Bedrohte Insekten Bienensterben - was kann man dagegen tun?

Gut die Hälfte der mehr als 500 bei uns heimischen Wildbienenarten ist vom Aussterben bedroht. Dabei sind die emsigen Insekten dringend nötig, damit es weiter grünt und blüht und unsere Nahrungsquellen gesichert sind. Was unterscheidet die Wildbienen von den uns bekannten Honigbienen - und was kann jeder Einzelne von uns dazu beitragen, sie zu retten?

Honigbienen auf einer Honigwabe.
Gut die Hälfte der bei uns heimischen Wildbienen ist vom Aussterben bedroht. Bildrechte: Colourbox.de
Bienen an der Honigwabe. 3 min
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BRISANT Mi 27.04.2022 17:15Uhr 03:17 min

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Wildbienen, Honigbienen - weshalb sind Bienen so wichtig?

Ob Wild- oder Honigbienen - beide Arten sind in der Natur unersetzlich. Sie tragen den Pollen von Blüte zu Blüte, der für das Wachstum von Früchten und Samen nötig ist. Damit leisten sie einen unverzichtbaren Beitrag für die Vielfalt der Pflanzen, Tiere - und nicht zuletzt unserer Nahrungsquellen.

Welche Arten sind vom Aussterben bedroht?

Vom Aussterben bedroht sind vor allem die Wildbienen. Bereits die Hälfte der mehr als 560 bei uns ansässigen Wildbienenarten ist gefährdet. Ein Grund dafür sind u.a. extrem milde Winter, denn die sorgen bei den Bienen für Verwirrung. Sie beginnen zu schlüpfen, obwohl die Pflanzen, von denen sie sich ernähren, noch nicht blühen. Das überleben die meisten der Tiere nicht.

Ein weiterer Grund für das Aussterben der Wildbienen ist, dass es immer weniger Nektar und Pollen spendende Pflanzen gibt und die Landwirtschaft auf Monokulturen setzt. Ist deren Blütezeit vorbei, finden die Tiere keine Nahrung mehr. Auch blühendes "Ackerunkraut" wird durch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln immer weniger.

Hinzu kommt, dass die Tiere immer weniger sichere Orte finden, um zu nisten und Nachwuchs zu bekommen.

Holzbiene auf einer Blüte 1 min
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1 min

Mi 27.04.2022 14:16Uhr 01:08 min

https://www.mdr.de/brisant/klimawandel-bienen-102.html

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Auch die Honigbiene hat es nicht leicht

Die Honigbienen sind zwar nicht vom Aussterben bedroht, da sie von Menschen gezüchtet und versorgt werden. Aber es gibt nicht genug Honigbienen, um die schwindenden Wildbienen-Populationen wettzumachen. Und auch Honigbienen kämpfen mit Problemen wie Schädlingen oder Krankheiten.

„Buddelhonig“ auf der Deponie in Erfurt-Schwerborn mit Imker Thomas Maul.
Die Honigbienen werden zwar mit Nistplätzen und Nahrung versorgt, doch auch ihnen machen Schädlinge und Krankheiten zu schaffen. Bildrechte: MDR/Isabelle Fleck

Was kann man für Honig- und Wildbienen tun?

Vor allem Haus- und Gartenbesitzer können einiges dazu beitragen, Wild- und Honigbienen ihren Lebensraum zurückzugeben.

Ein naturnaher und bienenfreundlich gestalteter Garten mit viel Abwechslung bietet Wildbienen Unterschlupf und Futter. Die meisten Bienen sind Spezialisten und fliegen nur bestimmte Pflanzen an. Je unterschiedlicher die Bepflanzung im Garten, desto größer ist die Chance, dass die Bienen in Sachen Nahrung fündig werden.

1. Bienenfreundliche Pflanzen anbauen

Beim Kauf von Saatgut sollte man darauf achten, heimische und bienenfreundliche Pflanzen zu kaufen. Denn nicht alles, was blüht bietet Bienen auch Nahrung. Gut geeignet sind z. B. Lavendel, Margeriten, Glockenblumen oder Sonnenblumen.

Viele weiße Margeritenblüten.
Margeriten sind für Wildbienen ein wahres Festmahl. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

2. Nistplätze schaffen: Insektenhotel oder Nisthilfe bauen

Wer im Garten oder auf dem Balkon ausreichend Platz hat, kann Bienen mit einem Insektenhotel Unterschlupf bieten. Fertige Nisthilfen sind in großer Auswahl im Handel erhältlich, können aber auch mit wenig Aufwand selbst gebaut werden.

Dafür sollte man möglichst natürliche Materialien verwenden: angebohrtes Hartholz, Röhren aus Papier mit unterschiedlichen Durchmessern, Halme aus Stroh oder auch Ton, in den man unterschiedlich breite Löcher drückt.

Aufgehängt werden sollte das Hotel an einem sonnigen, vor Wind und Wetter geschützten Ort.

