lebens zu zeigen. BeReal steht für das komplette Gegenteil: Die App wirbt damit, ungefiltert und authentisch zu sein. Die Fotos sollen nicht gestellt sein und Freunden zeigen, was man zum zufälligen Zeitpunkt der Benachrichtigung gerade macht.

Außerdem kann man am Tag nur ein Foto aufnehmen. So zeigt BeReal auch die weniger spannenden Seiten des Lebens. Die Benachrichtigung kann die Nutzerinnen und Nutzer zu jeder Tageszeit erwischen. Ob in der Uni oder Schule, in der Straßenbahn oder beim Einkaufen – bei BeReal sollen nicht nur die Highlights gezeigt werden, sondern auch der ungefilterte Alltag.

Besonders für junge Nutzer nicht ungefährlich

Zwar wirbt BeReal damit, keinen sozialen Druck, Schönheitsideale oder soziale Vergleiche zu befeuern. Dennoch birgt das Netzwerk besonders für junge Nutzerinnen und Nutzer Gefahren.

Die zufällige Benachrichtigung und das begrenzte Zeitfenster, um ein Foto hochzuladen, kann vor allem Jugendliche dazu verleiten, unüberlegt ein BeReal von Situationen hochzuladen, die nicht für die Öffentlichkeit geeignet sind. Das Foto kann zwar im Nachhinein wieder gelöscht werden, wird dann ein Neues gepostet, wird dieses allerdings als zu spät markiert. Ein erneutes Löschen ist dann nicht mehr möglich.

Das interaktive Design setzt Nutzerinnen und Nutzer unter Druck, jeden Tag ein BeReal hochzuladen, um nichts zu verpassen. Denn nur wenn man selbst ein BeReal teilt, können auch die Beiträge von Freunden eingesehen werden. Personen, die nichts verpassen möchten, liefert die App einen weiteren Grund, dauernd erreichbar zu sein und häufiger auf ihr Handy zu schauen.

Vorsicht beim Teilen des Standorts

Bevor Nutzer ihr erstes BeReal abschicken, werden sie gebeten, den Standort freizugeben. Ist die Standortfunktion einmal aktiviert, bleibt sie für künftige Fotos automatisch angeschaltet und muss jedes Mal aktiv ausgeschaltet werden. Alle Nutzerinnen und Nutzer können dadurch genau einsehen, wo das BeReal hochgeladen wurde. Dadurch können regelmäßige Aufenthaltsorte von Personen identifiziert werden.

Die Discovery-Funktion macht das persönliche BeReal für alle Nutzerinnen und Nutzer weltweit sichtbar. Bildrechte: dpa

Discovery-Funktion: Jeder kann das BeReal sehen

Es gibt nicht nur die Funktion, das tägliche BeReal mit seinen Freunden zu teilen. Man kann auch in den Einstellungen auswählen, das BeReal für alle Nutzerinnen und Nutzer der App sichtbar zu machen. Ist diese Option ausgewählt, wird das BeReal auf dem sogenannten "Discovery-Feed" hochgeladen. Auf den haben alle BeReal-Mitglieder weltweit Zugriff. Ist zusätzlich noch die Standortfunktion aktiviert, können dadurch fremde Menschen den persönlichen Standort einsehen.

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Dieses Thema im Programm:Das Erste | BRISANT | 01. Februar 2023 | 17:15 Uhr