Nach dem Vorbild der Natur Nistplätze für Wildbienen bauen

Altes Holz mit vielen Löchern für Insekten
Wildbienen brauchen Höhlen, in die sie ihre Brut sicher ablegen können. Die besten Behausungen finden sie in der Natur - in wilden Ecken im Garten oder im Totholzstapel. Bildrechte: MDR / Daniela Dufft
mit durchlöchertem Lehm gefüllter Blumentopf, ein Tetrapack mit hohlen Stängeln und Schneckenhäuser liegen auf einem Tisch
Wir können Wildbienen zusätzlich unterstützen, in dem wir auf ihre Bedürfnisse eingehen und mit Naturmaterialien Nistplätze bauen. Bildrechte: MDR/ Daniela Dufft
angerührter Lehm im Eimer
Ton ist perfekt für ein Wildbienenhotel. Er sollte möglichst frei von Steinen und Holz sein. Dafür wird er immer wieder gewaschen und Grobes entfernt. Der feine Ton setzt sich am Boden ab. Bildrechte: MDR/ Brigitte Goss
In einen Terrakottatopf wurde Lehm gefüllt. Mit einem Stock werden Löcher in den Lehm gebohrt.
Dann kann so ein Terrakotta-Blumenkasten mit Ton gefüllt werden. Sobald die Masse anzieht, aber noch nicht ganz fest ist, können tiefe Löcher in den Ton gestochen werden - idealerweise in verschiedenen Größen. Bildrechte: MDR/ Brigitte Goss
Hohle Stängel in einer Büchse
Schnell gemacht ist auch eine Nisthilfe aus hohlen Stängeln, aus Schilf oder Naturstrohhalmen, die einfach in eine Dose gesteckt werden. Scharfe Kanten unbedingt abschleifen! Anschließend die Dose regengeschützt - mit den Halmen nach vorn - im Garten aufhängen. Bildrechte: MDR/ Brigitte Goss
Schneckenhäuser liegen auf der Erde
Also bitte die Schneckenhäuser nicht wegräumen oder an einer geschützten Stelle im Garten neu auslegen. Aber Vorsicht, vielleicht ist schon jemand eingezogen! Bildrechte: MDR/ Daniela Dufft
Altes Holz mit vielen Löchern für Insekten
Wildbienen brauchen Höhlen, in die sie ihre Brut sicher ablegen können. Die besten Behausungen finden sie in der Natur - in wilden Ecken im Garten oder im Totholzstapel. Bildrechte: MDR / Daniela Dufft
Wildbiene sitzt auf einem Schneckenhaus, das auf der Erde liegt
Die Schneckenhaus-Mauerbiene liebt leere Schneckenhäuser. Bildrechte: MDR/ Brigitte Goss
Ein Nistblock für Wildbienen: mehrere Bretter mit Löchern  wurden übereinandergestapelt.
Solche ausgeklügelten Nistblöcke, gibt es fertig zu kaufen. Die einzelnen Platten lassen sich beliebig hoch stapeln und werden gern von Mauerbienen angenommen. Aber Vorsicht, unbedingt vor Regen und Feuchtigkeit schützen! Bildrechte: MDR/ Daniela Dufft
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 16. Mai 2021 | 08:30 Uhr

mit durchlöchertem Lehm gefüllter Blumentopf, ein Tetrapack mit hohlen Stängeln und Schneckenhäuser liegen auf einem Tisch
Bildrechte: MDR/ Daniela Dufft

3. Auf Pestizide verzichten

Ob im eigenen Garten oder auf dem Balkon - wer gärtnert, sollte den Bienen zuliebe auf bienenschädliche Pflanzenschutz-, Unkraut- und Schädlingsbekämpfungsmittel - wie Pestizide, Herbizide und Biozide - verzichten. Insbesondere Mischungen aus mehreren Giften können tödlich sein. Die Verwendung von Neonicotinoiden ist bereits verboten.

4. Honig aus der Region kaufen

Fast 80 Prozent des im Handel erhältlichen Honigs wird importiert. Meist handelt es sich aus Mischungen von Honigen aus Nicht-EU-Ländern. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass darunter auch Honig aus Südamerika ist, der Pollen von gentechnisch veränderten Pflanzen enthält.

Neben der Umweltbelastung durch die langen Transportwege können durch den Import auch Bienenkrankheiten nach Deutschland eingeschleppt werden. Daher ist es sinnvoll, Honig aus der Region und direkt vom Imker zu bevorzugen.

Imker bei der Arbeit: Wie aus der Honig aus dem Bienenstock in Honiggläser gelangt.
Auch wer beim Honigkauf auf regionale Produkte vom Imker setzt, tut den Bienen Gutes. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

5. Bienenkrankheiten stoppen - Honiggläser ausspülen

Durch importierten Honig werden Krankheiten wie die amerikanische Faulbrut nach Deutschland eingeschleppt. Verbreitet werden die auslösenden Endosporen u.a. durch Honigreste in Glascontainern. Im Herbst fliegen die Bienen darauf - und bringen so die tödliche Krankheit in die heimischen Völker. Deshalb sollten Honiggläser ausgewaschen werden, bevor man sie in den Glascontainer wirft - am besten in der Spülmaschine.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 27. April 2022 | 17:15 Uhr

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